PET: Polymetrix in neuen Händen

Bühler hat alle Anteile der Polymetrix AG zurückgekauft und reicht diese an einen neuen strategischen Eigentümer weiter.

Thomas Griesser Kym
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Anlage der Polymetrix. (Bild: PD)

Anlage der Polymetrix. (Bild: PD)

Thomas Griesser Kym

Die Technologiefirma Polymetrix AG aus Oberbüren kommt wieder in industrielle Hände. Käuferin einer absoluten Mehrheit der Aktien wird «eine Engineering-Gruppe in der Polymerindustrie» sein. Der Name dieser auslän­dischen Gruppe wird etwas später bekannt gegeben, wie Polymetrix-Chef Martin Müller sagt. Sein Unternehmen beschäftigt weltweit 70 Mitarbeitende, davon 60 in Oberbüren und Uzwil.

Mit der bevorstehenden Transaktion findet ein Intermezzo mit einer Beteiligungsgesellschaft ein Ende. Mitte 2013 hatte die Cross Equity Partners 65 Prozent an der damaligen Bühler Thermal Processes AG erworben. Diese war zuvor vom Technologiekonzern Bühler als eigenständiges Unternehmen gegründet worden. In die neue Firma brachte Bühler seinen Geschäftsbereich Thermische Prozesse ein. Nach der Ausgliederung zügelte die Bühler Thermal Processes nach Oberbüren, doch blieben die technischen Labors und die Pilotanlage zur thermischen Behandlung von Polymeren am Bühler-Standort in Uzwil. 2015 wurde die Bühler Thermal Processes in Polymetrix umfirmiert.

Die nun eingeleitete erneute Handänderung erklärt Müller damit, dass man sich mit einer industriellen Eigentümerin Synergien verspricht. «Wir und die Engineering-Gruppe kennen uns. Wir sind zwei gleichartige Firmen, aber wir ergänzen uns. Es gibt in unseren Produkten und Prozessen keine Überlappung.» Die Transaktion läuft so ab, dass in einem ersten Schritt Bühler der Cross Equity Partners deren Polymetrix-Anteil wieder abgekauft hat. In einem zweiten Schritt wird Bühler eine Mehrheit an die neue Eigentümerin verkaufen. Bühler behält zumindest vorläufig eine Minderheit an Polymetrix.

Ohne Polymetrix kaum PET-Flaschen

Polymetrix ist laut eigenen Angaben unter anderem Weltmarktführer bei einem Zwischenschritt in der Herstellung von Granulat für PET-Flaschen. Dabei wird auf Anlagen der Polymetrix der Grundstoff (amorphes PET) in einem Kristallisations- und Reaktionsprozess gereinigt und verstärkt, bevor das Granulat anschliessend an die Flaschenhersteller geliefert wird. In dieser Nachkondensationstechnologie (SSP) hält Polymetrix laut Müller einen Weltmarktanteil von rund 90 Prozent. Oder anders gesagt: «Neun von zehn PET-Flaschen sind durch unsere Anlagen gegangen.»

Die Polymetrix-Technologie findet zudem Anwendung in der thermischen Behandlung anderer Polymere wie Polyester, Polyamide oder PBT. Polymere aus den Anlagen der Polymetrix werden auch eingesetzt zur Produktion von Garnen für Sicherheitsgurte, Reifen, Heissluftballons oder Funktionssportbekleidung sowie von optischen Fasern. Diese Lichtwellenleiter dienen vor allem für die Datenübertragung.

Den Geschäftsgang der Polymetrix beschreibt Müller mit den Worten: «Generell geht es uns sehr gut». Das Unternehmen habe sehr gute Jahre gehabt, bevor es in seinem Kerngeschäft zu Überkapazitäten gekommen sei. In den vergangenen anderthalb Jahren sei das Geschäft daher etwas zurückgegangen, aber «jetzt zieht es wieder an». Im Zuge der Handänderung sind drei der vier bisherigen Verwaltungsräte der Polymetrix ausgeschieden. Im Aufsichtsgremium verblieben ist momentan einzig Bühler-Finanzchef Andreas Herzog. Polymetrix arbeitet mit Bühler weiterhin zusammen; so nutzt sie etwa eine Fabrikation des Technologie­konzerns in China. Und die neue Eigentümerin der Polymetrix ist eine Kundin Bühlers.

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