New Work Forum
Beim Homeoffice gibt es noch einige Baustellen – eine Studie der Fachhochschule Ost zeigt auf, warum man nach Corona noch im Büro arbeiten soll

Das vierte New Work Forum der Fachhochschule Ost wurde in einem virtuellen Konferenzraum abgehalten. Der Titel der Veranstaltung: «warum zukünftig noch im Büro arbeiten?» Professorin Alexandra Cloots beantwortete die Frage anhand einer von ihr geleiteten Studie.

Kaspar Enz
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Homeoffice ist wieder Pflicht. Aber es hat nicht nur Vorteile.

Homeoffice ist wieder Pflicht. Aber es hat nicht nur Vorteile.

Bild: Andrea Stalder

Mit dem Entscheid des Bundesrates gilt demnächst wieder Homeofficepflicht, wo immer möglich. Das heisst für viele Büroangestellte: Statt der Kollegen stören Katzen und Kinder die Ruhe am Arbeitsplatz. Statt eine Gelegenheit für einen Schwatz an der Kaffeemaschine findet die Teamsitzung am selben Bildschirm statt wie die Arbeit. Und auch das Treffen mit dem Kunden sorgt nicht für den willkommenen Tapetenwechsel.

Für viele Arbeitnehmer wie Führungskräfte sind die Erfahrungen mit dem durch die Pandemie erzwungenen Homeoffice bisher zwar überwiegend positiv. Doch es hat auch einige gewichtige Nachteile. Das ergab die Studie des HR-Panels-New Work der Fachhochschule Ost, die Panel-Leiterin Alexandra Cloots am vierten St.Galler New Work Forum vorstellte. So leide nicht nur die Zusammenarbeit im Team, sondern auch die mit Kunden und anderen externen Partnern. Denn gerade Gesten, Zwischentöne und der Schwatz an der Kaffeemaschine sind eben oft wichtiger als die vermeintlich dafür verlorene Zeit.

In virtuellen Sitzungsräumen

Alexandra Cloots, Professorin Ost

Alexandra Cloots, Professorin Ost

Das zeigte auch das Forum selber. Um trotz Verbot physischer Versammlung etwas Konferenzstimmung aufkommen zu lassen, entschieden sich die Organisatoren für eine Softwarelösung: Mit dem Headset am Bildschirm konnten die Teilnehmer als eckige Figuren durch virtuelle Konferenzräume schlendern, sich setzen und sogar hüpfen.

Trotzdem: Ungezwungene Gespräche am Stehlunch kamen selten auf. Die Frage im Titel der Veranstaltung, «warum zukünftig noch im Büro arbeiten?», war schnell beantwortet: eben deshalb. Die Büros, in denen man in der Zukunft arbeitet, sehen aber wohl anders aus als heute.

Büro der Zukunft bei Bühler

Wo es hingehen könnte, zeigte Elvis Pidic im Eröffnungsreferat. Der Architekt ist beim Uzwiler Konzern Bühler auch dafür zuständig, wie die Arbeitsorte der Mitarbeiter aussehen. Und mit dem «Cubic» hat Bühler in Uzwil einen modellhaften Arbeitsraum geschaffen. Das Zentrum des «Cubic» ist eine Kaffeebar, rundherum gibt es verschiedene Zonen für Zusammenarbeit und Austausch.

Denn «im Büro ist Austausch das grosse Thema», sagt Pidic. Wer ruhig arbeiten will, kann das in Konzentrationszonen tun, in denen nicht gesprochen wird - oder zu Hause.

Aber auch dort braucht es Konzentrationszonen. Das stellte Alexandra Cloots, Leiterin des HR-Panels-New Work der Ost, in der neuen Studie fest, für die rund 600 Angestellte aus verschiedenen Branchen befragt wurden: Produktiv und angenehm ist die Arbeit zu Hause nur dann, wenn es dort einen geeigneten Arbeitsplatz gibt.

Homeoffice ersetzt Einzelbüro

Dann kann allerdings das Homeoffice zum neuen Einzelbüro werden, sagt Cloots. Denn gerade die Befragten, die im Büro keine Einzelarbeitsplätze haben, schätzen das Homeoffice. Und die Entwicklung der Büros gehe weiter in Richtung von offenen Konzepten, wo Austausch und Lernen im Zentrum stehen. Das Büro sei nicht mehr ein Ort, wo Arbeit verrichtet werde, sagt Cloots. Es müsse vielmehr die Arbeit unterstützen.

Trotzdem sind noch einige Probleme zu beheben, bis die flexible Arbeit im Alltag auch einwandfrei funktioniert. Das zeigten einige der Workshops, die die Teilnehmer in dafür vorgesehenen virtuellen Zimmern besuchen konnten. Dabei ging es um rechtliche Aspekte oder darum, was Homeoffice in Hochschulen oder Verwaltungen bedeutet. Oder wie sich Sitzungen organisieren lassen, wenn ein Teil der Teilnehmer nur virtuell dabei sind.

Flexibilität für alle

Heidi Bösch, Leiterin Personelles bei der Migros Ostschweiz, widmete ihren Workshop denen, die von den guten Seiten des Homeoffice ausgeschlossen bleiben: den Mitarbeitenden im Detailhandel, in der Pflege oder in Produktionshallen. Sie müssen präsent sein, und zwar zu vorgegebenen Zeiten.

Wer im Detailhandel arbeitet, kann nicht vom Homeoffice profitieren.

Wer im Detailhandel arbeitet, kann nicht vom Homeoffice profitieren.

Bild: Ralph Ribi

Doch auch für sie lasse sich mehr Flexibilität verwirklichen. So könne man den Mitarbeitenden mehr Mitbestimmung bei der Gestaltung von Arbeitsplänen und Zeiten geben. Das verlange aber auch ein Umdenken auf der Führungsebene. Sie müssen befähigen statt kontrollieren, Dialog pflegen statt Befehle ausgeben, in Rollen statt Positionen denken. Andererseits werde mit der Flexibilität von den Mitarbeitenden auch mehr Eigenverantwortung verlangt.