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Landwirtschaft: Gesetze bremsen Digitalisierung

Die Automatisierung und Digitalisierung hält Einzug auf dem Schweizer Acker. Damit steigt unter anderem die Ressourceneffizienz. Als echter Bremsklotz erweist sich dabei das geltende Gesetz.
Raphael Bühlmann
Drohnen helfen beim Verteilen von Pflanzenschutzmitteln in schwer zugänglichen Reben. (Bild: Imago)

Drohnen helfen beim Verteilen von Pflanzenschutzmitteln in schwer zugänglichen Reben. (Bild: Imago)

Die Entwicklung geht rasant voran –auch in der Landwirtschaft. Vor zwanzig Jahren noch als «völlig ungeeignet für den Schweizer Bauernhof» bezeichnet, stehen heute beispielsweise 500 Melkroboter im Einsatz. Jeder dritte Neubau wird mittlerweile mit einem vollautomatischen Melksystem realisiert. Bei der Viehfütterung ist die Automatisierung ebenfalls auf dem Vormarsch. Durch die Entwicklung können Arbeitskräfte – dem weitaus grössten Kostenblock auf Schweizer Höfen – eingespart und Produktionskosten gesenkt werden.

Auch auf dem Acker vollzieht sich derzeit eine kleine agrartechnische Revolution. Thomas Anken von Agroscope zeigte gestern an der Uni Luzern, wie noch präzisere GPS-Systeme eine genauere Anwendung von Dünger oder Pflanzenschutzmitteln ermöglichen. Traktoren werden damit ganz ohne Menschenhand gelenkt. «Während vor Jahren noch von Metern die Rede war, können wir heute satellitengesteuerte Traktoren mit einer Abweichung von zwei Zentimetern manövrieren», so Anken.

Der Mensch bleibt der grösste Risikofaktor

Teils würden die schweren Schlepper gar durch Drohnen ersetzt. Beispielsweise beim Sprühen von Pflanzenschutzmitteln in schwer zugänglichen Rebbergen. «Technisch ist bereits viel möglich und auch die Preise für die entsprechenden Geräte sind einiges tiefer als noch vor Jahren», bilanziert Anken und wechselte dann zu den eigentlichen Fragen, die gestern an der Uni Luzern aufgeworfen wurden.

Wie geht der Gesetzgeber mit neuen Technologien um? Soll er vor deren Anwendung intervenieren oder erst, wenn ein allfälliges Problem absehbar wird? Gerade in der Landwirtschaft sind das ­relevante Fragen, hat doch die Produktion weitreichende Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft. An den 6. Luzerner Agrarrechtstagen, deren Renommee derweil auch internationale Gäste an die Uni Luzern lockt, beleuchteten Referenten gestern die sich im Wandel befindende Agrarbranche aus ­juristischer Warte.

Dabei wurde offenkundig, dass dem agrartechnischen Fortschritt eben vor allem die aktuelle Gesetzeslage beziehungsweise die Politik hinterherhinkt. «Fünf Bundesämter sind derzeit damit beschäftigt, dass eine Drohne im Dienste der Landwirtschaft abheben darf», so Anken. Nebst der Gewährleistung der Sicherheit des Fluggerätes, des Luftraumes oder der ausgebrachten Pflanzenschutzmittel stellen sich dem Gesetzgeber darüber hinaus privatrechtliche Hürden. Dies zum Beispiel, wenn eine Drohne mit Kamera zur Erkennung und Rettung von Rehkitzen eingesetzt wird. «Was passiert, wenn die Drohne anstatt eines Rehs den Nachbarn mit einer Geliebten im hohen Gras filmt?», fragte Anne-Sophie Morand, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Rechtsfakultät. Würden deren Bilder zur Auswertung weitergeleitet, käme es zu einer Verletzung der Persönlichkeitsrechte. Auch bei autonom fahrenden Robotern oder Traktoren verzögern rechtliche Fragen deren Einsatz.

Thomas Anken: «John Deere hat bereits vor Jahren selbstfahrende Traktoren für den Einsatz in Minen gebaut. Diese aber fahren ausschliesslich auf privatem und abgezäuntem Gelände.» Für einen Einsatz auf dem Acker zu klären, bleibe die Haftungsfrage, sollte ein Fahrzeug ausser Kontrolle geraten. Trotz der teils unklaren Rechtslage zeigten sich die Referenten dennoch zuversichtlich. Denn es gelte unter dem Strich nicht zu vergessen, dass der technische Fortschritt das Leben der Menschen stets verbessert habe. Der Mensch bleibe aber auch der mit Abstand grösste Risikofaktor.

Es gelte nun zu klären, was passiert, sollte die Technik einmal versagen. Man spreche schliesslich von einer Entwicklung, die gerade ihren Lauf nimmt – mit oder ohne gesetzlichen Rahmen. Oder wie es der Präsident des Luzerner Bauernverbandes, Jakob Lütolf, sagte: «Der technologische Fortschritt lässt sich nicht aufhalten, egal ob man das gut findet oder nicht.»

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