Ostschweizer Pensionskassen werden grüner

Nachhaltigkeit sei für Pensionskassen wichtig, heisst es bei den Kassen der Region. Die ASGA wie die PKTG wollen bald konkreteres zu ihrer Nachhaltigkeit präsentieren.

Kaspar Enz
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Demo vor Grossbank: Die Klimajugend prangert Investments der Banken an.

Demo vor Grossbank: Die Klimajugend prangert Investments der Banken an.

Bild: Fabian Biasio/KEY (Bern, 28. September 2019)

Ob sie Kohle in eine Westschweizer UBS-Filiale schütten oder in einer Bank Tennis spielen; ob sie in Briefen die Finanzindustrie an ihre Verantwortung erinnert oder nur an Demos Transparente hochhalten: Die Klimabewegung nimmt immer wieder die Finanzindustrie ins Visier. Die Branche stösst zwar selber wenig Klimagase aus. Sie finanziert aber schwere Klimasünder.

Helvetia unterzeichnet UN-Initiative

Den Druck der Strasse scheint aber auch die Ostschweizer Finanzindustrie zu spüren. Vor Kurzem gab die Helvetia Versicherung bekannt, dass sie die UN-Prinzipien für Verantwortliches Investieren (UNPRI)unterzeichnet habe.

Die UNPRI wiederspiegle die Grundwerte von Helvetia, liess die Versicherung verlauten. Allerdings ändere sich für die Anlagestrategie der Helvetia dadurch wenig. «Helvetia ist seit längerem bestrebt, nachhaltige Anlagemöglichkeiten zu nutzen», sagt Helvetia-Sprecherin Nadja Häberli auf Anfrage. Seit 2017 lässt die Helvetia ihre Finanzanlagen von einem externen Anbieter auf Nachhaltigkeitskriterien prüfen. Im Nachhaltigkeitsbericht weist die Versicherung auch die Ergebnisse aus. Danach erhalten rund ein Drittel des Portfolios Bewertungen im grünen Bereich.

Transparenz fehlt noch bei vielen Kassen

Dieses Mindestmass an Transparenz fehlt aber noch bei vielen Finanzinstituten. Das bemängelte die Klima-Allianz, eine Dachorganisation von Umweltverbänden, letztes Jahr bei einem Rating der Schweizer Pensionskassen.

Zwar verpflichten sich manche Kassen der Nachhaltigkeit. Oft fehle aber ein Nachweis dafür, wie wichtig den Anlegern ökologische Kriterien wirklich sind. Gerade die Ostschweizer Kassen schnitten dabei nicht gut ab.

PKTG verweist auf nächsten Geschäftsbericht

Doch es scheint einiges in Bewegung zu sein. «Das Thema Nachhaltigkeit interessiert uns schon länger», sagt Rolf Hubli, Direktor der Pensionskasse Thurgau. «Wir haben unsere Bemühungen aber bisher zu wenig dargestellt.» Im neuen Geschäftsbericht will die PKTG genauer auf sie eingehen. Mehr will Hubli bis dahin aber nicht sagen – zumal dazu ein Vorstoss im Kantonsrat hängig ist.

Ähnlich tönt es bei der ASGA-Pensionskasse. Es gehöre zur treuhänderischen Verantwortung einer Pensionskasse, Kriterien der Nachhaltigkeit zu berücksichtigen, sagt Sprecher Roman Bühlmann. Die ASGA wolle im zweiten Quartal dieses Jahres eine Nachhaltigkeitsstrategie präsentieren. Einige Massnahmen seien aber bereits implementiert. So wende man die Ausschlussliste des Schweizer Vereins für verantwortungsbewusste Kapitalanlagen (SVVK) an. Dort sind insbesondere Produzenten von Streumunition und Minen aufgeführt. Ausserdem arbeite man mit Vermögensverwaltern zusammen, die meist die UNPRI unterzeichnet haben. Wert auf Ökologie lege die ASGA insbesondere bei ihren Immobilienprojekten.

Stimmrechte wahrnehmen

«Das Thema Nachhaltigkeit muss institutionelle Anleger interessieren», sagt Stefan Schäfer, Geschäftsführer St.Galler Pensionskasse (SGPK). Das ergebe sich nur schon aus dem gesetzlichen Auftrag, im Interesse der Versicherten zu arbeiten. Deshalb habe die SGPK auch eine Nachhaltigkeitsstrategie, die ständig weiter entwickelt werde, sagt Schäfer. Ein wichtiger Teil davon sei es, bei den Unternehmen, von denen man Aktien halte, die Stimmrechte wahrzunehmen.

Dies hat die SGPK an die Stiftung Ethos übertragen. Diese bündelt die Stimmen verschiedener Pensionskassen. Über die «Engagementpools» der Stiftung fördere die Kasse auch den Nachhaltigkeitsdialog mit börsenkotierten Unternehmen. Dies führe oft zu Verbesserungen. «Das ist zielführender, als Aktien gewisser Firmen auszuschliessen.»

Auch die Vermögensverwalter, die für die SGPK tätig sind, werden auf die Berücksichtigung nachhaltiger Kriterien geprüft. «Den Effekt davon zu messen ist aber nicht einfach», sagt Schäfer. Die SGPK lasse ihr Portfolio von der Liechtensteiner CSSP nach ökologischen Kriterien prüfen. «Wir schneiden dabei acht Prozent besser ab als die üblichen Benchmarks.»

Mehr Nachhaltigkeit, weniger Risiken

Eine interessante Frage sei, ob sich das nachhaltige Anlegen lohne, sagt Stefan Schäfer. «Aber ein Unternehmen, das seine Hausaufgaben auch in Sachen Nachhaltigkeit macht, müsste langfristig erfolgreicher sein», sagt er. Hingegen seien bei Unternehmen, die in schwierigen Bereichen tätig seien oft auch Risiken versteckt.

Wichtiger sei für die Pensionskasse deshalb ihr Immobilienportfolio, das 70 Liegenschaften im Wert von rund 1,2 Milliarden Franken umfasst. «Hier können wir direkt Einfluss nehmen», sagt Schäfer. Das heisst: Proaktiv sanieren, und schon im Bau auf erneuerbare Energien und Minergie-Standards setzen.