Edelweiss Fenster gibt der Ostschweiz den Vorzug vor Osteuropa

Statt ins Ausland auszulagern, investiert der Wiler Fensterbauer Edelweiss sechs Millionen Franken in eine Produktionsanlage im Hinterthurgau.

Marco Cappellari
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Blickt mit Zuversicht in die Zukunft: Für Edelweiss-Chef Walter Koller überwiegen die Vorteile des Produktionsstandorts Schweiz gegenüber dem Ausland. (Bild: Benjamin Manser (Wil, 29. Juli 2019))

Blickt mit Zuversicht in die Zukunft: Für Edelweiss-Chef Walter Koller überwiegen die Vorteile des Produktionsstandorts Schweiz gegenüber dem Ausland. (Bild: Benjamin Manser (Wil, 29. Juli 2019))

100 Meter lang, 25 Meter breit und zwei Stockwerke hoch soll sie werden, die «modernste und schnellste Kunststoff­fenster-Herstellungsanlage der Schweiz». Diese wird von der Wiler Firma Edelweiss Fenster AG im Norden der Gemeinde Münchwilen gebaut; Spatenstich des 6 Millionen Franken teuren Projekts war am 26. Juni.

Dass ein Schweizer Fensterhersteller in eine Produktion in der Ostschweiz investiert, ist nicht selbstverständlich. Ausgelöst durch den Frankenschock von Anfang 2015, stiessen zunehmend europäische Produzenten in den Schweizer Markt, was die Preise in der Branche drückte. Die Arbonia-Tochter Ego Kiefer etwa beschleunigte dadurch die Auslagerung ihrer Fensterproduktion von Altstätten und Villeneuve im Waadtland in die Slowakei und den Osten Deutschlands. 250 Arbeitsplätze kostete das hierzulande.

Ein Fünftel mehr Beschäftigte

Auslagern sei für ihn nie in Frage gekommen, sagt Walter Koller. Im Gegenteil: «Wir sind im Wachstum», sagt der Geschäftsführer von Edelweiss. Der neue Produktionsstandort in Münchwilen schafft ausserdem ein halbes Dutzend neue Stellen. Das klingt erst mal nicht nach viel, bei einem KMU wie Edelweiss mit 32 Festangestellten sind das aber immerhin auf einen Schlag fast 20 Prozent mehr Mitarbeitende.

Auch wenn sein Geschäft wächst, muss Koller sich in einem schwierigen Marktumfeld behaupten. Wäre es nicht naheliegender, die Fensterproduktion nach Osteuropa auszulagern, wo die Lohnkosten um ein Vielfaches tiefer sind als in der Schweiz? Koller verneint. «Heute spielt es keine Rolle mehr, wo eine Produktion steht», zeigt er sich überzeugt.

Vernachlässigbare Lohneinsparungen

Grund dafür sind die enormen Veränderungen in der Automation der letzten Jahre. «Die ganze Produktionsanlage in Münchwilen kann von lediglich einer Handvoll Mitarbeitender bedient werden.» So seien die Lohneinsparungen, die ein Standort im Ausland mit sich brächte, vernachlässigbar. «Zudem kämen dann höhere Logistikkosten und längere Wartezeiten dazu.»

So sieht Koller die Investition in Münchwilen denn auch nicht als Wagnis, sondern gewissermassen als Selbstverständlichkeit, wie er sagt. «Bereits bei der Gründung der Firma 2010 hatte ich den Plan, hier eine Produktionsstätte aufzubauen.» Einsprachen blockierten das Vorhaben aber für mehrere Jahre, bis das Bundesgericht grünes Licht gab.

Tempo als Trumpf des Unternehmens

Der Entscheid für den Produktionsstandort Schweiz hat auch mit der Strategie des Unternehmens zu tun. Eines der Alleinstellungsmerkmale von Edelweiss ist nämlich das Versprechen, Fenster innert acht Tagen zu liefern. «Mit der neuen Produktion wird sich diese Frist noch weiter verkürzen», sagt Koller. «Edelblitz» nennt er den Express-Service, der rund 30 Prozent seines Umsatzes ausmache. Einerseits sei dies ein Kundenbedürfnis. Es komme immer wieder vor, dass bei laufenden Projekten Änderungen in letzter Minute vorgenommen werden müssen, oder dass bereits produzierte Fenster beschädigt werden. Andererseits lohnt es sich für Koller: «Kunden sind bereit, dafür bis zu 10 Prozent mehr zu zahlen», sagt er. Ausserdem sei das Geld so weniger lange gebunden.

Die neue Produktion entsteht auf dem Gelände des Edelweiss-Gewerbeparks, den Koller 2012 von der Eschler AG gekauft hat. Im Zuge dessen wird das bestehende Lager in Wängi nach Münchwilen verlegt. Daneben besitzt Edelweiss Büro- und Verkaufsniederlassungen in Appenzell, Wattwil und Zürich. Denn über 50 Prozent seiner Kunden kämen aus dem grossen Nachbarkanton, sagt Koller. Der Rest verteile sich auf die Kantone St.Gallen, Thurgau, Schaffhausen und Graubünden. Das Glas liefert der Hersteller Trösch. Der Hauptsitz in Wil liege deshalb ideal, ein Wegzug sei bis auf weiteres nicht geplant.

Pläne für einen Roboter

Die Anlage in Münchwilen wird Kunststofffenster produzieren, die bei Edelweiss 60 Prozent des Umsatzes ausmachen. Trotz Automation müssen die Materialien noch von Hand eingeräumt werden. Doch Koller denkt bereits weiter: «Mein Ziel ist es, einen Roboter einzubauen, der die Materialien komplett selbstständig einräumt.» Der Neubau erleichtere dies. «Hätte ich eine bestehende Produktion automatisieren müssen, hätten sich die Mitarbeitenden wohl gewehrt.»