Versicherungsbranche
Börse sorgt für Delle bei St.Galler Helvetia – aber die Versicherung kann Marktanteile gewinnen

Die turbulenten Finanzmärkte sind auch an der Helvetia Group nicht spurlos vorbeigegangen. Der Versicherungskonzern hat deshalb im ersten Semester 2022 weniger verdient.

Stefan Borkert
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Die Versicherungsgruppe Helvetia expandiert und hofft auf ein Jahr ohne ungewöhnliche Naturkatastrophen.

Die Versicherungsgruppe Helvetia expandiert und hofft auf ein Jahr ohne ungewöhnliche Naturkatastrophen.

Bild: Gian Ehrenzeller/Key

So schnell werden die Finanzmärkte nicht zur Ruhe kommen. Philipp Gmür, Group CEO von Helvetia mit Sitz in St.Gallen, sagte an der Präsentation der Geschäftszahlen für das erste Semester 2022, dass er weiter mit Bewegung an der Börse rechne. Er habe auch keine Kristallkugel, aber es gelte schon, einen Kapitalpuffer aufzubauen, der einen potenziellen Schock abfedern könne. Vorausgesetzt, es gebe keine aussergewöhnlichen Naturkatastrophen, gehe er trotz allem von einer einigermassen stabilen Lage aus.

«Bisher hatten wir keine bösen Überraschungen.»

Auch die Inflation bringt ihn zunächst nicht aus der Ruhe. Inflation sei in Südeuropa nichts Neues. Gerade beim Geschäft mit Autoversicherungen sei man deshalb vorbereitet. Steigende Preise bei den Ersatzteilen und Löhnen könnten aufgefangen werden. So habe man Klauseln, die es erlauben würden, die Prämien anzupassen. Kunden hätten dann immer noch die Möglichkeit, wegen der Änderung zu kündigen.

Die aktuelle Inflation sei in erster Linie von den steigenden Energiepreisen getrieben. «Es liegt an uns, das zu managen», betont er. Und Annelis Lüscher Hämmerli, Finanzchefin bei Helvetia, ergänzt, dass man in allen Ländern Erhebungen durchgeführt habe. Sie rechnet im Nichtlebensgeschäft langfristig mit keinen erheblichen negativen Effekten. Und im Lebensversicherungsgeschäft würden sich die steigenden Zinsen nicht negativ auswirken.

Operatives Geschäft boomt

Gmür sieht indessen auch keinen Grund für Panikmache. Im Gegenteil. Er sagt: «Helvetia blickt auf ein erfolgreiches erstes Halbjahr 2022 zurück. Wir führten den Wachstumskurs vergangener Jahre fort, gewannen flächendeckend Marktanteile, und das bei starken versicherungstechnischen Resultaten.» Ausserdem sei auch die Umsetzung der Strategie Helvetia 2025 auf Kurs.

Philipp Gmür, CEO der Helvetia-Gruppe St.Gallen.

Philipp Gmür, CEO der Helvetia-Gruppe St.Gallen.

Gian Ehrenzeller/Keystone
«Wir haben den Geschäftsmix in Spanien weiter verbessert und unseren Anteil an der dortigen Caser auf 80 Prozent erhöht.»

Zudem erschliesse Helvetia mit dem Fee-Business, also dem Gebührengeschäft, zusätzliche Ertragsquellen. Das erklärt das starke Engagement bei Caser in Spanien. Denn Helvetia nimmt auch mit dem Betrieb von Spitälern oder Alters- und Pflegeheimen Geld ein. Die Finanzchefin erklärt, dass zusammen mit Einnahmen aus der Vermögensverwaltung die Gebühren um gut einen Fünftel auf fast 200 Millionen Franken gestiegen seien. Gmür gibt als Ziel zunächst 350 Millionen Franken pro Jahr aus.

Das Geschäftsvolumen ist im ersten Halbjahr um knapp 7 Prozent gesunken. Im Konzern ging es um 2 Prozent auf rund 6,8 Milliarden Franken zurück. Allerdings resultierte währungsbereinigt ein Plus von 1,1 Prozent. Besonders bei den Sachversicherungen konnte Helvetia im operativen Geschäft gut zulegen. Dort verzeichnete man einen Volumenzuwachs von 6,6 Prozent. Der Konzerngewinn hingegen bekam eine kräftige Delle. Er sank von 262 Millionen Franken im ersten Halbjahr 2021 auf 220 Millionen Franken im ersten Semester 2022.

Annelis Lüscher Hämmerli, CFO Helvetia-Gruppe, St.Gallen.

Annelis Lüscher Hämmerli, CFO Helvetia-Gruppe, St.Gallen.

PD

Insgesamt war das Nichtlebensgeschäft der Gruppe mit einem währungsbereinigten Zuwachs von 6,6 Prozent auf knapp 4,2 Milliarden Franken ein starker Wachstumstreiber. Finanzchefin Lüscher erklärte, dass Helvetia in diesem Geschäftsbereich in allen Segmenten breit abgestützt über verschiedene Sparten zugelegt habe. Bei der Lebensversicherung belief sich demnach das Geschäftsvolumen auf 2,6 Milliarden Franken, was eine Reduktion gegenüber der Vorjahresperiode in Höhe von 6,7 Prozent bedeute.

Wie im März angekündigt, werde die Onlineversicherung Smile in europäische Märkte ausgerollt, wobei der Start in Österreich erfolge, so Gmür. Zudem ist das Geschäft in Liechtenstein unter dem Namen Helvetia Global Solutions im Hinblick auf weiteres internationales Wachstum neu ausgerichtet worden. Der Fokus liege dabei auf dem internationalen Spezial- und Rückversicherungsgeschäft sowie dem Bereich Embedded Insurance. Laut dem Beratungsunternehmen Q-Perior ermöglicht Embedded Insurance Versicherern, verschiedene Themenfelder miteinander zu kombinieren und Versicherungsleistungen mit dem Verkauf von Konsumgütern oder Dienstleistungen zu verknüpfen. Ein Beispiel ist die Reisegepäckversicherung für Mobilfunkkunden im Ausland.

Die Helvetia Group hat ihr Nachhaltigkeitsperformance verbessert.

Die Helvetia Group hat ihr Nachhaltigkeitsperformance verbessert.

PD