Plastik in Seevögeln und Fischen

Einwegbeutel aus Plastik sind der EU ein Dorn im Auge. Bis 2025 sollen die Konsumenten nur 40 Säcke pro Kopf jährlich verwenden. Doch befürchten manche Politiker mit Blick auf den neuen Entschlackungseifer in Brüssel um Europas hohe Umweltstandards.

Peter Riesbeck
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BRÜSSEL. Die EU-Staaten wollen den Verbrauch von Plastiksäcken eindämmen. Das haben die Mitgliedstaaten diese Woche in Brüssel besiegelt. Demnach soll die Zahl der verwendeten Kunststoffbeutel in der EU von derzeit jährlich 176 Säcken pro Konsument ab 2019 auf 90 Säcke sinken, und bis 2025 soll der Verbrauch gar auf durchschnittlich 40 Säcke pro Person im Jahr zurückgehen. Der deutsche CDU-Europaabgeordnete Peter Liese sagte gegenüber der «Berliner Zeitung»: «Der Schritt ist richtig, weil Kunststofftüten ein grosses Problem darstellen, etwa bei der Meeresverschmutzung. Und er ist pragmatisch.» So sind kleine Plastiksäcke, wie sie für frisches Obst und Gemüse benutzt werden, von der Regelung ausgenommen.

Abbau erst nach 450 Jahren

Plastiksäcke werden aus den Kunststoffen Polyethylen oder Polypropylen hergestellt. Bis sie in der Umwelt abgebaut sind, vergehen bis zu 450 Jahre. Studien von Biologen fanden in 94% der Seevögel Plastikrückstände, ebenso in Fischen. Derzeit werden in den EU-Staaten rund 100 Mrd. Plastiksäcke im Jahr verbraucht. Vor allem Polen und Portugiesen lehnten in der Debatte strikte Regelungen ab. Sie sind mit 450 Säcken Spitzenreiter im Pro-Kopf-Verbrauch. Im umweltbewussten Dänemark sind es lediglich zehn Säcke.

Die EU-Staaten machen nun ernst, der Plastikbeutel kommt künftig in die Tüte. Zumindest ein bisschen. Grosse Kunststofftragetaschen bleiben von der Regelung nämlich unberührt. Auch geht die EU neue Wege. Sie stellt es den Mitgliedstaaten frei, wie sie das Ziel vorantreiben, die Verwendung der Plastiksäcke einzuschränken, ob über eine Verkaufsabgabe am Ladentisch oder ein Verbot. Laut einer Studie des deutschen Umweltbundesamtes entfallen auf Plastiksäcke lediglich 0,7% des jährlichen Kunststoffverbrauchs in Deutschland. Befürworter eines Verbots hoffen aber auf ein verstärktes Umweltbewusstsein. Allerdings sind Jutesäcke oder Papiersäcke wegen des hohen Wasserverbrauchs bei der Herstellung mit Blick auf die ökologische Gesamtbilanz keine ernsthafte Alternative. Der Trend geht also zum Einkaufskorb.

Umweltstandards wahren

In Brüssel werden derweil die Vorschriften entschlackt. Das könnte auch Ökoregelungen treffen. Und so bangt mancher um Umweltstandards. Erst in der Vorwoche ist das Kreislaufwirtschaftsgesetz gestoppt worden, das höhere Recyclingquoten vorsieht. «Sowohl Fachminister als auch Europaparlament haben sich wiederholt klar für die Beibehaltung des Pakets ausgesprochen», sagt der SPD-Europaabgeordnete Matthias Groote.

Auch Groote lobte den Vorstoss bei den Plastiksäcken. Er stellt aber unmissverständlich klar: «Bestehende Umweltstandards müssen gewahrt werden.» Sonst gehe es dem Umweltschutz in Europa wie der Tüte. Beide landen auf der Kippe.

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