Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Oswald beschreitet neue Wege

Neu gibt es die Gewürze und Bouillons von Oswald auch beim Detailhändler Manor. Dem alten Geschäftsmodell mit Direktvertrieb und Online-Shop will die Zuger Firma aber treu bleiben.
Bernard Marks
Die Produktionsstätte der Oswald GmbH in Steinhausen. (Bild: Stefan Kaiser/Zuger Zeitung (Steinhausen, 28. September 2016))

Die Produktionsstätte der Oswald GmbH in Steinhausen. (Bild: Stefan Kaiser/Zuger Zeitung (Steinhausen, 28. September 2016))

Der Duft der weiten Welt liegt in der Luft, wenn sich die Türen bei der Firma Oswald in Steinhausen im Kanton Zug öffnen. In der schlichten Halle des Industriegebäudes liegen in gestapelten Kisten sackweise edle Gewürze aus aller Herren Länder. Pfeffer, Koriander, Kurkuma, Knoblauch, Paprika, Meersalz sowie die verschiedensten Kräuter wie Rosmarin, Thymian, Oregano oder Basilikum. «Diese Zutaten brauchen wir, um unsere Gewürzmischungen herzustellen», sagt Beat Welti. Der 47-Jährige ist seit 2013 Geschäftsleiter der Oswald Nahrungsmittel GmbH. «Wir verwenden nur ausgewählte Rohstoffe, die ausschliesslich in Steinhausen verarbeitet werden», sagt Welti auf dem Rundgang durch die Produktion. Dabei macht er kein Hehl daraus, dass sein Unternehmen beim Einkauf der Rohstoffe nicht unerhebliche Vorteile durch den Verbund mit dem Mutterkonzern Unilever geniesst. Seit dem Jahr 2000 ist Oswald eine Tochter des niederländisch-britischen Konsumgüterkonzerns.

Rund 300 Produkte werden in Steinhausen hergestellt. An jedem Werktag verarbeiten die Oswald-Angestellten rund 2500 Bestellungen. Pro Monat verlassen das Oswald-Werk bis zu 40 000 Pakete. Neben Bouillons, Saucen, Suppen und Gewürzmischungen bietet das Unternehmen auch Desserts und traditionell Kaffee an. Heute verkauft Oswald rund sieben Millionen Kaffeekapseln pro Jahr für die eigenen Kaffeemaschinen.

Geist des Firmengründers ist noch spürbar

Bisher suchte man Oswalds Produkte aber vergeblich in den Regalen des Schweizer Detailhandels. Sie waren nur im Direktvertrieb und im Online-Shop erhältlich. Seit kurzem aber sind die Oswald-Produkte auch im Feinkostsortiment von Manor zu finden. «Wir belegen auf diese Weise alle drei Vertriebswege», sagt Welti – ein Plus gegenüber der Konkurrenz. Vor allem der kritisch beäugte Direktvertrieb wird heute salonfähig.

Oswald beschäftigt 320 Mitarbeitende, davon 200 im Aussendienst. Die Firma, die vergangenes Jahr 65 Mio. Fr. umgesetzt hat, sei innerhalb des Grosskonzerns eine geschätzte Geschäftseinheit. «Obwohl wir zu Unilever gehören, können wir relativ unabhängig arbeiten», sagt Welti. So kommt es wohl auch, dass der Geist des Firmengründers im Betrieb noch immer spürbar ist.

Im Jahr 1951 gründete Meinrad Oswald die Firma. Er erwarb damals als 20-Jähriger eine Kaffeerösterei in Zürich. Als Einmannbetrieb verkaufte er in der blühenden Nachkriegszeit geröstete Kaffeebohnen ohne Zwischenhandel an seine Kunden, darunter vor allem an Gastrobetriebe. Diese fragten schnell nach weiteren Produkten. So nahm er auch Bouillon ins Sortiment auf. Da er aber mit der Qualität nicht zufrieden war, stellte er diese schon bald nach eigenem Rezept her. 1958 verlegte Oswald den Firmensitz nach Steinhausen. Teile des Vertriebssystems der Firma Oswald zeigen noch heute die Handschrift des Firmengründers. Zwar bekam Oswald in den Folgejahren immer wieder Anfragen aus dem Detailhandel für die Lieferung seiner Produkte, doch er war stets überzeugt: Der Direktvertrieb sei das Beste für Oswald. Viele Schweizer Hobby- und Profiköche kennen und schätzen die Produkte von Oswald. 500 000 Kunden hat die Firma laut eigener Angabe.

«Und genau um diese Kundenkontakte wird Oswald heute von vielen Mitbewerbern, aber auch von branchenfremden Unternehmen, regelrecht beneidet», sagt Welti. Denn der Direktvertrieb erweist sich als krisenresistent. Das belegen die Zahlen. In Zeiten des starken Frankens und hart umkämpften Marktes im Schweizer Detailhandel erwirtschaftete Oswald in den vergangenen Jahren ein konstantes Umsatzwachstum. Für die steigenden Einnahmen gesorgt haben neben dem E-Commerce, Telefonverkauf und Export hauptsächlich die 200 Aussendienstmitarbeiter. Diese werden neben einem Mindestlohn auf Provisionsbasis bezahlt.

Daten für spezifische Marktforschung

Aber nicht allein der Verkauf von Produkten direkt an die Kunden macht sich für Oswald bezahlt. Während der regelmässigen Besuche bei Kunden nehmen die Aussendienstmitarbeiter Feedbacks entgegen. Diese aus der Kundenbefragung entstehenden Daten sind nutzbar. So wertet zum Beispiel der Unilever-Konzern die Oswald-Daten bereits in seiner spezifischen Marktforschung aus. «Der Direktvertrieb bekommt auf diese Weise gewissermassen ein modernes Gesicht», sagt Welti.

Während andere Firmen rein auf das Internet und soziale Medien setzen, fährt Oswald mit dem alten Prinzip besser denn je. Das ist sicher auch im Sinne des Firmengründers Meinrad Oswald, der vor einigen Jahren einmal über sein Erfolgsrezept sagte: «Man muss nicht zuerst an die Produkte, sondern an die Kunden denken.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.