Online einkaufen, ein Bahnbillett in der SBB-App bezahlen oder ein Mietauto reservieren: Die neue Debitkarte macht möglich, was mit Maestro kein Thema war

Nach und nach lösen die Schweizer Banken die Maestro-Karte durch die neue Debit Mastercard ab. Diese kann fast so viel wie eine Kreditkarte. Auch die St.Galler Kantonalbank ist auf diesen Zug aufgesprungen, die Thurgauer Kantonalbank gesellt sich nächstes Jahr dazu.

Thomas Griesser Kym
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Die neue Debit Mastercard der St.Galler Kantonalbank und die App debiX. Diese dient der Freigabe oder Ablehnung von Onlineeinkäufen.

Die neue Debit Mastercard der St.Galler Kantonalbank und die App debiX. Diese dient der Freigabe oder Ablehnung von Onlineeinkäufen.

Bild: PD

Debitkarten sind beliebt. Über 10 Millionen Stück sind in der Schweiz im Umlauf. Sie sind mit einem Bankkonto verknüpft, und mit der Karte kann der Kunde an Geldautomaten Bargeld beziehen und in Läden bezahlen. Der Betrag wird umgehend dem Bankkonto belastet, dies im Unterschied zur Kreditkarte, mit der man auf Pump einkauft und einmal im Monat eine Rechnung erhält.

Am verbreitetsten in der Schweiz ist Maestro, die Debitkarte von Mastercard. Daneben zirkuliert unter anderem auch V-Pay, das Pendant von Visa, das vor allem bei Raiffeisen und der UBS im Angebot ist. Doch bald ist Schluss mit diesen beiden Debitkarten. Die Banken, der Finanzdienstleister SIX sowie die Kartengesellschaften Mastercard und Visa haben damit begonnen, sie durch neue, leistungsfähigere Debitkarten zu ersetzen.

Einkaufen im Internet und in Apps

Während Visa ab 2021 V-Pay nicht mehr herausgibt und plant, diese durch Visa Debit zu ersetzen, ist Mastercard mit der neuen Debit Mastercard schon weiter. Bei der Regionalbank Valiant und der Freiburger Kantonalbank gibt es sie bereits, und seit 7. Juli auch bei der Grossbank Credit Suisse. Als eines der ersten Institute ist nun auch die St.Galler Kantonalbank (SGKB) auf den Zug aufgesprungen.

Der gegenüber Maestro grösste Vorteil der neuen Debitkarte: Mit ihr kann der Nutzer auch in Onlineshops einkaufen und bezahlen, im Internet ebenso wie in App Stores und in Apps. Sodann kann man sie für Aboservices wie Netflix oder Spotify verwenden, und man kann Hotelzimmer oder Mietautos reservieren, an Mautstellen zahlen usw.

Weltweit akzeptiert und das breiter als Maestro

Damit die Debit Mastercard online einsetzbar ist, muss der Kunde sie einmalig für das Sicherheitsverfahren 3-D Secure registrieren. Mit diesem muss der Kunde in vielen Onlineshops die Zahlung per Mobiltelefon bestätigen.

Hinzu kommt, dass die Debit Mastercard weltweit an praktisch allen Verkaufsstellen akzeptiert ist, an der auch die Mastercard-Kreditkarte funktioniert. Das sind global rund 43 Millionen Verkaufsstellen - und damit 10 Millionen mehr, an denen die Maestro-Karte angenommen wird.

Postfinance ist noch am Sondieren

Die Debit Mastercard lässt sich folglich zum Beispiel auch für Billettkäufe in der SBB-App verwenden. Das ging bisher nur mit Kreditkarten, der Bezahl-App Twint, auf Monatsrechnung oder mit den Debitkarten Postfinance Card und Reka Card, nicht aber mit Maestro und V-Pay.

Postfinance wird ihre Debitkarte, von der drei Millionen Stück im Umlauf sind, weiterhin anbieten. Man beobachte den Markt sehr genau und prüfe laufend, um welche Funktionen die Postfinance Card erweitert werden könnte. Ob Kunden mit ihr später auch in ausländischen Geschäften und Onlineshops zahlen können, ist laut Postfinance-Sprecher Johannes Möri noch nicht entschieden.

Transaktionsgebühr im Ausland kann entfallen

Ein weiterer Unterschied zwischen der alten und der neuen Debitkarte: Mit der Maestro-Karte kosteten Einkäufe im Ausland bisher 1.50 Franken pro Transaktion. Diese Bearbeitungsgebühr fällt mit der Debit Mastercard zum Beispiel bei der Credit Suisse weg, bei der SGKB hingegen bleibt sie.

Je nach Bank kann auch die Jahresgebühr für die Karte steigen. So kostet bei der SGKB die Maestro-Karte 40 Franken im Jahr, die Debit Mastercard indessen 50 Franken (ab 2021). Banksprecher Adrian Kunz sagt:

«Dafür erhält der Kunde auch mehr Leistung.»

Bald auch mit mobilen Bezahlsystemen

Wie mit Maestro kann man auch mit der Debit Mastercard kontaktlos bezahlen, und bis zu einem Einkaufsbetrag von 80 Franken entfällt die Eingabe des PIN-Codes. Prinzipiell unterstützt die Debit Mastercard auch mobile Bezahlsysteme wie Apple Pay, Google Pay oder Samsung Pay. Noch ist es aber nicht so weit. Seitens der SGKB heisst es, «ab 2021» kämen diese Zahlungsmethoden hinzu.

Wichtig zu wissen ist ferner: Es gibt noch wenige Verkaufsstellen, die Maestro akzeptieren, aber keine Kreditkarten. Dort funktionieren die neuen Debitkarten nicht. Die Finanzbranche arbeitet aber daran, diese Lücken zu schliessen. Alternativ kann der Kunde mit Bargeld und oft auch mit Twint zahlen.

Warum eine Kreditkarte trotzdem sinnvoll sein kann

Funktional ist die Debit Mastercard nahezu identisch mit einer Kreditkarte. Aber: Während die Kreditkarte die Teilnahme an einem Bonusprogramm ermöglicht oder bei gewissen Einkäufen oder Buchungen Versicherungsschutz bietet, gibt es solche Zusatzleistungen bei der Debitkarte nicht. Experten empfehlen, gerade bei Auslandreisen zur Sicherheit auch eine Kreditkarte dabei zu haben. Diese hat meist höhere Limiten als eine Debitkarte.

Wie läuft die Ablösung von Maestro durch die Debit Mastercard? Wie den Angaben von Credit Suisse und SGKB zu entnehmen ist, bleiben aktuelle Maestro-Karten bis zum Ende ihres aufgedruckten Ablaufdatums gültig. Danach erhält der Kunde automatisch die neue Debit Mastercard. Wer diese schon früher wünscht, kann sie gegen eine Gebühr von 20 Franken bestellen.

Der Handel drängte, die Banken bremsten

Andere Banken sind ebenfalls daran, die Einführung der Debit Mastercard vorzubereiten. Seitens der Thurgauer Kantonalbank etwa sagt Sprecherin Tina Helfenberger, «die Einführung ist im Verlauf von 2021 geplant».

Dem Wechsel von den alten zu den neuen Debitkarten ist ein längeres Tauziehen zwischen den Banken und dem Handel vorausgegangen. Die Banken hatten es nicht sonderlich pressant, weil sie an Kreditkartenzahlungen mehr verdienen. Die Händler dagegen drängten auf tiefere Gebühren. Und sie sind sehr daran interessiert, dass die Debitkarten als verbreitetste Karten auch für Onlinekäufe geöffnet werden.

Einsatz der neuen Debitkarte im Internet

Wer mit der neuen Debit Mastercard im Internet oder in einer App einkaufen oder seine Kartendaten hinterlegen will, muss laut der SGKB beachten: Wählen Sie bei der Zahlungsart entweder «Debitkarte» oder «Mastercard» (Logo mit dem roten und gelben Kreis). Weil aber internetfähige Debitkarten in der Schweiz ganz neu sind, bieten nur die wenigsten Händler die Zahlungsart «Debitkarten» an. Wählen Sie deshalb «Kreditkarte» aus, die Zahlung wird trotzdem direkt Ihrem Bankkonto belastet. (T.G.)