Ostschweizer Wirtschaft schwenkt auf Erholungskurs ein

Der Einbruch der Weltwirtschaft wegen der Coronakrise liess auch die Ostschweizer Exporte purzeln. Nun zeigen sich in der Weltwirtschaft Anzeichen der Erholung. Auch die Ostschweizer Konjunktur sendet positive Signale aus, wie es im Konjunturindex der Region St.Gallen-Appenzell heisst.

Kaspar Enz
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Die OStschweizer Metall- und Maschinenindustrie litt unter dem weltweiten Konjunktureinbruch.

Die OStschweizer Metall- und Maschinenindustrie litt unter dem weltweiten Konjunktureinbruch.

Bild: Keystone

Trotz des historischen Rückgangs der US- und der deutschen Wirtschaft im ersten Halbjahr gibt es gute Nachrichten. Einige Echtzeit- und Frühindikatoren, wie die Einkaufsmanagerindices, zeigen an, dass die Erholung begonnen hat. Auch in der Ostschweiz hat sich die Konjunktur nach dem Lockdown aufgebäumt. Das steht im Bericht zum Konjunkturindex der Region St.Gallen-Appenzell, den das St.Galler Beratungsunternehmen Ecopol AG im Auftrag des Kantons und der Kantonalbank erstellt.

Regionaler Konjunkturindex mit positiven Signalen

Danach hat der Konjunkturindex den Tiefstand im April durchschritten. Zwar liegt er auch aktuell noch im Minus, aber die Aussichten in der Industrie haben sich wesentlich verbessert. Die Bauwirtschaft ist zwar vorsichtig, die Geschäfte liefen im letzten Quartal aber gut. Der Detailhandel profitiert von einer Wiederbelebung des Konsums. So bestehe Hoffnung, dass die Konjunktur wieder Tritt fasse. Dabei seien sich die Unternehmen der grossen Unsicherheiten und der vielen Risiken sehr wohl bewusst.

Aussichten auf dem Arbeitsmarkt bleiben trüb

Bisher hat sich weder die Arbeitslosigkeit so dramatisch entwickelt, wie befürchtet, noch wurde die Kurzarbeit so expansiv in Anspruch genommen, wie in den schlimmsten Szenarien. Dennoch weist die Auswer- tung der Konjunkturumfrage in der Region St.Gallen-Appenzell darauf hin, dass insbesondere in der Metall- und Maschinenindustrie in den kommenden Monaten mit einem Personalabbau zu rechnen ist. Eine dauerhafte Einschränkung der Grenze für Besucher von Veranstaltungen hätte zudem einschneidende Konsequenzen für etliche Dienstleistungsbranchen, vor allem für Sport- und Kulturbetriebe.

Historischer Exporteinbruch

Im zweiten Quartal verzeichneten die Exporte der Region St.Gallen-Appenzell einen historischen Einbruch von rund 19 Prozent. Dabei mussten sämtliche Warengruppen ein Minus hinnehmen. Über 20 Prozent betrugen die Einbussen bei den Schwergewichten wie der Maschinen-, der Nahrungsmittel- und der Kunststoffindustrie. Stark sanken die Ausfuhren nach Spanien und Italien um mehr als 40 Prozent.

Talsohle erreicht

Die Industriefirmen leiden unter dem globalen Nachfragerückgang und sind sowohl mit dem Auftragsbestand als auch mit der Geschäftsentwicklung unzufrieden. Allerdings dürfte die Talsohle er- reicht sein, haben sich doch die Zukunftserwartungen aufgehellt.

Erholung im Detailhandel

Seit Mai steigen die Umsätze im Detailhandel wieder an, vorwiegend im Food-Bereich. Auch im Non-Food-Bereich machen sich nach dem Ende des Lockdowns gewisse Nachholeffekte bemerkbar. Die Stimmung im Detailhandel hat sich verbessert. Die Branche schaut dennoch mit gemischten Gefühlen in die Zukunft, wie es im Bericht weiter heisst.

Bauwirtschaft hält sich gut

Die Bauwirtschaft kann sich der generellen Konjunkturabkühlung nicht ganz entziehen, schlägt sich aber besser als befürchtet. So haben sich die Bewertungen des Auftragsbestandes und der Geschäftslage wesentlich verbessert. Rund die Hälfte der Baumeister beurteilen den Geschätfsgang als gut, nur noch 17 Prozent als schlecht. Nicht zufrieden ist die Branche mit der Entwicklung der Erträge, was auch für die anhaltende Skepsis der Branche verantwortlich sein dürfte.

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