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OSTSCHWEIZ: USA lassen Nüssli im Stich

Der amerikanische Pavillon an der Mailänder Weltausstellung war ein Renner. Doch die Rechnung in Höhe von gut 15 Millionen Franken ist noch immer offen. Jetzt ist die Auftraggeberfirma auch noch pleite.
Stefan Borkert
Präsidentengattin Michelle Obama (Mitte) hat sich gerne vor und im US-Pavillon an der Expo in Mailand ablichten lassen. (Bild: Antonia Calanni/AP (Mailand, 18. Juni 2015))

Präsidentengattin Michelle Obama (Mitte) hat sich gerne vor und im US-Pavillon an der Expo in Mailand ablichten lassen. (Bild: Antonia Calanni/AP (Mailand, 18. Juni 2015))

Stefan Borkert

Die Hüttwiler Firma Nüssli ist in der ganzen Welt bekannt für ihre temporären Bauten, für ihre Zuverlässigkeit und Qualität. Das haben auch die USA vor zwei Jahren hochgelobt und schätzen gelernt. Nüssli hat den viel beachteten US-Pavillon an der Weltausstellung in Mailand gebaut. Doch auf die vorher ungetrübte Zusammenarbeit ist ein dunkler Schatten gefallen. Die Rechnung in Höhe von gut 15 Millionen Franken ist noch nicht bezahlt. Eigentlich wollte Nüssli, die Bezahlung noch vor dem Regierungswechsel hin zu Donald Trump über die Bühne bringen. Trotz des Einsatzes der Obama-Regierung, allen voran der damalige US-Aussenminister John Kerry, schlug das Vorhaben fehl und Nüssli sitzt immer noch auf einer unbezahlten Rechnung.

15 Millionen Franken sind für ein KMU mit 450 Mitarbeitern und einem kolportierten Umsatz von gegen 160 Millionen Franken kein Pappenstiel. Interventionen von Bundesrat Johann Schneider-Ammann blieben bislang ebenso erfolglos wie Anstrengungen der US-Botschaft in Bern. Und jetzt ist auch noch die auftraggebende Firma Friends of the U.S. Pavilion Milano 2015 Inc. pleite gegangen. Bei Gläubigern steht sie mit mehr als 28 Millionen Dollar in der Kreide. Nüssli ist der grösste Gläubiger. Nüssli-Vertreter bestätigen die Zahlen und den angemeldeten Konkurs im US-Bundesstaat Delaware. «Ja, die Nüssli Group beziehungsweise ihre Tochtergesellschaft in Italien ist die grösste Gläubigerin», heisst es bei Nüssli.

US-Regierung soll für Bezahlung sorgen

Und weiter sagt ein Nüssli-Sprecher: «Nach Meinung von Nüssli ist es die Pflicht der amerikanischen Regierung, dafür zu sorgen, dass die Ansprüche der Gläubiger vollumfänglich befriedigt werden können.»

Denn die US-Regierung habe sehr eng mit der Firma Friends oft he U.S. Pavilion Inc. zusammengearbeitet. Sie habe die Plattform, die der Pavillon bot, für sich genutzt und habe gewusst, wie es um die Firma stand. Die Hoffnung auf eine Begleichung der Rechnung, auch unter der Trump-Regierung, hat man bei Nüssli noch nicht aufgegeben: «Vertreter der Regierung und Administration Obama und der jetzigen Regierung haben verschiedentlich schriftlich zugesichert, sie würden sich dafür engagieren, dass die Forderungen von Nüssli beglichen werden», beantwortet Nüssli eine entsprechende Anfrage. Und der Nüssli-Sprecher sagt desillusioniert: «Die Amerikaner sind keine schlechten Kunden. Die Regierung von Präsident Obama war bloss ein schlechter Zahler. Der damalige Aussenminister John Kerry und First Lady Michelle Obama benutzten den von uns gebauten Pavillon in Milano zwar gerne als Plattform, um sich zu präsentieren. Aber als es ums Zahlen ging, liess John Kerry uns im Stich.»

Bei Nüssli hat man die Hoffnung auf Begleichung der Rechnung noch nicht aufgeben. «Wir sind überzeugt, dass die jetzige US-Regierung im Gegensatz zur vorherigen ihre Verantwortung wahrnehmen wird», heisst es bei dem Unternehmen. Die Auftraggeberin beim Bau des Pavillons, die Friends of the U.S. Pavilion Milano 2015 Inc., habe schliesslich eng mit dem US-Aussenministerium zusammengearbeitet. Und sollte alles nichts nützen, ist man im Nüssli-Hauptquartier in Hüttwilen bereit, auch vor Gericht zu ziehen. «Andernfalls werden wir den Rechtsweg bestreiten. Denn von keiner Seite ist bestritten, dass unsere Forderungen gerechtfertigt sind.» Noch stehe man aber in intensivem Kontakt mit dem neuen amerikanischen Aussenminister Rex Tillerson.

Dabei wird Nüssli auch von Bundesrat Johann Schneider-Ammann tatkräftig unterstützt. Dessen Sprecherin Irene Harnischberg sagte, dass Bundesrat Schneider-Ammann das Thema Nüssli auch beim jüngsten Treffen mit dem US-Handelsminister Wilbur Ross angesprochen habe. Ausserdem habe Schneider-Ammann schon mehrfach schriftlich interveniert, sowohl bei der neuen als auch bei der früheren Administration.

Im Kongress abgeblitzt

Warum die Situation so verfahren ist, erklärt schliesslich die US-Botschaft in Bern. Dem State ­Departement, also Aussenministerium, sei es gesetzlich nicht ­erlaubt, Bundesgelder für US-Pavillons auszugeben. Deshalb sei 2014 die Firma Friends of the U.S. Pavilion Milano 2015 Inc. gegründet worden. Diese zeichne allein verantwortlich für alle finanziellen Angelegenheiten des US-Pavillons an der Expo 2015. Das State Departement sei nicht Teil des Vertrags. Unglücklicherweise hätte die Firma nicht genug Spenden sammeln können, um ihren finanziellen Verpflichtungen nachzukommen. Das Aussen­ministerium habe verschiedene Anstrengungen unternommen, um Abhilfe zu schaffen. Unter anderem habe man beim Kongress den Antrag gestellt, dass das State Departement ausnahmsweise finanziell einspringen kann. Diese Autorisierung sei aber abgelehnt worden, bedauert die US-Botschaft in Bern. Der US-Pavillon sei nun selbst Teil der Liquidation der Friends of the U.S. Pavilion Milano 2015 Inc.

Wechsel in der Nüssli-Geschäftsleitung

Der Vorgang wird die Nüssli Group noch eine Zeit lang begleiten und damit auch den neuen Chef. Gestern hat Nüssli einen Wechsel in der Geschäftsleitung bekanntgegeben. Winfried Schaller übernimmt die Geschäftsführung vom bisherigen Nüssli-Chef Martin Messmer, der Nüssli durch schweres Wetter in ruhigere See gesteuert hat. Mit den USA jedenfalls will Nüssli weiter Geschäfte machen. Ein Nüssli-Sprecher sagt: «Wir bleiben in den USA aktiv. Sie sind ein sehr guter Markt für Temporärbauten.»

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