OSTSCHWEIZ: St.Gallisch-Appenzellische Kraftwerke unter Druck

Der schwierige Strommarkt zwingt die St.Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke (SAK) zur Entwicklung und Öffnung. Der Stromversorger wird zum Anbieter alternativer Energielösungen und redet auch bei der Kommunikation mit.

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Der Strommarkt ist umkämpft. (Bild: Urs Jaudas)

Der Strommarkt ist umkämpft. (Bild: Urs Jaudas)

"Die Zeiten der Strombarone sind vorbei", sagte Benedikt Würth, Präsident des SAK-Verwaltungsrats und Regierungsrat des Kantons St.Gallen, am Freitag vor den Medien. Weil der Strommarkt stark im Umbruch sei, müssten sich die Energie-Unternehmen mit Service-Public-Auftrag nicht nur um die Versorgungssicherheit kümmern, sondern auch neue Geschäftsfelder erschliessen.

In den vergangenen zehn Jahren habe die 102-jährige SAK stark diversifiziert, sagte Geschäftsführer Stefano Garbin. Der Energieversorger gründete zusammen mit andern Gemeinden eine Beschaffungsplattform, die den Strom dank mehr Marktmacht günstiger einkaufen könne. Dies sei auch der Grund, weshalb der Umsatz auf 211,7 Mio. Franken (Vorjahr 236,9 Mio. Fr.) zurückging.

Durch die Beteiligung an oder den Kauf von Unternehmen habe die SAK technologisch grosse Fortschritte gemacht und die Voraussetzung für alternative Energieproduktionen geschaffen. Zudem stosse die SAK in neue Geschäftsfelder vor, etwa in der Kommunikation. Derzeit baut die SAK in der Stadt St.Gallen in Kooperation mit der Swisscom ein eigenes Glasfasernetz und plant ein Angebot für Elektro-Mobilität. In Gais baut die SAK ein Rechenzentrum.

Energiewende braucht Innovation
"Die Energiewende kommt sowieso", sagte Würth. Die SAK wolle deshalb das innovativste Energie-Unternehmen in der Ostschweiz werden und gehe Kooperationen ein, um Grossprojekte zu realisieren. Die Produktion von alternativen Energien sei teuer und die Planung neuer Kraftwerke oft mit Rückschlägen verbunden. Das grösste Solarprojekt der Schweiz, welches die SAK zusammen mit den Elektrizitätswerken des Kantons Zürich (EKZ) in einem ehemalige Steinbruch am Walensee getestet hatte, wurde auf Eis gelegt.
Die Produktion von Windenergie sei wegen der Topografie in der kleinräumigen Schweiz schwierig. Zudem gebe es Probleme, weil die 200 Meter hohen Windräder Vögel und Fledermäuse gefährden, sagte Garbin. Trotzdem plant die SAK im Linthgebiet zusammen mit Partnern das Projekt "Linth Wind" .

Grosses Potential sieht die SAK in der dezentralen Energieversorgung. "Unsere Kunden sollen ihre Energie in Zukunft selber produzieren, zum Beispiel mit Photovoltaik oder Wärmepumpen. Wir beraten sie dabei", sagte Garbin.

Politische Entflechtung
Bisher stand ein St.Galler Regierungsmitglied von Amtes wegen dem SAK-Verwaltungsrat vor. Im Zug der politischen Entflechtung (Public Corporate Governance) übergibt Benedikt Würth das VR-Präsidium an Walter Vogel. Die jeweiligen Vorsteher des Baudepartements und des Volkswirtschaftsdepartements werden normale Verwaltungsratsmitglieder.

Vogel verfüge über grosse Führungserfahrung in verschiedenen Industrie− und Technologiebranchen, sagte Würth. Der Maschineningenieur aus Maienfeld war aus über 100 Bewerbern ausgewählt worden und sitzt seit einem Jahr im Verwaltungsrat. Er ist auch Verwaltungsratspräsident von Skyguide und der Aebi-Schmidt-Gruppe.

Konkurrenz zu Axpo
Auch das Verhältnis zur Axpo soll entflochten werden. Wie bei den andern Axpo-Kantonen sitzen Vertreter der St.Galler Regierung gleichzeitig im Axpo-Verwaltungsrat und dem Verwaltungsrat der SAK. Wegen der Entwicklung des Strommarktes seien die beiden Energieunternehmen zu Konkurrenten geworden. "Früher war die Axpo unser Stromlieferant, heute kaufen wir die Energie zusammen mit den Gemeinden über die neue Beschaffungsplattform ein", sagte Würth.

Die SAK ist der grösste Energieversorger in der Ostschweiz und beliefert rund eine halbe Million Menschen mit Strom. Das Unternehmen beschäftigt 330 Mitarbeitende. Im Geschäftsjahr 2015/2016 erwirtschaftete die SAK einen Gewinn von 13,9 Mio. Franken (Vorjahr 13 Mio. Franken). (sda)