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Frauenfelder Apotheke Zur Rose fährt kräftiges Minus ein – Wachstumsstrategie wird fortgesetzt

Die Zur Rose Group festigt ihre Position als europäische Marktführerin und baut die Digitalisierung weiter aus. In Deutschland setzt die Gruppe auf das elektronische Rezept. Mit dem Wachstum geht jedoch ein hoher Verlust einher.

Stefan Borkert
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Die Frauenfelder Zur Rose Group nimmt für kräftiges Wachstum auch einen hohen Verlust in Kauf.

Die Frauenfelder Zur Rose Group nimmt für kräftiges Wachstum auch einen hohen Verlust in Kauf.

PD

Die Zur-Rose-Gruppe hat 2020 ihre Wachstumsziele zwar übertroffen, allerdings auf Kosten eines satten Verlustes. So sind letztes Jahr etwa die Versandaktivitäten von Apotal sowie die Telemedizinanbieterin TeleClinic übernommen worden. Die Vorbereitungen für die Einführung des elektronischen Rezepts in Deutschland laufen auf Hochtouren, erklärte CEO Walter Oberhänsli bei der Präsentation der Geschäftszahlen. In diesem Zusammenhang startete im Dezember 2020 mit der DocMorris-Gesundheitsplattform ein neues Geschäftsmodell. In der Schweiz gründete Zur Rose zusammen mit den Versicherungspartnern Allianz Care, CSS und Visana ein gemeinsames Unternehmen zum Betrieb einer umfassenden digitalen Gesundheitsplattform, die noch dieses Jahr aktiv werden wird.

Walter Oberhänsli, CEO Zur Rose, Frauenfeld.

Walter Oberhänsli, CEO Zur Rose, Frauenfeld.

Andrea Stalder

Fast 136 Millionen Verlust

Das Wachstum hat aber seinen Preis. Insgesamt 388 Millionen Franken Kapital hat das Unternehmen für Wachstumsinitiativen eingesammelt. Die Gruppe erzielte so eine Umsatzsteigerung von 14,4 Prozent auf 1,75 Milliarden Franken. Weiter heisst es in einer Mitteilung, dass die Anzahl aktiver Kunden sich 2020 im Vergleich zum Vorjahr um über 50 Prozent auf 10,5 Millionen erhöht habe. Allerdings steht dem ein operativer Verlust in Höhe von 78,4 Millionen Franken und unterm Strich ein Verlust von fast 136 Millionen Franken gegenüber. 2019 betrug der Verlust noch 52,4 Millionen Franken.

Mittelfristig 4 Milliarden Franken Umsatz

CEO Oberhänsli geht davon aus, dass gerade die verpflichtende Einführung des elektronischen Rezepts in Deutschland den Umsatz von Zur Rose befeuert. Er rechnet damit, dass in drei bis fünf Jahren allein in Deutschland beim elektronischen Rezept ein Niveau von rund 10 Prozent erreicht werden kann. Die Zur-Rose-Gruppe erwarte schon zu Beginn dieses mittelfristigen Zeithorizonts, die Umsatzschwelle von 4 Milliarden Franken zu überschreiten.

Dabei helfen soll auch der Wandel von der Versandapotheke hin zu einem europaweiten digitalen Gesundheitsökosystem unter der Dachmarke DocMorris. Dafür ist Zur Rose zu weiteren Kooperationen und Akquisitionen mit Anbietern von Gesundheitsdienstleistungen bereit. Wie Oberhänsli weiter ausführt, soll auch das Shop-in-Shop-Konzept zusammen mit der Migros-Tochter Medbase weiter ausgebaut werden.

Andréa Belliger in den Verwaltungsrat

Andréa Belliger, Prorektorin der Pädagogischen Hochschule Luzern und Direktorin am Institut für Kommunikation und Führung (IKF) in Luzern, soll neue Verwaltungsrätin bei Zur Rose werden.

Andréa Belliger, Prorektorin der Pädagogischen Hochschule Luzern und Direktorin am Institut für Kommunikation und Führung (IKF) in Luzern, soll neue Verwaltungsrätin bei Zur Rose werden.

Pius Amrein

Schliesslich wird ein Posten im Verwaltungsrat neu besetzt. Tobias Hartmann wird sich nicht mehr zur Wiederwahl stellen. Der Verwaltungsrat schlägt deshalb Andréa Belliger der Generalversammlung Ende April zur Wahl vor. Belliger ist Prorektorin der Pädagogischen Hochschule Luzern und Direktorin am Institut für Kommunikation und Führung (IKF) in Luzern. Ausserdem ist sie Verwaltungsrätin und Beirätin in verschiedenen Schweizer und deutschen Unternehmen. Und sie ist auch Präsidentin des Advisory Board der Medbase von Migros.

Umsatz und Verlust wachsen

in Millionen Franken
2019 2020 Veränd. in %
Umsatz1568175111,7
Betriebsergebnis–46–118-
Gewinn–52–136-
Investitionen426042,8
Mitarbeiter1710196014,6

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