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PHARMA: Die Konkurrenz im Nacken

Selbst dem weltgrössten Biotechkonzern Roche setzen Rivalen immer mehr zu. Die Basler müssen in den kommenden Jahren mit Umsatzeinbussen rechnen.
Daniel Zulauf
Abgabe von Medikamenten an einen Patienten im Spital. (Bild: Susann Basler (28. September 2009, Frauenfeld))

Abgabe von Medikamenten an einen Patienten im Spital. (Bild: Susann Basler (28. September 2009, Frauenfeld))

Daniel Zulauf

Während Jahren herrschte in der globalen Pharmaindustrie so etwas wie eine kollektive Angst des Versagens: Wie tief wird der Fall über die Patentklippe sein? So lautete stets die bange Frage in der Branche. Der Basler Konzern Roche schien davon lange Zeit unberührt zu sein. Das Unternehmen hatte mit dem Kauf des US-Biotechkonzerns Genentech bereits im Jahr 1990 einen grossen Schritt gemacht weg von der traditionellen synthetischen Chemie hin zur zukunftsträchtigen Biotechnologie. Der strategische Zug machte Roche schon vor langer Zeit zum weltgrössten Hersteller von Biopharmazeutika.

Abgesehen davon, dass bio­logische Therapien inzwischen State of the Art in der Pharmazie sind, sind solche Medikamente darüber hinaus auch viel schwieriger zu kopieren als Pillen, die auf handfesten chemischen Formeln basieren. Während in der amerikanischen Generika-Industrie, die Nachahmer-Medikamente herstellt, bereits ein harter Ausscheidungskampf stattfindet, bei dem einige Firmen auf der Strecke bleiben dürften, kommt die Biosimilar-Industrie, die Biopharmazeutika kopiert, erst jetzt richtig in Fahrt.

Nun sammelt auch Roche die ersten Erfahrungen mit Biosimilars, und diese sind für den erfolgsverwöhnten Konzern doch eher beunruhigend. Die Krebstherapie Mabthera hat im zweiten Quartal 2017 den Patentschutz in Europa verloren, und seither sind die Verkäufe im zweistelligen Prozentbereich rückläufig – Tendenz stark zunehmend. Eine andere Krebstherapie namens Herceptin hat den Patentschutz in Europa ebenfalls im zweiten Halbjahr 2017 verloren. Noch sind allerdings die Umsätze nicht eingebrochen, weil es Roche mit Hilfe einer neuen patentgeschützten Darreichungsform gelungen ist, unliebsame Konkurrenz vorerst zurückzubinden. Doch Mabthera und Herceptin werden ab dem Jahr 2019 auch in den USA den Patentschutz verlieren, und ein Jahr später gilt das gleiche auch für eine dritte Krebstherapie namens Avastin. Die drei Therapien haben Roche 2017 rund 21 Milliarden Franken oder 40 Prozent des Konzernumsatzes von 53,3 Milliarden Franken (+5 Prozent) eingebracht. Roche-Konzernchef Severin Schwan sagt aber, das Unternehmen sei gut aufgestellt, um sich gegen die «steigenden Herausforderungen zu behaupten». Im Vorjahr tönte er jedoch noch eine Spur selbstsicherer.

Wertberichtigung von 1,6 Milliarden Franken

Zwar verfügt Roche tatsächlich über neue Medikamente, die derzeit durchaus Furore machen. Ocrevus, ein Präparat zur Behandlung von multipler Sklerose, schaffte den Sprung zum Blockbuster (Umsatzmilliardär) quasi aus dem Stand. Und auch die Immuntherapie Tecentriq kann den hohen Erwartungen teils gerecht werden. Doch auch der Pharmagigant Roche ist vor Rückschlägen nicht gefeit. Esbriet, ein Präparat zur Behandlung schwerer Lungenerkrankungen, das 2014 über den Kauf der kalifornischen Intermune für über 8 Milliarden Dollar ins Portefeuille aufgenommen wurde, hält nicht, was es damals versprochen hatte. «Wir glaubten, dass wir das Medikament in einem früheren Behandlungsstadium zur Verfügung stellen könnten», erklärt Schwan die Enttäuschung. Die Folge: Roche musste zu Lasten der Rechnung 2017 eine Wertberichtigung von 1,6 Milliarden Franken vornehmen, was den Reingewinn um 9 Prozent von 9,7 auf 8,8 Milliarden Franken gedrückt hat. «Das Jahr des Übergangs», wie Schwan 2018 beschreibt, dürfte bei Roche zudem eine weitere Umsatzverflachung bringen.

Versüsst wird den Aktionären das Jahr immerhin durch die US-Steuerreform, die Roche dank der US-Tochter Genentech im Rahmen eines «hohen dreistelligen Millionenbetrages» stark erleichtern werde. Trotz 31. Dividendenerhöhung in Folge zeigten sich die Anleger jedoch verschnupft: Die Genussscheine verloren über 2 Prozent und notieren trotz Börsenbooms fast 2 Prozent tiefer als vor einem Jahr.

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