Investition
Einstieg bei Swiss Steel: Peter Spuhler baut sein industrielles Imperium aus

Der Stadler-Patron beteiligt sich mit 10 Prozent am Luzerner Stahlhersteller. Verkäufer ist Swiss-Steel-Grossaktionär und Amag-Eigentümer Martin Haefner. Mit der Reduktion seines Pakets arbeitet er darauf hin, den anderen Aktionären kein öffentliches Kaufangebot unterbreiten zu müssen. Kleinaktionäre zeigen sich trotzdem erfreut über Spuhlers Engagement.

Thomas Griesser Kym und Maurizio Minetti
Drucken
Teilen
Peter Spuhler steigt beim Stahlkocher Swiss Steel ein.

Peter Spuhler steigt beim Stahlkocher Swiss Steel ein.

Bild: Urs Bucher (Bussnang, 5. März 2020)

Stadler-Chef Peter Spuhler übernimmt via seine PCS Holding AG in Frauenfeld 306 Millionen Aktien des Stahlherstellers Swiss Steel Group. Das entspricht rund 10 Prozent des Aktienkapitals und der Stimmrechte des Unternehmens, wie Swiss Steel mitteilt. Zum Schlusskurs vom Donnerstag von 33 Rappen pro Aktie hat das Paket einen Wert von 101 Millionen Franken. Am Freitag schloss die Stahlaktie als Reaktion auf Spuhlers Einstieg um 16 Prozent im Plus auf 38 Rappen.

Verkäuferin der Aktien ist die Big Point Holding AG von Swiss-Steel-Grossaktionär Martin Haefner, dem Eigentümer des Autoimporteurs Amag. Big Point war bisher laut der Übersicht auf der Swiss-Steel-Website über die Aktionärsstruktur im Besitz von 51,34 Prozent der Swiss-Steel-Aktien. Der Luzerner Stahlhersteller, der früher Schmolz+Bickenbach hiess, ist Weltmarktführer im Markt für Speziallangstahl. Zweitgrösste Aktionärin der Swiss Steel ist die untereinander verbundene Gruppe um den russischen Oligarchen Viktor Vekselberg, bestehend aus der Liwet Holding AG und der AO Compleksprom mit zusammen 25,89 Prozent. Fast 23 Prozent der Aktien befinden sich im Streubesitz.

Martin Haefner löst sein Problem und heisst Peter Spuhler willkommen

Swiss-Steel-Grossaktionär Martin Haefner.

Swiss-Steel-Grossaktionär Martin Haefner.

Bild: Dominik Wunderli (Cham, 26. November 2019)

Dass mittelfristig der Einstieg eines neuen Investors für Haefner von Interesse sein dürfte, hatte sich abgezeichnet. Denn bis Ende 2024 muss er seinen Anteil an Swiss Steel unter die Schwelle von 33,33 Prozent reduzieren. Andernfalls müsste er gemäss einer Verfügung der Finanzmarktaufsicht (Finma) den übrigen Swiss-Steel-Aktionären ein Pflichtangebot zur Übernahme aller Aktien unterbreiten.

Haefner selber lässt in einer schriftlichen Stellungnahme verlauten, er begrüsse die Beteiligungsnahme der PCS Holding AG an der Swiss Steel Holding AG. Martin Haefner weiter:

«Sie liegt im besten Interesse der Gesellschaft und ihres nachhaltigen Erfolges.»

Auf die Frage, warum Haefner seine absolute Mehrheit an Swiss Steel aufgibt, schreibt er, seine Mehrheitsbeteiligung habe sich «aus der Notwendigkeit der letzten Kapitalerhöhung ergeben». Er, Haefner, habe jedoch immer gesagt, dass er «keine Ambitionen auf eine dauerhafte absolute Mehrheit an der Gesellschaft» habe.

Kleinaktionäre von Swiss Steel zeigen sich erfreut über Spuhlers Einstieg

Der Deal kommt bei den Kleinaktionären gut an. Roland Wismer, der letztes Jahr die «Interessengemeinschaft der unzufriedenen Kleinaktionäre der Swiss Steel» (Iguk) mitgegründet hat, sagt auf Anfrage:

«Mit Peter Spuhler gewinnt die Swiss Steel Group einen industriellen Partner mit grosser Erfahrung, das ist ganz in unserem Interesse.»

Wismer erinnert daran, dass Spuhler mit seinen Beteiligungen am Schienenfahrzeugbauer Stadler, am Textilmaschinenhersteller Rieter, am Autozulieferer Autoneum sowie am Hersteller von Spezialfahrzeugen für die Kommunal- und Landwirtschaft, Aebi Schmidt, schon seit Jahren im Umfeld der Stahlindustrie tätig ist.

Die Iguk hatte in den letzten Monaten darauf gepocht, dass Grossaktionär Martin Haefner den Kleinaktionären ein vernünftiges Kaufangebot für deren Aktien macht; doch mittlerweile ist diese Forderung in den Hintergrund gerückt – auch deshalb, weil der Aktienkurs der Swiss Steel seit Monaten steigt.

Peter Spuhler als langfristiger industrieller Investor

Aus diesen Coils von Swiss Steel in Emmenbrücke werden Stäbe oder Drähte gemacht.

Aus diesen Coils von Swiss Steel in Emmenbrücke werden Stäbe oder Drähte gemacht.

Bild: PD

Spuhler und die PCS Holding geben auf Anfrage keinen Kommentar ab zur Beteiligung an Swiss Steel. Diese passt aber in Spuhlers Strategie, sich auch ausserhalb Stadlers als industrieller Investor zu betätigen. Und dies jeweils langfristiger Natur. So hielt er etwa Autoneum und Rieter auch dann die Stange, als ihre Geschäfte litten und die Aktienkurse deutlich nachgaben.

Im März 2019, kurz vor dem Börsengang Stadlers, sagte Spuhler gegenüber der «Sonntagszeitung» auf die Frage, was er mit den Mitteln zu tun gedenke, die ihm aus dem Verkauf eines Pakets an Stadler-Aktien zufliessen: «Das Geld ist nicht für mich, sondern bleibt in der PCS Holding.» Die Milliardensumme werde ein «unternehmerischer Werkzeugkasten, um meine bestehenden Beteiligungen an Stadler, Autoneum, Rieter und Aebi Schmidt weiterzuentwickeln.»

Bei Autoneum einen Vertrauensmann installiert

Dass Spuhler einen Verwaltungsratssitz bei Swiss Steel anstreben könnte, gilt indessen als kaum wahrscheinlich. Zumal er erst im März 2021 aus dem Verwaltungsrat von Autoneum zurückgetreten ist mit der Begründung, er müsse sich verstärkt um Stadler kümmern. Dort hat er neben dem Verwaltungsratspräsidium seit Mai 2020 auch die operative Leitung wieder inne, nachdem Thomas Ahlburg als Konzernchef abrupt ausgeschieden war.

Bei Autoneum allerdings ist Spuhler, wo er gut 16 Prozent der Aktien hält, weiterhin im Verwaltungsrat vertreten, mit einer Vertrauensperson: Spuhlers Sitz übernahm Oliver Streuli, Geschäftsführer der PCS Holding. Präsidiert wird der Autoneum-Verwaltungsrat von Rechtsanwalt Hans-Peter Schwald, der bei Stadler Vizepräsident ist.

Peter Spuhler war schon letztes Jahr an Swiss Steel interessiert

Im Herbst 2020 war ein mutmasslicher Versuch Spuhlers, sich an Swiss Steel zu beteiligen, noch gescheitert. Angeblich hatte er 108 Millionen Franken für einen Anteil von 25 Prozent geboten. Damals war die Aktie an der Börse nur rund 18 Rappen wert, als Folge der Coronakrise, von Verlusten und einer Absatzflaute.

Aus einem Engagement Spuhlers wurde damals aber nichts, und Swiss Steel wurde mit frischen Krediten von rund 200 Millionen Euro über Wasser gehalten, davon alleine 130 Millionen von Haefner. Luft verschafften Swiss Steel auch Kapitalerhöhungen. Durch die Kapitalerhöhung im März 2021 erlangte Haefner schliesslich an Swiss Steel die absolute Mehrheit – die er, wie er nun verlauten lässt, gar nie gesucht habe. Liwet um Viktor Vekselberg bekämpfte die Kapitalerhöhungen juristisch. Gestern sagte nun ein Liwet-Sprecher zum Deal zwischen Haefner und Spuhler: «Wir sind erfreut über diese überraschende positive Entwicklung.»

Nach hohen Verlusten ist Swiss Steel zurück in der Gewinnzone

Blick in die Produktion der Swiss Steel in Emmenbrücke.

Blick in die Produktion der Swiss Steel in Emmenbrücke.

Bild: Eveline Beerkircher (24. August 2013)

Swiss Steel hat 2019 und 2020 Verluste von total 830 Millionen Franken verbucht, wobei Corona die Krise verschärft hatte. Der Umsatz sank 2020 von 3 Milliarden Franken auf 2,3 Milliarden. Seit dem dritten Quartal 2020 nehmen aber die Umsätze wieder kontinuierlich zu, und im ersten Quartal 2021 schaffte es der Stahlhersteller zurück in die schwarzen Zahlen.

Mitte März 2021 war bekannt geworden, dass Peter Spuhler einige Monate zuvor auch beim Backwarenkonzern Aryzta eingestiegen war, und zwar mit knapp 3 Prozent, also gerade noch unter der Schwelle zur Meldepflicht. Seitens der PCS Holding hiess es, Spuhler habe sich als Privatperson an Aryzta beteiligt.

Aktuelle Nachrichten