Parmalat gerät in Übernahmekampf

Der italienische Milchmulti Parmalat ist ins Visier ausländischer Investoren geraten. Konzernchef Enrico Bondi dürfte die Übernahmeschlacht nicht überstehen.

Dominik Straub
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Rom. Es war der grösste Crash der europäischen Wirtschaftsgeschichte gewesen: Ende 2003 brach der italienische Milch- und Fruchtsaftmulti unter einer Schuldenlast von 14 Mrd. € zusammen. Der Firmengründer und langjährige Patron des Lebensmittelkonzerns aus Parma, Calisto Tanzi, wurde inzwischen wegen betrügerischen Bankrotts und anderer Delikte zu 18 Jahren Zuchthaus verurteilt.

Nun macht Parmalat erneut Schlagzeilen – Überschüsse in den Kassen regten den Appetit ausländischer Investoren und Konkurrenten an. Am Donnerstagabend teilte der französische Milchgigant Lactalis (10 Mrd. € Umsatz, 38 000 Beschäftigte) mit, er habe 11,4% des Parmalat-Kapitals erworben. Lactalis ist damit auf einen Schlag grösster Einzelaktionär des italienischen Nahrungsmittelkonzerns geworden.

Erfolgreiche Sanierung

Parmalat war nach dem Crash von der Regierung dem Sonderkommissar Enrico Bondi unterstellt worden, der das Unternehmen sanierte und 2005 wieder an die Börse brachte. Zur Strategie des heute 76-Jährigen gehörten nicht zuletzt Schadenersatzklagen in zwei- und dreistelliger Millionenhöhe gegen Banken, die sich an den wahnwitzigen Finanztransaktionen des Tanzi-Clans bereichert hatten.

Komplizierte Besitzverhältnisse

Diese Erfolge werden ihm nun vermutlich nicht mehr viel nützen. Schon vor dem Coup von Lactalis hatten sich die drei ausländischen Investmentfonds Mackenzie, Skagen und Zenit zusammengeschlossen, um an der Aktionärsversammlung vom 12. April eine neue Konzernleitung und neue Kandidaten für den Verwaltungsrat vorzuschlagen. Bondis Name ist nicht darunter, da ihm vorgeworfen wird, die Liquiditätsüberschüsse von rund 1,4 Mrd. nicht für eine Wachstumsstrategie genutzt zu haben. Insgesamt halten die drei Investmentfonds rund 15% der Parmalat-Anteile, was angesichts der zersplitterten Eigentumsverhältnisse bei Parmalat genügt hätte, um den künftigen Kurs zu bestimmen. Nun müssen die Fonds ihre Rechnung mit Lactalis machen, die ebenfalls eine Kandidatenliste vorlegen werden. Die einzigen, welche bei Parmalat nichts mehr zu sagen haben, sind die Italiener. Die von der Regierung vorgeschlagene Gründung eines italienischen Aktionärspaktes scheint aufgrund des Zeitdrucks aussichtslos.