Paketboten: Ferien gibt es erst nach Weihnachten

Wegen Corona bauten auch Ostschweizer Unternehmen wie MS Direct oder die Quickmail-Divsion Quickpac aus und schufen Stellen: Sie verteilen Pakete grosser Onlinehändler. Mit Black Friday und Weihnachten steht die grosse Päckliflut aber noch bevor.

Kaspar Enz
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Bei der Quickpac ist die Päckliflut bereits im Anzug. Die Paketpost-Division der St. Galler Quickmail AG ist seit letztem Sommer operativ. So viel wie jetzt hatte sie noch nie zu tun. «Seit der zweiten Novemberwoche ist fast jeder Tag ein neuer Rekordtag was die Paketmengen angeht», sagt Marketingleiterin Rachel Halpern. Über die Vorweihnachtszeit erwartet Quickpac eine Zunahme des Volumens um 40 Prozent im Vergleich zu den Monaten davor.

Neues Depot eröffnet

Ein Glück, dass Quickpac eben ein neues Depot in Dietikon eröffnet hat. Dort sind nun 55 neue Paketlieferanten tätig, im Laufe des nächsten Jahres sollen noch einmal so viele hinzukommen. «Mit den zusätzlichen Fahrzeugen und dem zusätzlichen Personal können wir deutlich mehr Pakete verarbeiten», sagt Halpern. Laufend würden neue Zusteller eingestellt. Um die Päckliflut vor Weihnachten zu bewältigen, gelte aber bis Weihnachten eine Feriensperre.

Seit Quickpac letztes Jahr den Betrieb aufnahm, ging es steil bergauf: Lieferten die Lieferanten im zweiten Halbjahr 2019 noch 400000 Pakete aus, waren es im ersten Halbjahr 2020 bereits 800000. Für die zweite Jahreshälfte dieses Jahres wird ein Volumen von 1,2 Millionen Päckli erwartet. Mit dem Depot in Dietikon beschäftigt die Quickpac bereits über 200 Mitarbeitende. Hinzu kommen auch neue Elektro-Fahrzeuge. Mit den 176 E-Autos von Renault verfügt Quickmail heute über die grösste Flotte von Elektro-Autos der Schweiz.

Depot in St. Gallen geplant

Massiv beschleunigt wurde das Wachstum vom Boom des Onlineshoppings durch Corona, sagt Rachel Halpern. Denn zu den Kunden von Quickpac gehören einige wichtige Online- und Versandhändler: Nespresso oder Brack.ch, Ackermann oder Interdiscount, Quelle und Jelmoli lassen Pakete über Quickpac verteilen.

Dabei beliefert Quickpac noch nicht die ganze Schweiz. Mit dem neuen Depot in Dietikon deckt Quickpac nun weitere Gebiete in den Kantonen Aargau, Zug und Zürich ab. Es ist nach Winterthur und Hägendorf das dritte Depot. 2021 soll auch in St. Gallen, wo der Hauptsitz der Quickmail AG steht, ein Depot entstehen. «Wir führen hier derzeit Gespräche mit mehreren potenziellen Vermietern», sagt Halpern.

MS Direct: Wöchentlich neue Kunden

Vom Boom im Onlinehandel profitierte dieses Jahr auch die MS Direct AG in vielen Bereichen: Es bietet Dienstleistungen im Datenmanagement oder im Kundendienst an. Für viele Onlinehändler übernimmt die Sparte Fulfillment Solutions einen Grossteil der Logistik: Vom Einlagern über das Verpacken der Päckli, über die Verteilung bis zur Bearbeitung von Retouren. «In den letzten Monaten konnten wir fast wöchentlich neue Kunden begrüssen», sagt Marketingchef Rolf Kobelt. Dazu gehörten Traditionsunternehmen wie Ricola ebenso wie Start-ups. Viele Firmen seien in den letzten Monaten neu ins Onlinegeschäft eingestiegen.

Das Volumen an Paketen sei in den letzten Monaten rund 20 Prozent über dem Vorjahr. Deshalb habe MS Direct auch zusätzliche Mitarbeitende rekrutiert. Noch höher dürften die Volumen in den nächsten Wochen sein. Von Ende November bis Weihnachten liege das Volumen jeweils rund 50 Prozent über den normalen Monaten. Dass die MS Direct mehr tue als nur Pakete verteilen, sei hier ein Vorteil, sagt Kobelt. «So können Mitarbeitende, die sonst vor allem Retouren verarbeiten, beim einpacken helfen.» Trotzdem werde das Personal in dieser Zeit um rund 20 Prozent aufgestockt. «Den grössten Teil davon, rund 60 Mitarbeitende, haben wir bereits rekrutiert», sagt Kobelt.