PALO ALTO: Tesla gibt Gas, die Aktie sinkt

Der Elektrofahrzeugbauer hat die Produktion des Mittelklassewagens gestartet. Die Aktionäre sind trotzdem nervös.

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Seit gestern wird er produziert: der Tesla 3. Er soll für die E-Mobilität das sein, was vor 70 Jahren der VW Käfer für den Individualverkehr schlechthin war. Was die Erfolgsaussicht des Tesla 3 angeht, liegen die Meinungen der Experten auseinander. Tesla hat seit Gründung im Jahr 2003 zwar beachtliche Popularität erlangt. Ob das reicht, um es vom Nischen- zum Volumenhersteller zu bringen, muss sich erst zeigen.

Das Model 3 ist mit einem Startpreis von 35 000 Dollar deutlich günstiger als die bisherigen Tesla-Modelle, die im Luxussegment angesiedelt sind. Die ersten 30 Model 3 sollen am 28. Juli ausgeliefert werden. Im kommenden Jahr will Tesla eine halbe Million Fahrzeuge produzieren, bis 2020 dann eine Million.

Doch auch andere Hersteller arbeiten an günstigeren Elektrofahrzeugen. So brachte General Motors zum Jahresbeginn den Chevy Bolt auf den Markt. Daimler will 735 Millionen Dollar in die Elektroauto-Infrastruktur in China investieren. Und Volvo gab diese Woche als erste der eta­blierten Automarken bekannt, ab 2019 keine neuen Modelle ohne Elektromotor mehr einzuführen.

Dennoch sieht Branchenexperte Axel Schmidt von der Unternehmensberatung Accenture einen wichtigen Wettbewerbsvorteil für Tesla: die eigene Batteriefertigung für ihre Autos.

Elon Musk plant Batterienpark in Australien

News gab es gestern von Tesla auch mit der Bekanntgabe eines neuen Projekts: Im Süden Aus­traliens will der Elektropionier das weltweit grösste Batteriesystem zur Speicherung von erneuerbarer Energie bauen. Die Lithium-Ionen-Zellen mit einer Gesamtleistung von 100 Megawatt sollen bis Ende des Jahres stehen und 30 000 Häuser mit Strom versorgen. Das gaben Unternehmenschef Elon Musk und der Premierminister des Bundesstaates Südaustralien, Jay Weatherill, in Adelaide bekannt. Tech-Milliardär Musk erklärte, das Projekt sei kein kleines Unterfangen. «Das System wird dreimal so stark sein wie jedes andere auf der Welt.» Die Energie werde das französische Unternehmen Neoen bereitstellen, das derzeit einen Windpark in der Region baue.

Im September 2015 war nach einem Unwetter der Strom in Südaustralien ausgefallen. Der gesamte Landesteil mit 1,7 Millionen Einwohnern war für Tage vom nationalen Netz abgeschnitten. Die Regierung hatte daraufhin das Projekt ausgeschrieben, um künftig eine sichere Stromversorgung zu garantieren.

Trotz der News reagieren die Anleger nervös. Innert Wochenfrist hat die Tesla-Aktie 14 Prozent verloren, in der 52-Wochen-Bilanz beträgt das Plus aber immer noch 44 Prozent. (sda/eme)