Finanzmärkte
Thurgauer Kantonalbank trotzt den Turbulenzen – höherer Semestergewinn trotz Drucks im Zinsengeschäft

Ungeachtet zahlreicher Widrigkeiten hat das Geldinstitut im ersten Semester mehr verdient und macht den Sparenden Hoffnung. Deutlich an Wert verloren haben wegen der Rückgänge an den Börsen die Kundendepots. Für das ganze Jahr stapelt die Bank tief.

Thomas Griesser Kym
Drucken
Es geht seit geraumer Zeit turbulent zu und her in der Welt und damit auch an den Aktienmärkten. Das spüren auch die Banken und deren Kundinnen und Kunden. Im Bild Händlerinnen und Händler an der New Yorker Börse.

Es geht seit geraumer Zeit turbulent zu und her in der Welt und damit auch an den Aktienmärkten. Das spüren auch die Banken und deren Kundinnen und Kunden. Im Bild Händlerinnen und Händler an der New Yorker Börse.

Bild: Spencer Platt /Getty (10. März 2020)

Thomas Koller ist ein alter Hase im Bankgeschäft. Doch, so sagt es der Chef der Thurgauer Kantonalbank (TKB) über das laufende 2022:

«Ich habe kaum je so ein turbulentes Jahr erlebt wie dieses.»

Koller zählt auf: Kaum war die Covid-19-Pandemie vorbei, brach Russland die Ukraine-Invasion vom Zaun. Hinzugesellt haben sich Rohstoff- und Energieknappheit, Inflation, die Hitzewelle und der verschärfte Taiwan-Konflikt.

Und der Zinsanstieg. Mitte Juni hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihren Leitzins von –0,75 auf –0,25 Prozent angehoben, und im Herbst erwartet Koller einen weiteren Schritt nach oben. Für ihn eine positive Entwicklung, haben doch die Tiefzinsen die Zinsmarge der Banken unter Druck gesetzt, was sich bei der TKB im ersten Semester dieses Jahres in einem «moderaten» Rückgang des Erfolgs aus dem Zinsengeschäft um 3,3 Prozent auf netto 128 Millionen Franken äussert.

Koller zeigt sich aber zuversichtlich: Steigen die Zinsen, mindert dies den Druck auf die Marge, und entpuppen sich die Zinsen erst einmal als nachhaltig positiv, wird davon laut Koller auch das Sparvolk wieder profitieren.

Zufluss an Nettoneugeld ist beinahe versiegt

Trotz des rückläufigen Zinsergebnisses und trotz höheren Geschäftsaufwands wegen Digitalisierungsprojekten und Filialumbauten hat die TKB ihren Geschäftserfolg um 4,9 Prozent auf gut 95 Millionen Franken gesteigert. Dies dank Mehrerträgen im Handelsgeschäft sowie im Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft. Trotz der Talfahrt an den Börsen im ersten Semester sind die Kundinnen und Kunden aktiv geblieben an den Wertpapiermärkten, auch mangels attraktiver Anlagealternativen. Der Wert der Depotvolumen schrumpfte von 10,2 auf 9,1 Milliarden Franken.

An Neugeld flossen der TKB netto nach 603 Millionen Franken im Vorjahressemester lediglich noch 19 Millionen zu. Hanspeter Hutter, Leiter Finance & Risk in der TKB-Geschäftsleitung, erklärt dies mit Geldabflüssen weniger Grosskunden im Umfang von rund 300 Millionen. So seien vor allem kurzfristige Festgelder nicht erneuert worden. Grund: Die Kunden hätten diese zu ei­nem Zins von zum Beispiel –0,5 Prozent erneuern können, hätten aber wegen der Erwartung eines Zinsanstiegs verzichtet.

TKB zeigt sich unbesorgt über den Immobilienmarkt

Die Hypothekarforderungen der TKB haben seit Ende 2021 von 21,7 auf 22,3 Milliarden Franken zugenommen. 93 Prozent aller Kundenausleihungen sind hypothekarisch gedeckt, und Wohnliegenschaften sind im Schnitt zu lediglich 60 Prozent belehnt. Effektiv ist dieser Satz laut Hutter noch etwas tiefer, weil die Immobilien laufend an Wert gewonnen haben.

Konkret sind die Eigenheimpreise im Thurgau in den vergangenen fünf Jahren um 14 Prozent gestiegen und innert zehn Jahren um 33 Prozent, dies jeweils im Gleichschritt mit der landesweiten Entwicklung. Aber, so sagt Koller:

«Blickt man 20 Jahre zurück, liegt der Thurgau bei den Preisen noch um einen Drittel unter dem Schweizer Schnitt.»

Um den Thurgauer Immobilienmarkt macht sich Koller «null Sorgen», und er stelle «keine Überhitzung» fest.

Thomas Koller, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Thurgauer Kantonalbank, präsentiert die Semesterzahlen.

Thomas Koller, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Thurgauer Kantonalbank, präsentiert die Semesterzahlen.

Bild: PD (Weinfelden, 18. August 2022)

Den Semestergewinn hat die TKB trotz aller Turbulenzen um 1,5 Prozent oder eine Million auf gut 75 Millionen Franken erhöht. Wie es ihrem vorsichtigen Naturell entspricht, stapelt sie für das ganze Jahr tief und rechnet mit einem Ergebnis unter Vorjahr, dies trotz der Aufhellung an der Zinsfront und der Tatsache, dass sich die Börsen seit Mitte Juni von ihrem Tief gelöst haben. Allerdings bleibt die Ungewissheit hoch.

Rückzahlung von Covid-19-Krediten als Herausforderung

Kommenden Winter wird die umgebaute Filiale Bischofszell wieder eröffnet, in Planung sind Umbauten der Geschäftsstellen Affeltrangen und Aadorf zu Beratungsbanken. Parallel dazu wird die Digitalisierung vorangetrieben, so etwa mit der E-Hypothek. Oder mit Robotertechnologie zur Abwicklung von Standardprozessen wie etwa der Fristverlängerung bei Steuererklärungen.

An Covid-19-Krediten hat die TKB 2020 deren 1500 im Umfang von 160 Millionen Franken vergeben. Davon sind inzwischen 70 Millionen zurückbezahlt. Ab Herbst soll es mit der Amortisation über die nächsten Jahre vorwärtsgehen. Bisher sind die Ausfälle laut Koller «sehr tief», doch:

«In einzelnen Branchen wie Gastro­nomie oder Events dürfte die Rückzahlung herausfordernd werden.»

Gut für die Bank: Für diese Kredite bürgt der Bund.