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Dänisches Kaufangebot für Basler Panalpina beflügelt Investoren

Während die Börse einen Bieterkampf um das Logistikunternehmen zu erwarten scheint, muss die Stiftung Vor- und Nachteile eines Verkaufes sorgfältig abwägen.
Daniel Zulauf
Der Basler Luftfrachtkonzern Panalpina schüttet seinen Eignern alljährlich stattliche Gewinne aus. (Bild: Ennio Leanza/Keystone (Zürich, 4. März 2015)

Der Basler Luftfrachtkonzern Panalpina schüttet seinen Eignern alljährlich stattliche Gewinne aus. (Bild: Ennio Leanza/Keystone (Zürich, 4. März 2015)

Nach dem im Oktober abgebrochenen Versuch, den Zuger Börsenneuling Ceva Logistics zu übernehmen, unternimmt die expansive dänische Logistikgruppe DSV nun den zweiten Versuch, einen Schweizer Konkurrenten aufzukaufen. Die Basler Luftfracht-Spezialistin Panalpina informierte am Mittwoch in einem zweizeiligen Communiqué über den Erhalt eines spontanen und unverbindlichen Übernahmeangebotes, in dem DSV den Panalpina-Aktionären 170 Franken pro Titel offeriere.

DSV selber präzisierte später in einer eigenen Mitteilung, die Offerte setze sich aus einem Barangebot in der Höhe von 55 Franken zuzüglich 1,58 DSV-Aktien zusammen. Der Panalpina-Aktienkurs, der am Dienstag noch bei rund 135 Franken gelegen hatte, schoss sofort in die Höhe und rückte sogar weit über den Angebotspreis bis an die Marke von 180 Franken heran. Die Börsenreaktion ist ein Zeichen, dass Investoren auf einen Eigentümerwechsel bei Panalpina spekulieren. Der Markt scheint im Moment sogar so etwas wie einen Bieterkampf vorwegzunehmen. Anders ist der Umstand kaum zu deuten, dass die Panalpina-Ak­tien bereits zu mehr als 170 Franken gehandelt werden.

Börsengang vervierfachte finanzielle Möglichkeiten

Doch die Dänen machen ihre Rechnung gerne auch ohne den Wirt, wie sie mit ihrem Vorstoss bei Ceva gezeigt haben. Das Angebot für Ceva scheiterte am Widerstand des französischen Hauptaktionärs CMA CGM, der zum Zeitpunkt der Offertenstellung knapp ein Viertel aller Ceva-Aktien besass und den Anteil in der Zwischenzeit weiter aufgestockt hat.

Auch Panalpina hat einen starken Aktionär im Rücken, und dies bereits seit 1969. Die in Zug ansässige Ernst Göhner Stiftung hält 46 Prozent aller Panalpina-Aktien. Zurzeit stellt sie mit Peter Ulber auch noch den Verwaltungsratspräsidenten. Dieser hat allerdings im November angekündigt, an der nächsten Generalversammlung vom 9. Mai nicht mehr zur Wiederwahl anzutreten. Ulbers Rückzug wird als Zugeständnis an die schwedische Grossaktionärin Cevian gewertet, die den Deutschen öffentlich bezichtigt hatte, die nötigen Schritte zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit von Panalpina nicht vorzunehmen. Panalpina ist die letzte Unternehmensbeteiligung, die der 1971 verstorbene Stifter Ernst Göhner noch selber erworben hatte. Dies verleiht Panalpina eine besondere Bedeutung im Portefeuille der Stiftung.

Panalpina ist aber vor allem auch die wichtigste Ertragsquelle der Stiftung. 2017 erhielt sie von dem Logistikkonzern Dividenden in der Höhe von rund 40 Millionen Franken. Die Ausschüttung liegt also über den 37 Millionen Franken, welche die Stiftung 2017 zur Finanzierung ihrer über 1300 Projekte ausgegeben hat. Nebst der Finanzierung von gemeinnützigen Projekten in den Bereichen Bildung, Wissenschaft, Kultur und Soziales richtet die Stiftung auch finanzielle Beiträge an die direkten und indirekten Nachkommen des Stifters aus. Per Ende 2017 zählte die Stiftung gemäss Jahresbericht 29 solche Familiendestinatäre.

Mit dem Börsengang von Panalpina im Jahr 2005 haben sich die finanziellen Möglichkeiten der Stiftung schlagartig vergrössert. Bis im Jahr 2005 beliefen sich die jährlichen Ausgaben für Projektfinanzierungen auf rund 10 Millionen Franken. Dieser Betrag hat sich seit dem Börsengang vervierfacht.

DSV wuchs um 13 Prozent jährlich

Allerdings musste Panalpina in den vergangenen Jahren einen bedeutenden Teil der Dividende den Reserven entnehmen. Die Firma kämpft mit Ertragsproblemen, und der starke Einfluss einzelner Grosskunden auf die Gewinn- und Verlustrechnung ist ein Indiz dafür, dass sich das Unternehmen eher am unteren Rand der kritischen Grösse bewegt. Das sind die Aspekte, unter denen die Stiftung das vorliegende Kaufangebot nun prüfen muss.

Für die erst 1976 gegründete DSV hat das Wachstum oberste Priorität. Dazu greift sie häufig zum Mittel von Akquisitionen. So hat die Firma in den vergangenen fünf Jahren ihren Umsatz um durchschnittlich rund 13 Prozent pro Jahr auf über 11 Milliarden Franken gesteigert, die Zahl der Mitarbeiter auf 46'000 verdoppelt und den Jahresgewinn auf rund 450 Millionen Franken erhöht. DSV ist somit je nach Betrachtungsweise doppelt bis viermal so gross wie Panalpina. Der Börsenwert von DSV ist mit rund 14 Milliarden Franken sogar fast fünfmal so hoch wie der Gesamtwert des vorliegenden Kaufangebotes für Panalpina von knapp vier Milliarden Franken. Dennoch hat Panalpina 2017 fast doppelt so viel Dividende ausgeschüttet wie DSV.

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