Per Mausklick zum Eigenheim

Online-Hypotheken boomen. Auch Ostschweizer Banken sammeln Erfahrungen damit. Doch es zeigt sich: Ganz ohne persönlichen Kontakt schliessen die Kunden ungern Hypotheken ab.

Kaspar Enz
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Der Traum vom Eigenheim lässt angesichts der sinkenden Zinsen immer günstiger erfüllen. Und man muss man nicht mal mehr die eigenen vier Wände zu verlassen, um die Finanzierung zu klären: Online-Hypotheken werden immer beliebter. Dieses Jahr dürften sie erstmals das Volumen von Vier Milliarden überschreiten, wie eine Studie des Instituts für Finanzdienstleistungen der Hochschule Luzern und des Think Tanks E-Foresight von Swisscom ergab. Dazu zählen alle Hypotheken, die zumindest online initiiert wurden.

Das Volumen steigt laut der Studie dieses Jahr um rund 800 Millionen Franken auf 4,5 Millionen steigen. Damit machen Online-Hypotheken zwar immer noch erst knapp drei Prozent des schweizerischen Hypothekarvolumens aus. Aber die Sparte wächst schneller als der Markt als ganzes. Und Vermittler haben in diesem Geschäft die Nase vor den Banken.

TKB: Kein Grund zur Eile

Nicht alle Ostschweizer Banken sehen das als Grund, möglichst schnell auf den Zug aufzuspringen. Noch keine Online-Hypothek gibt es bei der Thurgauer Kantonalbank. «Wir legen Wert darauf, unsere Kundinnen und Kunden umfassend und persönlich zu beraten», sagt TKB-Mediensprecherin Anita Schweizer. Die Bank fokussiere ihr Geschäft zudem auf den Thurgau, wo sie im Hypothekenmarkt führend sei.

«Wir bauen aber die Palette unserer elektronischen Dienstleistungen schrittweise aus und werden mittelfristig auch im Hypothekarbereich Angebote lancieren.» Zuerst sei die Bank aber dabei, ihre Online-Prozesse zu automatisieren. Im Herbst folge ein neues E-Banking-System.

Acrevis: Erfahrungen sammeln

Einen Schritt weiter ist die Regionalbank Acrevis. Seit letztem Herbst ist hier die Ablösung von Hypotheken bei Fremdbanken online möglich. Das lohne sich für die Kunden, weil ein gewöhnlich sehr bürokratischer Prozess so vereinfacht werde, sagt Acrevis-Sprecherin Katja Thürlemann. Die Bank könne derweil Erfahrungen für eine Weiterentwicklung des Tools sammeln. Denn die Bank wolle in den höheren Komfort für die Kunden investieren. «Der Kunde soll selbst wählen, über welchen Kanal er mit uns in Verbindung tritt.»

Allerdings zeigen die bisherigen Erfahrungen, dass der Bedarf nach Online-Hypotheken nicht ganz so gross ist, wie angenommen. «Kunden und Interessenten schätzen den persönlichen Kontakt zu unseren Mitarbeitenden», sagt Thürlemann.

SGKB: Kanal wählen

Was die Acrevis noch plant, ist bei der St. Galler Kantonalbank schon möglich. Hypotheken kann man vollständig Online abschliessen. «Grundsätzlich wollen wir unsere Dienstleistungen sowohl online wie auch im direkten Kontakt anbieten», sagt SGKB-Sprecherin Jolanda Meyer. «Der Kunde soll auch immer die Möglichkeit haben, den Kanal zu wechseln.»

Persönlicher Kontakt fehlt bei Neuhypotheken

Im Rahmen ihrer Studie haben das Institut für Finanzdienstleistungen der Hochschule Luzern und der Swisscom-Think-Tank E-Foresight auch Kunden gefragt, was sie von Online-Hypotheken halten. Danach kann sich eine Mehrheit vorstellen, eine Hypothek online abzuschliessen. Beliebt ist die Verlängerung einer bestehenden Hypothek, während nur eine Minderheit Neuhypotheken Online abschliessen würden. Vorteile sehen die Kunden in der Einfachheit und Zeitersparnis Online.

Wichtigster Grund gegen den Online-Abschluss einer Hypothek ist der fehlende persönliche Kontakt zum Berater. Auch Sicherheitsbedenken und fehlenden Verhandlungsspielraum werden als Gegenargumente genannt. (ken)

Eine Option, die bei Neuhypotheken die allermeisten Interessenten nutzen. Zwar würden viele Neuhypotheken online initiiert. Aber Beratung sei wichtig, sagt Meyer. Gerade bei Neuhypotheken gehe es nicht nur darum, die finanziellen Eckdaten der Hypothekennehmer zu ermitteln, «es geht auch um Ziele und Wünsche der Kunden.» Dazu gebe es zwar Fragebögen. «Aber die Meisten reden lieber mit einer Person.»

Etwas anders gelagert ist die Situation, wenn es um die Verlängerung oder Erneuerung bestehender Hypotheken gebe. Ein viel einfacherer Prozess. «Hier kennen wir den Kunden bereits», sagt Meyer. Diese Geschäfte würden deshalb bei der SGKB bereits in zehn Prozent der Fälle von Anfang bis Ende online abgeschlossen.