ONLINEHANDEL: Alibaba nimmt Kurs auf den Westen

Den heimischen Markt hat der chinesische Internetkonzern Alibaba längst erobert. Nun setzt er zum globalen Sprung an und hat vor allem die USA im Visier.

Felix Lee, Peking
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Zwei Mächtige unter sich: US-Präsident Donald Trump empfängt Alibaba-Gründer Jack Ma. (Bild: Drew Angerer/Getty (New York, 9. Januar 2017))

Zwei Mächtige unter sich: US-Präsident Donald Trump empfängt Alibaba-Gründer Jack Ma. (Bild: Drew Angerer/Getty (New York, 9. Januar 2017))

Felix Lee, Peking

1 Mrd. $ Umsatz in kaum fünf Minuten – das dürfte weltweit nur ein Unternehmen schaffen: der chinesische Onlinehändler Alibaba. Vergangenes Jahr am 11. November war das. Wegen der vielen Einsen hatte der Konzern den Tag zum «Single Day» ausgerufen und lockte mit Rabatten 100 Mio. kaufwütige Chinesen auf seine Plattformen. Innert 24 Stunden gingen Waren für über 17 Mrd. $ über die Online-Ladentheke. Unter anderem mit diesen Erlösen geht Alibaba nun selbst auf Einkaufstour.

Alibabas Finanztochter Ant Financial steht kurz davor, den US-Zahlungsabwickler Money Gram zu übernehmen. Mit dem Gebot von 1,2 Mrd. $ hat Alibaba den US-Konkurrenten Euronet Worldwide ausgestochen. Der Verwaltungsrat von Money Gram hat dem Angebot zugestimmt. Derzeit prüft die in den USA für ausländische Investitionen zuständige Regulierungsbehörde CFIUS die Übernahme.

Alibaba will schon seit einiger Zeit auf dem heiss umkämpften Markt im US-Onlinehandel Fuss fassen. Dem chinesischen Unternehmen fehlte bisher jedoch ein eigener Bezahldienst. Ganz anders in der Heimat: Mit Alipay hat Ant Financial ein digitales Bezahlsystem in China etabliert, das bereits von über 500 Mio. Kunden genutzt wird. In Peking haben viele Leute schon gar kein Bargeld mehr dabei. Denn selbst in herkömmlichen Geschäften genügt es, einen Strichcode mit der Alipay-App auf dem Smartphone zu scannen – fertig.

Einstieg im deutschen Markt

Auch nach Europa will Alibaba mit seinem Bezahlsystem expandieren, verfolgt aber eine etwas andere Strategie: In Deutschland lässt sich seit April in sämtlichen Rossmann-Filialen mit Alipay bezahlen. Vorerst richtet sich dieser Service an chinesische Touristen, die auf Reisen in Deutschland gerne Pflegeprodukte kaufen. Doch sobald genügend andere Geschäfte mitmachen, soll der Bezahldienst auch deutschen Kunden angeboten werden. So ist Alibaba auch in Japan und Südkorea vorgegangen. Alibaba selbst ist in China mit seinen Diensten wie Taobao und Tmall gross geworden. Taobao ist eine Art riesiges Internetwarenhaus für Kleinanbieter. Darauf findet sich so ziemlich jeder Konsumartikel, den es gibt. Tmall bietet Firmenkunden eine Plattform. Mit diesen beiden Handelsplattformen macht Alibaba im Heimatland mehr Umsatz als Amazon und eBay weltweit zusammen.

Mit seiner Kinosparte Alibaba Pictures hat sich Firmengründer Jack Ma letzten Herbst eine Minderheit an der Filmgesellschaft Amblin Partners gesichert, deren Gründer US-Starregisseur Steven Spielberg ist. Dazu zählen auch die Dreamworks-Studios («Shrek», «Kung Fu Panda»).

Sogar in der Politik versucht Ma mitzumischen. Im Handelsstreit zwischen den USA und China stellte er Anfang Jahr an einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump 1 Mio. neue Arbeitsplätze in Amerika in Aussicht. Trump hatte zuvor China vorgeworfen, Arbeitsplätze in den USA zu zerstören, und mit hohen Zöllen auf Importe aus China gedroht. Ma versprach einen besseren Zugang kleiner und mittlerer US-Unternehmen zur Alibaba-Handelsplattform und rechnete vor: Jede Firma würde durch den Ausbau des Geschäfts im Schnitt eine neue Stelle schaffen. Das hörte Trump gerne und sagte, er werde gemeinsam mit Ma «grosse Dinge» vollbringen. Dabei war dies ein geschickter Schachzug Mas, hatte er doch nichts anderes verkündet als die Expansion Alibabas in den USA. Amazon und eBay dürfte das missfallen. Allerdings erfährt Alibaba in den USA bereits seit geraumer Zeit auch Gegenwind. Die Vorgängerregierung unter Barack Obama hatte den Konzern auf eine Liste von Schwarzmärkten gesetzt. Alibabas Tochter Taobao gebe grosse Mengen gefälschter Produkte weiter, lautete der Vorwurf.

Und auch bei der Übernahme Money Grams durch Ant Financial regt sich Widerstand. Kongressabgeordnete fordern eine «vollständige und gründliche» Prüfung der Übernahme, da zu befürchten sei, dass China Zugang zur Finanzinfrastruktur der USA erhalte. Das würde «erhebliche nationale Sicherheitsrisiken mit sich bringen». Tatsächlich hält die chinesische Führung indirekt 15% an Ant Financial.