Ozeanriesen kommen in Fahrt

Die Hersteller grosser Kreuzfahrtschiffe spüren den Trend seit Jahren: Die Passagierzahlen steigen – und damit die Aufträge an die Werften. Doch mit laufend neuen Schiffen wächst zugleich die Konkurrenz auf den Weltmeeren.

Thorsten Fischer
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Die «Aida sol» läuft aus: Zwei- bis dreimal im Jahr verlässt ein neu gebautes Kreuzfahrtschiff die Werft im norddeutschen Papenburg – jedesmal auch ein Spektakel für die Zuschauer. (Bild: pd)

Die «Aida sol» läuft aus: Zwei- bis dreimal im Jahr verlässt ein neu gebautes Kreuzfahrtschiff die Werft im norddeutschen Papenburg – jedesmal auch ein Spektakel für die Zuschauer. (Bild: pd)

Papenburg. Hochbetrieb herrscht immer, wenn ein Kreuzfahrtriese gebaut wird. Aber an diesem Morgen geht es am Pier der Meyer Werft im deutschen Papenburg besonders betriebsam zu. Das Hochsee-Clubschiff «Aida sol» steht kurz vor der Auslieferung an seinen Auftraggeber.

Das 252 Meter lange und 32 Meter breite Schiff hat soeben das riesige überdachte Baudock verlassen. Dort wurde es in den letzten Monaten Stück für Stück zusammengesetzt. Nun nehmen Handwerker-Teams die letzten Einbauarbeiten vor – auf insgesamt 15 Decks mit 1100 Kabinen.

Auf diese Weise entstehen pro Jahr zwei bis drei Kreuzfahrtschiffe. 2011 wird die Meyer Werft mit zwei produzierten Schiffen einen Umsatz von gut 1 Mrd. € erzielen. Das gaben die Verantwortlichen im Rahmen einer Pressereise in Papenburg bekannt, zu welcher der Online-Kreuzfahrtanbieter E-hoi Schweiz eingeladen hatte. Inzwischen hat der neuste Ozeangigant der Aida-Flotte auch die ersten Probefahrten erfolgreich absolviert.

Die Wellen der Konjunktur

Werften sind dennoch abhängig von Konjunkturschwankungen: Im Fall einer Krise geben Reedereien vorübergehend weniger Schiffe in Auftrag. Besonders deutlich wurde dies 2003, als Meyer 550 Mitarbeitende entlassen musste. Heute arbeiten rund 2500 Angestellte in Papenburg. Die meisten sind mit ihren Familien seit Generationen in der Region zu Hause. Hinzu kommen mindestens gleich viele Mitarbeiter, die in den Zulieferbetrieben arbeiten.

Die norddeutsche Stadt hat eine jahrhundertelange Tradition im Schiffsbau. Allerdings ist die Meyer Werft die einzige von ursprünglich 23 Werften, die überlebt hat – dank einer rechtzeitigen Spezialisierung auf Kreuzfahrtschiffe. Dabei galten Ferienreisen auf dem Meer einst als Luxusvergnügen für die Oberschicht. Sie haben sich aber zur Massenbewegung gewandelt. Dazu trägt nicht nur die steigende Zahl der Schiffe bei, sondern auch der Konkurrenzkampf zwischen den Reedereien. Kunden sollen mit allen erdenklichen Extras angelockt werden. So verfügen moderne Schiffe über Wellness-Oasen oder technisch ausgefeilte Unterhaltungsangebote wie 4D-Kinos.

Marktbeobachter stellen fest, dass mit dem wachsenden Angebot die Schiffe selber zu einer Destination werden – neben dem eigentlichen Ausflugsziel.

E-hoi mit klaren Zielen

Im Kreuzfahrt-Reisegeschäft wächst mit den neuen Technologien die Zahl der Verkaufskanäle. Es gibt traditionelle Reisebüros, das Internet, und es gibt Mischformen.

Unternehmen wie das in Herisau ansässige Buchungs- und Vergleichsportal E-hoi.ch wollen über den Online-Vertrieb wachsen. Ein Konzept, das die Frankfurter Mutterfirma in ihrem Heimmarkt sukzessive ausgebaut hat. Für die Schweiz hat sich E-hoi ambitiöse Ziele gesteckt. Sie will bis 2012 an die Spitze der Schweizer Kreuzfahrt-Portale vorstossen, wie ihr operativer Leiter Alexander Esslinger erklärt. Budgetiert ist ein Umsatz von mehreren Millionen Franken.

Den gesamten Schweizer Kreuzfahrten-Markt veranschlagt Esslinger wie folgt: Im Jahr 2009 hätten 70 000 Schweizer eine Kreuzfahrt unternommen. 20 000 weitere Schweizer buchten ihre Fahrt im Ausland. Künftig sei daher von einem Potenzial von jährlich rund 100 000 Schweizer Kreuzfahrt-Passagieren auszugehen.