Peperoni aus der Nachbarschaft

REICHENAU. Die Reichenauer Gemüsebauern produzieren Frischgemüse von hoher Qualität. Nun will die Fresh AG das Gemüse von der Insel in die Schweiz bringen – hiesige Händler interessieren sich insbesondere für Peperoni.

Madeleine Stäheli Toualbia
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Die Peperoni, die jenseits des Bodensees wachsen, könnten bald in Schweizer Regalen landen. (Bild: pd)

Die Peperoni, die jenseits des Bodensees wachsen, könnten bald in Schweizer Regalen landen. (Bild: pd)

Auf der Insel im Bodensee wächst hochwertiges Gemüse. Seit rund zwei Jahren baut die Reichenau im Gewächshaus auch Peperoni an. Es wächst zwar in Singen/Beuren und nicht auf der Insel, aber das Gemüse gehört trotzdem zum Unternehmen Reichenau Gemüse eG. Der Anbau stösst auch in der Schweiz auf Interesse. Die Gemüseplattform Fresh AG aus Unterengstringen im Kanton Zürich will nun die Peperoni und weitere Gemüsesorten von der Reichenau importieren und in der Schweiz verkaufen. «Wir wollen mit dieser Zusammenarbeit regionales Gemüse in der Ostschweiz und im Raum Zürich vermarkten. Zur Region zählen wir im Dreiländereck Deutschland, Schweiz und Österreich auch die Reichenau», sagt Geschäftsleitungsmitglied Hansjörg Vogler. Er ist überzeugt: «Regionalität bei Frischgemüse ist ein Megatrend.» Die ersten Peperoni von der Gemüseinsel sollen bereits ab Erntebeginn im März an den Grosshandel in den Regionen Ostschweiz und Zürich geliefert werden.

Hansjörg Vogler sieht den Import von Reichenau-Gemüse nicht als Konkurrenz zum Schweizer Gemüse. Gurken, Auberginen und Salate von der Gemüseinsel sollen das Angebot in der Schweiz ergänzen, da die Schweizer Produzenten hier nicht Vollversorgung erreichen.

Freie Einfuhr, tiefer Zoll

Auch bei den Peperoni sind es lediglich 455 Tonnen, die in der Schweiz pro Jahr geerntet werden, nur ein kleiner Teil der Menge, die die Schweizer pro Jahr essen. Auf 10,5 Hektaren wachsen die Peperoni der Marke Suisse Garantie und auf 8,2 Hektaren Biopeperoni, alle grösstenteils ebenfalls in Gewächshäusern. Das sagt Moana Werschler, Leiterin Kommunikation der Schweizer Gemüseproduzenten. Mehrere Produzenten hätten den Anbau getestet. «Wir wollen grundsätzlich die inländische Versorgung sichern.» Der Anbau sei jedoch nicht sehr lukrativ. Das Problem für die Schweizer Produzenten: Peperoni können das ganze Jahr frei und zu einem tiefen Zollansatz importiert werden. Auch andere Gemüsesorten, deren Nachfrage in der Schweiz nicht gedeckt werden kann, unterliegen einem tiefen Einfuhrzoll.

Grenzüberschreitende gemeinsame Vermarktung von Gemüse ist deshalb nach wie vor eine Utopie. «Das Hauptproblem ist der tiefe Preis im Ausland», sagt Hans Ott, Präsident der Gemüseproduzenten Thurgau/Schaffhausen. «Die Zusammenarbeit ist dafür im Beratungs- und Forschungsbereich möglich», erklärt Manfred Büchele, Geschäftsführer des Kompetenzzentrums Obstbau Bodensee in Ravensburg. «Diese bereits sehr gute Zusammenarbeit wird sich positiv weiterentwickeln.»

Nähe als Vorteil

Die Migros Ostschweiz importiere Gemüse, das in der Schweiz nicht erhältlich sei, hauptsächlich aus Italien, Spanien und Holland, sagt Sprecher Andreas Bühler. Aldi Suisse mit Hauptsitz in Schwarzenbach kauft laut Sprecher Philippe Vetterli in Deutschland oder ebenfalls in Italien, Spanien und Holland ein. Dagegen liegt die Reichenau nur wenige Kilometer hinter der Grenze. «Die geographische Nähe spielt sicher eine Rolle und hat Priorität», schätzt Marc Wermelinger von Swisscofel, dem Verband des Schweizerischen Früchte-, Gemüse- und Kartoffelhandels. So sagt denn auch Philippe Vetterli: «Die Reichenauer Peperoni stösst bei Aldi Suisse auf offene Ohren, falls auch auf Seiten der Reichenau ein Interesse an einer Zusammenarbeit besteht. Die Insel Reichenau ist uns als Produzent von hochwertigem Gemüse bereits bekannt.» Aldi Suisse sei aber auch weiterhin an Schweizer Peperoni interessiert.

Falsches Klima

Die Migros Ostschweiz hat laut Andreas Bühler bereits Schweizer Peperoni verkauft, letztes Jahr von Ott Gemüsebau in Basadingen. Der Grossverteiler fördere kurze Transportwege und regionale Produkte. «Wir können uns gut vorstellen, via unsere regionalen Lieferanten auch Peperoni von der Reichenau zu verkaufen», sagt Bühler. Lidl Schweiz hingegen will weder auf Schweizer noch auf Peperoni von der Insel setzen. Sprecherin Nadine Archimowitz nennt klimatische Gründe. «Aufgrund der ungünstigen Wetterbedingungen für Peperonianbau in der Schweiz und Deutschland ist bis heute kein Bezug von Peperoni oder ähnlichen Produkten aus diesen Ländern geplant.»

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