Praxisprojekte
Auszeichnung für «Gipfelstürmer»: Wie Studierende eine Bäckerei und eine Bank vorwärts pushen wollen

Studierendenteams der Fachhochschule OST erhalten für ihre Praxisprojekte den WTT Young Leader Award. Als Gastreferent zeigte Jo Dietrich von der Beratungsagentur ZEAM auf, was Junge der Generation Z wollen und wie Firmen sie erreichen können.

Thomas Griesser Kym
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Das siegreiche Studierendenteam in der Kategorie Marktforschung um Projektleiterin Sina Peyer (2. von rechts).

Das siegreiche Studierendenteam in der Kategorie Marktforschung um Projektleiterin Sina Peyer (2. von rechts).

Bild: Michel Canonica (St.Gallen, 26. September 2022)

«Gipfelstürmer, die bestens auf das Arbeitsleben und die Übernahme von Verantwortung vorbereitet sind» – so bezeichnete die Thurgauer Regierungsrätin Monika Knill in ihrer Würdigung die Finalistinnen und Finalisten des WTT Young Leader Award 2022. Mit diesem Preis wurden am Montagabend in der Tonhalle St.Gallen zum 15. Mal die besten Praxisprojekte von Studierendenteams der Ostschweizer Fachhochschule OST in zwei Kategorien ausgezeichnet.

In der Kategorie Markt­forschung obsiegte das Team Clientis Bank Oberuzwil AG. Die Bank hatte die Frage gestellt, wie sie für ihr Beratungszentrum, das einer der Pfeiler ihres Wachstums ist, nach der Coronapandemie noch mehr Kundinnen und Kunden zuführen könnte, und vor allem auch Jüngere – definiert als 30- bis 55-Jährige. Das Studierendenteam der OST mit Projektleiterin Sina Peyer, Flavia Germann, Marco Billwiller, Maximilian Herrmann, Nora Gresser und Elia Santo interviewte dafür Fachleute, befragte online bestehende Kundinnen und Kunden der Bank und führte Strassenumfragen durch, um auch potenzielle Neukundinnen und -kunden zu erreichen.

Als Ergebnis entpuppte sich, dass Themen wie Work-Life-­Balance und Sicherheit, Energie oder Selbstständigkeit Jüngere interessieren. Das Team schlug Marketingaktivitäten, digitale Eventformate oder virtuelle Beratungsformen vor. Die Clientis Bank Oberuzwil um Geschäftsleiter Adrian Müller hat mit der Umsetzung der Impulse begonnen. Jurymitglied und Bühler-Personalchef Christof Oswald sagte, das Team habe «theoretisch Erlerntes ausgezeichnet in die Praxis umgesetzt».

Eine neue Strategie für die Bäckerei Lichtensteiger

Das siegreiche Studierendenteam in der Kategorie Managementkonzeption um Projektleiterin Kerstin Herrli (3. von links).

Das siegreiche Studierendenteam in der Kategorie Managementkonzeption um Projektleiterin Kerstin Herrli (3. von links).

Bild: Michel Canonica (St.Gallen, 26. September 2022)

In der Kategorie Managementkonzeption schwang das Team Lichtensteiger AG Bäckerei obenaus. Für Urs Lichtensteiger, Chef der Flawiler Bäckerei, ging das Studierendenteam der OST der Frage nach, wie der Betrieb weiterwachsen, als Unternehmen besser werden und seinem Qualitätshandwerk treu bleiben könne. Dies nach intensivem Wachstum in den vergangenen Jahren, wobei der Trend weiter nach oben zeige und man nun an Grenzen stosse.

Das Studierendenteam der OST aus Projektleiterin Kerstin Herrli, Maximilian Arend, Johanna Gehrig, Livio Griesser, Gabriel Markaj und Elisabeth Schneider nahm sich der Auf­gabe an, eine neue Strategie für die Bäckerei zu erarbeiten. So empfahlen sie Lichtensteiger, die Produktionskapazität auszubauen, das Sortiment zu optimieren, ein Risikomanagement einzuführen oder Arbeitgebermarketing zu betreiben, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Auch ein Franchise­system schlugen sie vor, also einen zusätzlichen Vertrieb über selbstständige Partner, um das Eigenkapital zu schonen. Das bewog Jurymitglied und Leica-Geosystems-Chef Thomas Harring zur Aussage, das Team, das auch den Publikums-Award einheimste, habe «neben Leidenschaft und Begeisterung auch Mut zum Vorschlag unkonventioneller Massnahmen bewiesen». Urs Lichten­steiger will die neue Strategie in grossen Teilen vorwärtstreiben.

Was Junge wollen und was wir alle wollen

Gastreferent und Unternehmer Jo Dietrich, der weiss, was Junge wollen.

Gastreferent und Unternehmer Jo Dietrich, der weiss, was Junge wollen.

Bild: Michel Canonica (St.Gallen, 26. September 2022)

Als Gastreferent ging Jo Dietrich, der 25-jährige Co-Gründer und Inhaber der Beratungsagentur Zeam, auf die Generation Z ein, also die 12- bis 27-Jährigen. Um sich bei diesen zu bewerben, etwa um sie als Kunden zu gewinnen, für eine Lehrstelle oder einen Job, empfiehlt Dietrich den Firmen Präsenz auf den Social-Media-Plattformen Tiktok und LinkedIn. Dietrich sagte, jeder Dritte der Generation Z fühle sich im Job nicht ernst genommen, und 72 Prozent meinten, dies sei wegen ihres jungen Alters. Dietrich:

«So demotiviert man Talente und junge Mitarbeitende.»

Das sei in Zeiten des Fachkräfte- und Nachwuchsmangels be­sonders gefährlich. Dietrich weiss, was junge Talente wollen: an Entscheiden beteiligt sein, mit ihren Ideen und Vorschlägen gehört werden und Verantwortung übernehmen. Mit Blick auf die Zukunft aber wollten alle Menschen das Gleiche: Altersvorsorge und Gesundheitssystem absichern und Klimawandel bekämpfen.