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Postfinance und Valiant: Partner und Konkurrenten zugleich

Die Valiant Bank ist seit 2011 Hypotheken-Partner der Postfinance. Valiant-CEO Markus Gygax erklärt, warum Postfinance oft günstigere Hypotheken vergibt als Valiant und was der Bundesratsentscheid für Konsequenzen hat.
Interview: Maurizio Minetti
Valiant-CEO Markus Gygax. (Bild: PD/Valiant)

Valiant-CEO Markus Gygax. (Bild: PD/Valiant)

Die Postfinance soll künftig selbstständig Hypotheken und Kredite vergeben können. So will es der Bundesrat. Doch der politische Widerstand von rechts bis links ist gross, und ein Gutachten des Bundesamtes für Justiz hält die Umwandlung von Postfinance in eine Bank für verfassungswidrig. Die Hürden könnten kaum höher sein.

Wenig bekannt ist, dass Postfinance schon heute im Hypothekargeschäft aktiv ist. Ende Juni wies der Finanzdienstleister der Post ein Hypothekarvolumen von 5,75 Milliarden Franken auf. Möglich machen dies Partnerschaften mit der Valiant Bank und der Münchener Hypothekenbank. Diese Institute tragen jeweils das Risiko bei der Vergabe einer Hypothek. Valiant und Postfinance sind seit 2011 Partner.

Markus Gygax, wie funktioniert die Partnerschaft zwischen der Valiant Bank und Postfinance genau?

Postfinance unterhält die Kundenbeziehung und wickelt die Hy­pothek selbstständig ab; sie kassiert auch die Zinsen selber. Wir geben der Postfinance klare Vorgaben, in welchem Rahmen sie sich bewegen darf. Wenn es um die Auszahlung der Hypothek geht, kommen wir ins Spiel. Va­liant trägt dabei das volle Risiko.

Warum sind Hypotheken von Postfinance oft günstiger als solche von Valiant?

Wir sind zwar Partner, aber auf dem Markt Konkurrenten. Postfinance entscheidet selber darüber, welche Konditionen sie anbietet und wie viel Gewinn sie pro Hypothek machen will. Wir haben einen internen Verrechnungspreis und kalkulieren eine eigene Marge. Zudem hat Postfinance mit der Münchener Hypothekenbank einen anderen Partner, der wohl andere Konditionen bietet.

Wie gross ist der Anteil von Valiant an Hypothekarvolumen der Postfinance?

Der hält sich in Grenzen, genaue Auskunft geben wir dazu nicht. Aber wir können sagen, dass Valiant ausschliesslich im Bereich selbstbewohnter Immobilien mit Postfinance kooperiert.

Sollte Postfinance dereinst selber Hypotheken vergeben dürfen, würde die Partnerschaft mit Valiant obsolet. Sind Sie darauf vorbereitet?

Wir sind mit der Partnerschaft zufrieden, und ich sehe heute keinen Grund, diese zu beenden. Sollte Postfinance aber künftig selber Hypotheken vergeben, würde die Partnerschaft natürlich keinen Sinn mehr machen. In diesem Fall kann ich sagen: Valiant hätte keine existenziellen Probleme, falls dieses Volumen wegfallen würde.

Warum kooperieren Sie dann mit Postfinance, wenn sich das Volumen ja in Grenzen hält?

Wir haben natürlich schon gewisse Erträge dank dieser Kooperation, aber es geht vor allem um die Fixkosten. Plakativ gesagt: Unsere Bilanzsumme beträgt 28 Milliarden Franken, unsere Infrastruktur könnte aber auch 40 Milliarden absorbieren. Das Volumen der Postfinance hilft uns, unser Middle- und Backoffice sowie unsere Informatik besser auszulasten.

Und falls die Partnerschaft nun beendet würde?

Dann würden die Fixkosten identisch bleiben und die Erträge würden etwas sinken. Diese müssten wir kompensieren. Wenn die Kooperation mit Postfinance wegfallen sollte, würde bei uns aber auch Eigenkapital frei, das wir heute für diese Hypotheken hinterlegen müssen. Dieses könnten wir dann am Markt einsetzen.

Was würde bei einem möglichen Ende der Partnerschaft mit Postfinance mit jenen Kunden passieren, die eine von Valiant hinterlegte Hypothek über Postfinance bezogen haben?

Das ist tatsächlich ein Punkt, den wir besprechen müssten. Die Kundenbeziehung liegt zwar bei der Postfinance, aber die Hypothek stammt von uns. Ich sehe in der Lösung dieser Frage aber keine Eile; es könnte noch Jahre dauern, bis Postfinance selbstständig Hypotheken vergeben darf.

Ihre Meinung zum Entscheid des Bundesrates?

Ich verstehe das Anliegen, Kundengelder produktiv einsetzen zu wollen. Und ich habe auch nichts gegen Wettbewerb. Staatsinstitute haben aber einen klaren Wettbewerbsvorteil. Man denke nur an die Refinanzierungskosten und an die Staatsgarantie. Etwas heuchlerisch ist die Haltung der Kantonalbanken, die sich gegen einen Markteintritt von Postfinance wehren: Bei vielen Kantonalbanken ist die Situation nämlich genau gleich, mit dem Unterschied, dass hier die Kantone statt die Eidgenossenschaft als Auffangnetz fungieren. Eine Teilprivatisierung von Postfinance ist unter diesem Aspekt also nicht genug. Darum ist für mich klar, dass es eine vollständige Privatisierung braucht, falls man der Postfinance die Vergabe von Krediten erlauben will.

Valiant vermittelt Hypotheken

Die Valiant Bank testet ein neues Geschäftsmodell im Hypothekargeschäft. Sie bietet den Privatkunden künftig auch Offerten anderer Anbieter an. Damit reagiere man auf den anhaltenden Margendruck im Hypothekargeschäft, teilte Valiant letzte Woche mit. Getestet werden soll das neue Geschäftsmodell zunächst ab Mitte 2019 in der Ostschweiz, wo die Bank im zweiten Semester 2019 zwei neue Geschäftsstellen eröffnen wird (St. Gallen und Wil).

Konkret sieht Valiant vor, dass Privatkunden im Zuge einer Hypothekarberatung verschiedene Offerten erhalten, auch solche von anderen Anbietern wie Pensionskassen oder Versicherungen. Sollten sich Kunden am Ende für einen anderen Anbieter entscheiden, verbleibt die Kundenbeziehung dennoch bei Valiant. Die Bank betont, dass die Kunden unabhängig beraten werden, «denn für die Kundenberatenden ist es nicht zielrelevant, ob die Kunden eine Hypothek von Valiant oder einem anderen Anbieter abschliessen.» So sollen Interessenskonflikte vermieden werden. Die Details der neuen Dienstleistung von Valiant sind noch offen. Gespräche mit möglichen Partnern starten in den kommenden Tagen. (mim)

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