Pionierarbeit für die Energiebranche

Mit der Erarbeitung von Kennzahlen-Cockpits für Energiebeteiligungen leistete das Projektteam der FHS St. Gallen Pionierarbeit. Das Tool wird vom Auftraggeber, der SN Energie AG, bereits eingesetzt.

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Die FHS-Studenten betraten für SN Energie Neuland. (Bild: pd)

Die FHS-Studenten betraten für SN Energie Neuland. (Bild: pd)

«In den 30er-Jahren kostete eine Kilowattstunde Strom fast so viel, wie ein Arbeiter in einer Stunde verdiente», erzählt Adrian Inauen, Leiter Energie der SN Energie AG. Die SN Energie ist ein Versorgungsunternehmen, das kommunale und städtische Energieversorger mit Elektrizität beliefert. Sie betreibt eigene Kraftwerke und hält Beteiligungen und Bezugsrechte verschiedener Stromerzeugungsarten im In- und Ausland. «Wir profitieren noch heute von den Pionieren, welche es in den 30er-Jahren gewagt haben, notabene während der ersten grossen Wirtschaftskrise, in Staumauern und Leitungen zu investieren. Diese Weitsicht zahlte sich erst später aus, denn anfangs rentierten die Anlagen noch nicht.»

Mit dieser Anekdote erläutert Adrian Inauen, warum das von Studierenden der FHS St. Gallen entwickelte Excel-Tool für ihn so wertvoll ist. «Wir investieren derzeit stark in erneuerbare Energie, und daher ist es entscheidend, Beteiligungen phasengerecht zu betrachten. Mit dem Kennzahlen-Cockpit kann ich aktuelle Investitionen mit früheren und mit Benchmarks ähnlicher Investitionen vergleichen.» Zudem ermögliche es Auswertungen und Simulationsmöglichkeiten zu Rentabilität, Stabilität und Liquidität.

Neuland betreten

Die Lösung des Studententeams basiert auf Grundlagen, die anhand der Anforderungen der Branche spezialisiert wurden. Dabei orientiert sich das Kennzahlen-Cockpit an der Portfolio-Strategie der SN Energie, die sich aus diversen Beteiligungen zusammensetzt. Um diese steuern zu können, hat das Team über 20 wichtige Kennzahlen evaluiert. Neben einem Clustering zu Liquiditäts-, Rentabilitäts- und Stabilitäts- sowie Energie-Kennzahlen liefert das Tool der SN Energie auch spezifische Benchmarks.

Gerade diese Benchmarks forderten die Studierenden Stefan Zehnder, Alexandra Jud, Christian Kressig, Christian Staber, Christian Frei und Andreas Grandits: «Ein im voraus formuliertes Ziel war es, Benchmarks zu erarbeiten, mit denen zum Beispiel Beteiligungen an Windkraftwerken untereinander verglichen werden können. Doch das Energiebeteiligungs-Controlling ist in der Praxis noch nicht verankert und es sind kaum Grundlagen vorhanden», so Teamleiter Stefan Zehnder. Dies bestätigt auch Marcus Hauser, der Coach des Teams: «Dieses Praxisprojekt war für mich sehr spannend, denn auch ich habe viel über das Controlling von Beteiligungsgesellschaften gelernt.» Die Arbeit der Studierenden ist damit eine Grundlagenarbeit in der Energiebranche.

Bereits im Einsatz

«Das Tool konnte von unserem Kunden bereits am nächsten Tag verwendet werden», erzählt Student Christian Frei. Auch Adrian Inauen hat die Zusammenarbeit mit dem Projektteam überzeugt: «Wenn man im Tagesgeschäft steckt, fehlt oft die Zeit zur Vogelperspektive. Mit der Auftragserteilung war ein Rückzug nicht mehr möglich, denn die Studierenden waren hochmotiviert und hatten eine Deadline. Obwohl man als Unternehmen auch einen Beitrag leisten muss, erhält man Topresultate für wenig Kosten.»