Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Neuer Tourismusdirektor bringt Österreichischen Spirit ins Engadin

Vor zwei Jahren wurde der Tiroler Gerhard Walter Tourismuschef in St. Moritz und hat der Region neues Leben eingehaucht. Er hat es geschafft, die touristischen Dienstleister, lokale Bevölkerung sowie Gäste ins gleiche Boot zu holen.
Robert Wildi
Zuschauer während des bekannten und traditionellen «White Turf»- Pferderennens auf dem zugefrorenen St. Moritzersee, welches jedes Jahr im Februar stattfindet. (Bild: Giancarlo Cattaneo/Keystone (4. Februar 2018))

Zuschauer während des bekannten und traditionellen «White Turf»- Pferderennens auf dem zugefrorenen St. Moritzersee, welches jedes Jahr im Februar stattfindet. (Bild: Giancarlo Cattaneo/Keystone (4. Februar 2018))

Als der internationale Jetset die Luxusbetten Jahr für Jahr noch praktisch im Alleingang ausbuchte, war St. Moritz ein Selbstläufer. Der Rubel rollte, was die Hoteliers auch über Exzesse bei Champagnerpartys und den damit verbundenen Imageverlust des Ortes hinwegsehen liess. Es kamen die grosse Finanzkrise vor zehn Jahren und ein krachender Gästeeinbruch. Währungsprobleme kamen hinzu, und es folgte, wie für viele alpine Destinationen in der Schweiz, ein Abstieg in Raten.

Dann holte St. Moritz 2017 die Ski-WM zu sich und konnte sich endlich wiedermal von seiner Schokoladenseite präsentieren. Der Grossevent war gleichzeitig die Abschiedsvorstellung der Tourismusdirektorin Ariane Ehrat, die sich der Krisendekade mit viel Umtriebigkeit entgegengestemmt, jedoch nur bedingt re­üssiert hatte. Auf Ehrat folgte per 1. Mai 2017 der Tiroler Gerhard Walter als Chef der Engadin St. Moritz Tourismus AG. Ein Österreicher also überquerte die Grenze in entgegengesetzter Richtung zu Tausenden Schweizer Skitouristen, die sich vom Charme und von günstigeren Preisen der östlichen Nachbarn hatten einlullen lassen.

Gäste- und Umsatzplus von bis zu 8 Prozent

«Die Aufgabe, einer Weltmarke wie St. Moritz aus der touristischen Talsohle zu helfen, reizte mich enorm», sagt Walter, der Tourismusdirektor in Lech-Zürs und Kitzbühel war. Kürzlich hat er vor den Medien Zwischenbilanz gezogen: ein Gäste- und Umsatzplus von 5 bis 8 Prozent im Kalenderjahr 2018 für die gesamte Region St. Moritz/Engadin sowie eine ebenfalls positive Prognose (aktuell +1,5 Prozent) für die Anfang Mai zu Ende gehende Wintersaison 2018/19. Das neu lancierte Tarifmodell der lokalen Bergbahnen mit variierenden Ticketpreisen je nach Buchungszeitpunkt habe voll eingeschlagen. «Wir haben die Frequenzen erhöhen können, ohne beim durchschnittlichen Skiticketpreis Einbussen zu erleiden.»

Ein Österreicher Wunder für St. Moritz? Walter winkt ab. «Wir vollziehen hier keine Wunder, sondern arbeiten hart für den Erfolg.» Die Leistung seiner Vorgängerin in konjunkturell schwierigen Zeiten sei in keiner Weise zu kritisieren. Trotzdem hatte er vom ersten Tag an klare Vorstellungen, welche Veränderungen er vor Ort herbeiführen wolle. «Mir fiel auf, dass Kommunikation und Teamspirit zwischen den Leistungsträgern wie Bergbahnen, Hotels, Skischulen etc. noch viel Potenzial nach oben haben.» Eine Destination ohne einheitliche Strategie könne nicht funktionieren.

Walter führte im Herbst 2017 den sogenannten Open-Innovation-Ansatz, holte Verwaltungsräte und CEO aller wichtigen Leistungsträger an einen Tisch, organisierte Workshops für Mitarbeitende von Hotels, Bergbahnen, Skischulen, Gastrobetrieben und lancierte eine Onlineplattform für den Austausch mit der lokalen Bevölkerung. «Das Aufkeimen einer neuen Destinationsdynamik war rasch zu spüren, Vorschläge und Anregungen für die touristische Entwicklung der Region erreichten uns von ­allen Ebenen.» Selbst Heimweh-Engadiner mit Wohnsitz in den USA oder Asien beteiligten sich an der Debatte. Aus dem Ideenwettbewerb gingen neben dem Basiskonzept für das neue Bergbahnpreismodell viele weitere Inputs hervor, die vor Ort nach Möglichkeit umgesetzt werden.

Originale brauchen keine Vorbilder

Wesentlich war laut Walter auch die nun vollzogene Markentrennung von «St. Moritz» und «Engadin». St. Moritz stehe, auf ­einen Begriff zusammengefasst, tendenziell für «Extravaganz», Engadin eher für «Sehnsucht» oder «Entschleunigung». Also doch eine Art «Reset» und Neuanfang, den Gerhard Walter nach dem österreichischen Vorbild vollzogen hat? «St. Moritz und das Engadin brauchen keine Vorbilder, sie sind waschechte Originale», entgegnet er. Natürlich habe man im Blickfeld, was die Mitbewerber machen. Von Kopieren könne und dürfe jedoch nie die Rede sein, so Walter.

Neben den stärker wiederkehrenden Deutschen rücken auch österreichische Gäste wieder in den Fokus. «Warum sollen Schweizer nur nach Österreich fahren? Erstens ist der umgekehrte Weg genau so attraktiv, zweitens sind die Preise für Bergbahntickets und Hotelübernachtungen mittlerweile identisch», sagt Walter.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.