PHARMA: Roche zeigt sich in den USA immun

Der Basler Pharmariese zeigt keine Angst vor dem scharfen US-Preisdiktat. Die Zahlen 2016 bestätigen die Stabilität des Konzerns: Sowohl beim Umsatz wie beim Börsenwert überholte man Konkurrent Novartis.

Daniel Zulauf/Basel
Drucken
Teilen

Daniel Zulauf/Basel

Roche nimmt die scharfen Worte von Donald Trump gelassen und schaut den vom US-Präsidenten angekündigten Reformen des Gesundheitssystems zuversichtlich entgegen. «Wir sind gut positioniert in den USA», sagte Konzernchef Severin Schwan gestern an der Bilanzmedienkonferenz. Roche setze traditionell ganz auf Innovation und lebenswichtige Medikamente, betonte der Österreicher in der unausgesprochenen Erwartung, dass sich Trump kaum trauen werde, dort Hand anzulegen.

Am ersten Treffen des neuen Präsidenten mit Vertretern der Pharmaindustrie ­diese Woche war Schwan im Unterschied zu Novartis-Chef Joseph Jimenez nicht zugegen. «Wenn sich eine Gelegenheit für ein Treffen ergeben sollte, wäre ich sicher interessiert», sagte Schwan mit auffallender Zurückhaltung.

«Rahmenbedingungen nicht verschlechtern»

Die jüngsten Einreisebeschränkungen in den USA scheint man bei Roche für ein vorübergehendes Phänomen zu halten. Der Konzern beschäftigt 25 000 Mitarbeiter in den USA, darunter Spezialisten aus vielen Ländern. «Ich bin zuversichtlich, dass sich über die Zeit die Gesamtsicht durchsetzen wird», sagte Schwan angesprochen auf weitere mögliche politische Manöver, die auch Roche und der gesamten amerikanischen Pharmabranche schaden könnten. Die USA profitiere in hohem Masse von der Life-Sciences-Industrie und müsse deshalb ein Interesse daran haben, die Rahmenbedingungen nicht zu verschlechtern.

In den vergangenen fünf Jahren habe ­Roche in den USA 3000 Arbeitsplätze geschaffen. Gleichzeitig hatte Roche aber auch den traditionsreichen Standort in Nutley in New Jersey geschlossen und dabei rund 1000 Stellen abgebaut. Der Umbau von Roche geht auch dieses Jahr weiter. In Spanien, Irland und wiederum in Amerika kommt es zur Schliessung von Produktionsstandorten. In Amerika ist diesmal eine Fa­brik in Florence im Bundesstaat South Carolina betroffen, die bis vor kurzem 270 Angestellte zählte und bis 2019 geschlossen oder verkauft werden soll.

Die USA sind der mit grossem Abstand wichtigste Markt für ­Roche. Von dem im vergangenen Jahr erzielten Gesamterlös von 50,6 Mrd. Fr. stammen nicht weniger als 43% aus den USA. Der Anteil Europas bewegt sich bei etwas über 25%. Als Zugpferde wirken weiterhin Mabthera, Avastin und Herceptin – drei Krebs­medikamente, die zusammen fast 21 Mrd. Fr. Umsatz auf die Waage bringen. ­Mabthera und Herceptin haben ihren Patentschutz in Europa bereits verloren. 2018 und 2019 werden die Patente von Mabthera und Herceptin auch in den USA auslaufen. Und 2020 ist in den USA und in Europa die Bahn auch für Kopien von Avastin frei.

Pipeline neuer Medikamente

Schwan verwies selbstbewusst auf die starke Pipeline an neuen Medikamenten und erklärte, er gehe klar davon aus, die Umsatzverluste durch die Generika-Konkurrenz ganz durch die Verkäufe neuer Medikamente ausgleichen beziehungsweise sogar überkompensieren zu können.

Trotz der sich abzeichnenden Unwägbarkeiten rechnet Roche für das ­laufende Jahr mit einer ­erneuten Gewinnsteigerung und setzt mit der Erhöhung der ­Dividende von 8.10 Fr. auf 8.20 Fr. pro Titel ein entsprechendes Zeichen.