OMV plant Tauschhandel mit Gasprom

WIEN. Die OMV ist Österreichs grösstes börsennotiertes Unternehmen und das Herz der heimischen Energieversorgung. Der Staat ist mit 31,5% an der OMV beteiligt, mit 25 500 Beschäftigten einer der grössten Arbeitgeber Österreichs.

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WIEN. Die OMV ist Österreichs grösstes börsennotiertes Unternehmen und das Herz der heimischen Energieversorgung. Der Staat ist mit 31,5% an der OMV beteiligt, mit 25 500 Beschäftigten einer der grössten Arbeitgeber Österreichs. Daher sind strategische Entscheide der OMV-Spitze oft auch staatspolitisch bedeutend. Besonders die jüngste Weichenstellung ist heftig umstritten: Der seit einem halben Jahr amtierende deutsche OMV-Chef und frühere BASF-Manager Rainer Seele plant, die OMV eng wie nie zuvor mit Gasprom zu verweben. Der russische Staatskonzern hatte den Österreichern angeboten, 25% des sibirischen Gasfeldes Urengoy zu erwerben, jedoch nicht gegen Bargeld, sondern mit Verkäufen von OMV-Vermögenswerten an die Russen. Die dafür geplante gemeinsame Tochterfirma soll überwiegend in russischer Hand sein. Für das Tauschgeschäft im Gespräch sind die OMV-Raffinerien in Schwechat bei Wien und im bayrischen Burghausen sowie das Leitungsnetz Gas Connect Austria, das die meisten Nachbarländer Österreichs beliefert. Dem russischen Präsidenten Wladimir Putin böte die OMV eine Basis in der EU, mit der er deren Strategie, die Abhängigkeit ihrer Mitgliedländer von russischer Energie zu verringern, zum Teil unterlaufen könnte.

Brigitte Ederer, Ex-Aufsichtsrätin der bundeseigenen Holding ÖBIB, die alle Staatsbeteiligungen verwaltet, zeigt sich alarmiert. Die frühere Siemens-Managerin warnt vor einem schleichenden Ausverkauf der heimischen Energieindustrie. Der OMV-Chef dementiert, nährt aber derlei Spekulationen mit Geheimniskrämerei über den Gasprom-Deal. Seele, notabene Präsident der deutsch-russischen Auslandshandelskammer und Gegner der EU-Sanktionen gegen Moskau, sieht im Tauschhandel mit Gasprom eine wichtige Zukunftsinvestition zur Absicherung von Österreichs Energieversorgung. Zudem ist Brüssels Energiepolitik selber widersprüchlich: Die EU-Kommission hat die deutsch-russische Pipeline Nordstream genehmigt, mit der Gasprom noch leichter und direkter nach Europa liefern können wird als bisher. (R.G.)

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