Ostschweiz gilt als gut versorgt

Einkaufszentren in unserer Region dienen in erster Linie als Nahversorger. Vor allem die Center an einer Grenzlage spüren die Frankenstärke und den Einkaufstourismus. Es gibt aber auch Lichtblicke.

Thomas Griesser Kym
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In der Rangliste der 20 grössten Einkaufszentren der Schweiz findet sich ein Standort in der Ostschweiz: Die Shopping Arena in St. Gallen belegt mit einer Verkaufsfläche von 36 500 m² und einem Umsatz von 227 Mio. Fr. jeweils Platz acht. Der Rheinpark in St. Margrethen als regionale Nummer zwei hat 20 775 m², der Pizolpark in Mels 15 327 m². «Die Dimensionen der Einkaufszentren in der Ostschweiz entsprechen deren Marktpotenzial.» Das sagt Marcel Stoffel, der zehn Jahre lang das Glattzentrum geleitet hat. Für Center über 40 000 m² sieht Stoffel in unserer Region kaum Bedarf – zumal auch viele Ostschweizer gerne in den Dornbirner Messepark oder ins Konstanzer Lago fahren, um ennet der Grenze günstiger einzukaufen. Und auch das Glattzentrum vor den Toren Zürichs sei von der Ostschweiz aus gut erreichbar.

Funktion als Nahversorger

Stoffel sieht denn auch nur begrenztes Potenzial zum Ausbau von Einkaufszentren in der Region zu Freizeit- und Erlebniszentren. «Die meisten Einkaufszentren in der Ostschweiz haben die Funktion eines Nahversorgers, wo das rationale Einkaufen im Vordergrund steht.»

Das gilt selbst für die Shopping Arena. Diese bietet zwar auch Unterhaltung an, und Centerleiter Marc Schäfer sagt, «wir machen uns Gedanken über die eine oder andere Idee». Wichtiger aber sei es, die Aufenthaltsqualität für die Kunden zu steigern. Schäfer zählt dazu Sitzmöglichkeiten, Beleuchtung, Bepflanzung, Gastronomie und eine bessere Anbindung ans Westcenter. Kinos oder Wellnessangebote zu integrieren, komme dagegen weniger in Frage, sagt Schäfer und verweist auf das nahe Umfeld etwa mit dem Cinedome oder dem Säntispark.

Hoffen auf Weihnachten

Über das laufende Geschäft sagt Schäfer, die Shopping Arena liege dieses Jahr bezüglich Kundenfrequenzen und Umsatz «ein paar Prozent» unter dem Vorjahr. Als Gründe nennt er die Frankenstärke, Einkaufstourismus, Umbauten sowie den heissen, trockenen Sommer, der viele Menschen eher in die Badi gezogen habe als ins Einkaufszentrum. Für das wichtige Weihnachtsgeschäft aber ist Schäfer «positiv gestimmt», und er äussert die Hoffnung, «einen Grossteil des Rückstandes aufholen zu können». Nachdem sich der Euro etwas erholt habe, seien im September und wohl auch im Oktober die Umsätze im Vorjahresvergleich wieder höher gewesen.

Höherer Druck in Grenznähe

Dennoch: Frankenstärke und Einkaufstourismus spüren auch andere Läden und Einkaufszentren in der Ostschweiz, «vor allem in grenznahen Regionen», wie Heidi Anderes sagt, Sprecherin der hiesigen Verkaufsregion von Coop. Als Beispiel nennt sie die Verkaufsstellen im Einkaufszentrum Karussell in Kreuzlingen und das Haag-Center im Rheintal. Ähnlich äussert sich Andreas Bühler, Sprecher der Migros Ostschweiz. Das laufende Jahr sei «für unsere Einkaufszentren anspruchsvoll», vor allem für jene in Grenznähe. Das gelte beispielsweise für den Rheinpark, der überdies weniger Kunden aus Vorarlberg begrüssen könne und stärker unter dem Einkaufstourismus leide als der Pizolpark. Bühler sagt aber auch, dass man bei Kleidern die Folgen des Einkaufstourismus deutlich stärker spüre als bei Lebensmitteln, und bei Kunden aus Vorarlberg seien beliebte Waren wie Brot, Kaffee, Schoggi und Schweizer Fleisch auch weiterhin sehr gefragt.

Kampf um Marktanteile

Insgesamt sieht Experte Marcel Stoffel den Bedarf an Verkaufsfläche im Detailhandel als gedeckt. Wachsen kann man im weitgehend gesättigten Markt praktisch nur, wenn man Mitbewerbern Marktanteile abjagt. Ein Beispiel für ein solchen Unterfangen zeigt sich in Frauenfeld. Dort kämpft das Einkaufszentrum Passage mit der Migros um Kunden, neuerdings auch gegen das Allmend Center mit Coop, das vergangenen Februar eröffnet worden ist. Und in Sirnach im Gewerbegebiet Ebnet ist ein Einkaufszentrum mit 18 000 m² Verkaufsfläche geplant.