PARADISE PAPERS: Neue Enthüllungen zu Steuertricks

Erneut gibt es Berichte über Steuerschlupflöcher – und über womöglich brisante Geschäftskontakte hochrangiger Persönlichkeiten.

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Nach Angaben der «Süddeutschen Zeitung», die dem Netzwerk investigativer Journalisten «International Consortium of Investigative Journalists»(ICIJ) angehört, geht es um Millionen von Dokumenten zu Briefkasten­firmen von einer Anwaltskanzlei auf den Bermudas und einer Firma in Singapur. Aus der Schweiz gehö­ren auch Titel des Verlagshauses Tamedia zum ICIJ.

Insgesamt gehe es um 13,4 Millionen Dokumente aus Steuerparadiesen weltweit, es würden die Namen von mehr als 120 Politikern aus fast 50 Ländern auftauchen, dazu Unternehmer und Sportler. Auch zu Geschäftspraktiken einiger Weltkonzerne gebe es Informationen. Das neue Datenleck wurde von den Autoren «Paradise Papers» getauft.

Glencore gehört zu den wichtigsten Kunden

Die auf den Bermudas ansässige Anwaltskanzlei Appleby hatte vor wenigen Tagen eingeräumt, dass möglicherweise illegal Datenmaterial dem ICIJ zugespielt worden sei; man habe entsprechende Medienanfragen bekommen. Die Firma betont, auf legale Offshore-Praktiken zu setzen und im Einklang mit Gesetzen zu handeln.

Zu den Kunden von Appleby gehört auch der Schweizer Rohstoffkonzern Glencore mit Sitz in Baar, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet. Bei Appleby habe es einen eigenen Raum für das Unternehmen gegeben, den sogenannten Glencore Room. Über 30000 Dokumente beträfen den Rohstoffhändler, «und sie zeigen korruptionsverdächtige Geschäfte», so der «Tages-Anzeiger».

Brisant sind auch die Enthüllungen um Wilbur Ross, den Handelsminister der USA. Er soll über ein komplexes Offshoregeflecht Anteile an einer Reederei halten, die für den staatsnahen russischen Konzern Sibur Flüssiggas nach Europa transportiert. Bis vor kurzem hielt Wladimir Putins Schwiegersohn 21 Prozent an dem Unternehmen. Experten sehen laut dem «Tages-Anzeiger» erhebliche Interessenskonflikte in Ross’ Investment. Der Handelsminister hat grossen Einfluss auf die Wirtschaftsbeziehungen zu Russland – was Folgen für Firmen wie Sibur haben kann.

Auch der Name von U2-Sänger Bono taucht in den Papieren auf. Er soll über Firmen in Malta auf der Kanalinsel Guernsey in ein Einkaufszentrum in Litauen investiert haben. (red/sda)