Panik wegen Krediten in Frankreich

PARIS. Französische Gemeinden hatten billige Franken-Kredite in Milliardenhöhe aufgenommen. Nach dem Kursentscheid der Schweizerischen Nationalbank explodiert ihre wechselkursbedingte Zinslast. Die Regierung in Paris muss helfend einspringen.

Stefan Brändle
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PARIS. Französische Gemeinden hatten billige Franken-Kredite in Milliardenhöhe aufgenommen. Nach dem Kursentscheid der Schweizerischen Nationalbank explodiert ihre wechselkursbedingte Zinslast. Die Regierung in Paris muss helfend einspringen.

Bei den französischen Bürgermeistern herrsche Panik, schreibt das Fachblatt «Gazette des communes». Zahllose grössere und kleinere Körperschaften des Landes haben in den letzten Jahren Darlehen in Schweizer Franken aufgenommen, weil deren Zinsen sehr tief lagen. Allerdings sind sie variabel und erreichen nach dem jüngsten Kurssprung zwischen Franken und Euro ungekannte Ausmasse. Frankreich ist vom Entscheid der Schweizer Staatsbank mit am stärksten betroffen. Auch Private haben die von Grossbanken wie BND-Paribas angebotenen Kredite mit viel sagenden Namen wie «Helveg Immo» aufgenommen.

Kredite in Euro zurückzahlen

«Geradezu katastrophal» ist die Situation für die 36 000 französischen Gemeinden. Die früher generösen Zuwendungen des allmächtigen Staates sinken ständig, so dass sich die Kommunen zunehmend verschulden müssen. Viele griffen nach den scheinbar günstigen Franken-Krediten, die allerdings in Euro rückzahlbar sind und deren wechselkursindexierte Zinsen exponentiell zunehmen. Ein Beispiel ist die Kathedralen-Stadt Chartres: Sie zahlte Anfang Januar bereits 21,9 Prozent Zinsen für die so genannten «Bumerang-Kredite». Seit einigen Tagen erreichen diese sogar 44,2 Prozent.

Die Banken verteidigen sich, die Zinsvariabilität sei nicht nur im Kleingedruckten der Verträge erwähnt gewesen, sie habe sogar die Essenz der ganzen Darlehensvergabe ausgemacht. Die Gemeinden können das nicht bestreiten. Sie verteidigen sich aber mit dem Argument, sie seien von den Banken getäuscht worden. Diese hätten nämlich seit 2007 über interne Studien verfügt, die einen Anstieg des Schweizer Frankens und damit der variablen Kreditzinsen klar vorausgesagt hätten. Einzelne Bürgermeister, wie etwa in der bretonischen Gemeinde Elven, drohen bereits mit dem Konkurs. Das würde bedeuten, dass der Staat die Verantwortung für die kommunalen Ausgaben übernehmen müsste.

Noch 5 Milliarden

Für die Steuerzahler hätte das «kolossale Folgen», warnt Christophe Greffet, Vorsteher eines Vereins gegen diese so genannten Bumerang-Kredite an Kommunalbehörden. Alles in allem müssten die französischen Kommunen noch fünf Milliarden Euro zurückerstatten, schätzt Greffet. Die Regierung in Paris befürchtet das Schlimmste. Sie hatte schon vor einem Jahr einen Unterstützungsfonds über 1,5 Milliarden Euro einrichten müssen, um konkursgefährdete Gemeinden zu stützen. Jetzt könnte nicht einmal mehr der dreifache Betrag genügen.