Orakel von Omaha wird 85

Warren Buffett ist der erfolgreichste Investor der vergangenen Jahrzehnte. Er hat unter Anlegern längst Kultstatus. Buffett zieht langfristige Anlagen kurzfristigen vor – meist mit Erfolg. Am Sonntag feiert er seinen 85. Geburtstag.

John Dyer
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Warren Buffett mit Cowboyhut: Der Milliardär gibt sich gerne rustikal. (Bild: epa/Larry W. Smith)

Warren Buffett mit Cowboyhut: Der Milliardär gibt sich gerne rustikal. (Bild: epa/Larry W. Smith)

BOSTON. Nichts kann Warren Buffett bremsen. Nicht einmal sein Alter. Am Sonntag wird das Vorbild vieler Investoren 85 Jahre alt. Trotzdem denkt er nicht daran, kürzerzutreten. Im Gegenteil: Der Mann aus Nebraska ist gerade dabei, das grösste Geschäft seines Lebens abzuschliessen.

Buffetts Firma Berkshire Hathaway will für 30 Mrd. $ Precision Castparts kaufen, einen in Oregon ansässigen Hersteller von Teilen für die Luftfahrtindustrie und Hochleistungsmaschinen. Die Aktionäre werden dem Abschluss wohl zustimmen. Mit der Transaktion würde Berkshire seinen bisher grössten Kauf von BNSF Railway vor zwei Jahren für 26 Mrd. $ übertreffen.

Bodenständig, geradlinig

Warren Buffett wird gern das Orakel von Omaha genannt. Zum einen, weil er in Nebraska wohnt, zum anderen wegen seiner, für den Bundesstaat üblichen geradlinigen, fast bodenständigen Art, Geschäfte zu machen. Er ist einer der reichsten Männer der Welt mit einem Vermögen von mehr als 66,5 Mrd. $, wie das Magazin Forbes berichtet.

Das Geschäft mit der Eisenbahn und jetzt mit dem Hersteller von Präzisionsteilen sind klassische Buffett-Aufkäufe. Er liebt die weniger glamourösen Firmen, die grosse Gewinne machen, aber es vermeiden, im trendigen Silicon Valley präsent zu sein. Das Silicon Valley mit seiner Hochtechnologie sei für ihn eine fremde Welt, gab Buffett einmal zu verstehen. Der Grossinvestor und sein Team ziehen solide Firmen mit ebenso solider Technik – in den USA «nuts-and-bolts» (Nieten und Bolzen) genannt – den Dividenden bringenden Aktienanlagen vor. Er kauft Aktien, um sie lange zu halten. Anteile bei Investmentbanken wie Goldman Sachs hat er abgezogen.

Kritik an Wall Street

«Familien, die erfolgreiche Unternehmen besitzen, haben bei Verkaufsgedanken viele Möglichkeiten», schrieb Buffett im Februar im Jahresbrief an seine Investoren. «Häufig ist es das Beste, gar nichts zu tun.» Schliesslich gebe es Schlimmeres, als eine rentable Firma zu besitzen, die man gut kennt. Dagegen wolle man an der Wall Street nicht abwarten. Buffett: «Fragen Sie niemals ihren Coiffeur, ob sie einen Haarschnitt brauchen.»

Beim Kaufangebot für Precision Castparts hat sich Buffett an seine eigenen Regeln gehalten. Andere waren gegenteiliger Meinung. So schrieb Hedge-Fonds-Manager Jeff Matthews von Ram Partners: «Ich bin doch nicht verrückt und zahle 30 Milliarden für Gewinne von 1,5 Milliarden für eine konjunkturabhängige Firma, die Flugzeugbauern zuliefert.» Der Autor des Buches über Buffett «Offene Geheimnisse» fügte hinzu: «Ich würde die 30 Milliarden zurückhalten und auf die nächste Krise warten.»

Warren Buffett wies den Hinweis auf die Konjunkturabhängigkeit zurück. «Aus gutem Grund ist das die erste Wahl unter den Zulieferern der weltweiten Luftfahrtindustrie, einem der grössten amerikanischen Exportbereiche», sagte Buffett über Precision Castparts. «Wir werden die nächsten hundert Jahre im Geschäft bleiben. Da spielt es nicht wirklich eine Rolle, wie es im nächsten Jahr um Öl oder Benzin steht.»

Für das Orakel aus Omaha gibt es manchmal auch andere Entscheidungsgründe als nur die Geschäftszahlen. So erzählte Buffett dem «Wall Street Journal», er habe nach einem halbstündigen Gespräch mit dem Chef der Firma, Mark Donegan, sein Kaufangebot auf den Tisch gelegt. «Der Junge ist phantastisch. Er liebt seine Firma wie ich Berkshire. Und das sagt viel aus.»

In der Vergangenheit hatte Buffett mit seiner Art immer Erfolg, etwa beim Kauf von Ketchup-Hersteller Heinz vor zwei Jahren für 9,5 Mrd. $. Nachdem Heinz nun den Giganten Kraft gekauft hat, ist der Wert des Berkshire-Anteils auf 25,5 Mrd. gestiegen.

Ein paar kleine Käufe

Als Buffett Berkshire 1965 kaufte, war dies eine verlustbringende Textilfirma in Neuengland. Er nutzte den Firmenwert, um ins Versicherungsgeschäft einzusteigen. Heute leitet er mit nur 25 Mitarbeitern ein Geflecht von zahllosen Firmen. Berkshire hat einen Börsenwert von 300 Mrd. $ und Einnahmen von rund 195 Milliarden.

Buffett hat nie an eine Aufteilung von Berkshire gedacht oder Aktien verkauft, deren Einzelwert derzeit auf 215 000 $ beziffert wird. Das sei eine Grundlage für langfristigen Kapitalzuwachs, schrieb er im Februar. Und deshalb will Buffett auch alles behalten. «Und im nächsten halben Jahr ein paar kleine Käufe machen», wie er im Interview mit CNBC kürzlich sagte.