PASSAGIERVERKEHR
Mit 200 Sachen von Belgrad Richtung Norden: Stadler liefert schnelle Doppelstöcker nach Serbien

Neun Monate von der Ausschreibung bis zur Ablieferung des ersten Zugs: Derart rasch will Serbien drei Fernverkehrszüge beschaffen. Als Lieferant zum Zug kommt der einzige Bieter, und das ist Stadler.

Thomas Griesser Kym
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Stadler wird die drei Doppelstöcker für Serbien im Werk St.Margrethen bauen.

Stadler wird die drei Doppelstöcker für Serbien im Werk St.Margrethen bauen.

Bild: Tobias Garcia (4. September 2020)

Am 9. Februar 2021 hat das serbische Ministerium für Bau, Transport und Infrastruktur den Auftrag ausgeschrieben, bis 15. März 2021 wollte man die Offerten auf dem Tisch haben.

Resultat dieser Kurzfristigkeit: Lediglich ein Gebot ist eingegangen, und dieses stammt von Stadler. Demnach liefert der Ostschweizer Schienenfahrzeugbauer für 62,2 Millionen Euro (68 Millionen Franken) drei elektrische Doppelstöcker des Typs Kiss mit je 316 Sitzplätzen. Der Vertrag ist am Donnerstag unterzeichnet worden.

Unterwegs im Schnellzugstempo

Hergestellt werden die Züge in ihrer Fernverkehrsversion von der Stadler Rheintal AG in deren Werk in St.Margrethen, dem Kompetenzzentrum Stadlers für Doppelstöcker. Der erste Zug soll laut dem serbischen Ministerium per Ende Oktober 2021 geliefert werden, die beiden anderen Züge bis Ende Jahr.

Die staatliche serbische Bahngesellschaft Srbija Voz will die Züge mit Maximaltempo 200 km/h auf der gut 70 Kilometer langen Bahnstrecke zwischen der Hauptstadt Belgrad und der nordwestlich gelegenen Stadt Novi Sad einsetzen. Diese Strecke wird bis Ende Jahr von chinesischen und russischen Bauunternehmen renoviert. Im Februar 2022 will Srbija Voz die Stadler-Züge in den kommerziellen Betrieb aufnehmen.

In Serbien verkehren seit mehreren Jahren Stadler-Züge

Die Strecke ist Teil der Linie Belgrad–Budapest, die im Rahmen der chinesischen Belt-and-Road-Initiative ausgebaut und modernisiert wird. Das soll vor allem den Gütertransport auf der Schiene zwischen dem griechischen Hafen Piräus und Zentraleuropa verbessern und China ein Einfallstor zum Herzen Europas verschaffen.

Srbija Voz verfügt in ihrer Flotte bereits über 21 vierteilige elektrische Triebzüge des Typs Flirt von Stadler. Diese waren 2013 für rund 100 Millionen Euro bestellt und 2014/15 für den S-Bahn-Verkehr in der Region Belgrad geliefert worden.

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