Oman baut Zukunft nach dem Öl

Das Sultanat südlich des Emirats Dubai verdankt die moderne Entwicklung dem Erdöl und dem seit gut 40 Jahren regierenden Sultan. Um sich jedoch von der Abhängigkeit von den Petrodollars zu lösen, sind einige Anstrengungen nötig.

Sabrina Dünnenberger
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Aus Felsen herausgeschlagen, direkt am Golf von Oman und nahe der Hauptstadt Muscat liegt das Resort mit drei Hotels des weltweit tätigen Hotelkonzerns Shangri-La. (Bild: Shangri-La)

Aus Felsen herausgeschlagen, direkt am Golf von Oman und nahe der Hauptstadt Muscat liegt das Resort mit drei Hotels des weltweit tätigen Hotelkonzerns Shangri-La. (Bild: Shangri-La)

MUSCAT. Mit 400 Lastwagen werden die 6500 Tonnen schweren Stahlkonstruktionen vom Hafen der Hauptstadt zum Gelände des neuen Flughafenterminals transportiert. Wenn sie demnächst verbaut werden, gesellen sich zu den über 40 Kränen auf der Baustelle 20 weitere dazu. Der Flughafenausbau ist eines der laufenden Grossprojekte des aufstrebenden Sultanats Oman. Die jährliche Kapazität des neuen Terminals wird bis 2014 gegen zwölf Millionen Passagiere betragen, sukzessive Erweiterungen bis auf 48 Millionen Passagiere sind möglich. Für 2011 hat die Flughafenstatistik 6,5 Millionen Passagiere ausgewiesen, im Jahr 2000 waren es erst 2,7 Millionen. Angesichts dieser Entwicklung tut der Ausbau Not.

Die rege Bautätigkeit erstreckt sich auf die gesamte Region rund um die Hauptstadt Muscat. Wie Pilze schiessen Gebäude aus dem Boden, und das bereits seit Jahren. McDonald's Porsche und Starbucks mischen mit. Allerdings – und darauf wird besonders Wert gelegt – schiessen die Gebäude nicht so hoch auf wie jene im Nachbarland Dubai. Die Besinnung auf die kulturellen Wurzeln ist wichtiger als Superlative. «Wir sehen uns nicht als Konkurrenz zu Dubai, sondern als Ergänzung», sagt Maitha Al-Mahrouqi, Staatssekretärin im Tourismusministerium. Klasse statt Masse, lautet das Motto. Aus Gründen der Kultur und der Infrastruktur sei Oman ohnehin kein Massenmarkt.

Dem gütigen Sultan sei Dank

Erdöl-Funden in den 1960er-Jahren verdankt das Sultanat seinen Reichtum. Und dem Willen des regierenden Sultans Qabus bin Said, das Land zu reformieren und wirtschaftlich nach vorne zu treiben. 1970 hatte er sich gegen seinen Vater an die Macht geputscht – unblutig, heisst es – und die Modernisierung des Staates eingeleitet. Die «omanische Renaissance» brachte dem Volk Beschäftigung, Bildung und Wohlstand. Zwar regiert der Sultan als absoluter Monarch, die politische Struktur weist aber durchaus demokratische Züge aus. Das Parlament besteht aus zwei Kammern, dem Ober- und dem Unterhaus. Letzteres wird vom Volk gewählt.

Und das Volk dankt Sultan Qabus, der es sich mit sieben Palästen und einer Riesenyacht gutgehen lässt, seine Güte. Die Verehrung des Sultans ist allzeit präsent. Ob am Flughafen oder in den Hotels; überall winkt der Monarch mit dem gepflegten weissen Bart den Besuchern zu. Das Volk, das sind 3 Mio. Menschen, 76% Omaner und 24% Gastarbeiter, überwiegend aus Indien und Pakistan. Letztere sind jene, die in brütender Hitze von bis zu 50 Grad Celsius und einer Luftfeuchtigkeit von bis zu 95% Strassen und Häuser bauen, sie sind es, die in den Luxushotels die einfachen Arbeiten übernehmen.

Noch 17 Jahre Öl

Angewiesen ist das Sultanat aber auch auf Gastarbeiter aus Europa und den USA. Im aufstrebenden Tourismus etwa bringen die Fachkräfte das nötige Wissen mit. Der Tourismus ist laut Al-Mahrouqi ein Schlüsselsektor zur Diversifizierung der Wirtschaft Omans, weg von der Abhängigkeit von Erdöl und -gas hin zu nachhaltigen Industriezweigen. 900 000 Fass Rohöl exportiert das Sultanat täglich. Das ist zwar nicht so viel wie Saudi Arabien, das täglich 10 Mio. Fass exportiert. Für alle gilt aber eines: Das Erdöl wird nicht ewig fliessen. Oman verfügt über geschätzte Erdölvorkommen von 5,5 Mrd. Fass, die rechnerisch noch 17 Jahre reichen dürften. Noch sind die Einnahmen aus dem Tourismus mit 3% des Bruttoinlandprodukts vergleichsweise gering, die Industrie wächst jedoch. Alleine die Zahl der Besuche aus der Schweiz ist bis Ende Juni 2012 um 74% gestiegen, was auch damit zu tun hat, dass die nationale Airline Oman Air seit Dezember 2011 viermal wöchentlich von Zürich direkt nach Muscat fliegt.

Die Grossen der Hotellerie

Den Auftrieb im Tourismus zeigen auch die immensen Investitionen der letzten Jahre. Erst letztes Jahr wurde in Muscat ein prachtvolles Opernhaus eingeweiht. Mit einem 3000 Sitze fassenden Veranstaltungs- und Ausstellungscenter inklusive Hotels mit 1000 Zimmern will sich Oman ab 2016 auch der Geschäftswelt empfehlen. Vor allem im Luxussegment tut sich einiges. Mit dem Chedi findet sich in Muscat eines der meistgelobten Hotels punkto Design. Weitere Luxusherbergen sind in Planung. An der Entwicklung von Grossprojekten massgeblich beteiligt ist die ägyptische Immobiliengruppe Orascom von Samih Sawiris. Unter den den laufenden Projekten ist auch ein Mövenpick-Hotel.

Die Pläne sind ehrgeizig. Das müssen sie aber auch sein – das Sultanat hat weniger als eine Generation Zeit, die Abhängigkeit von Öl und Gas zu reduzieren. Denn ohne die Petrodollars sind auch dem gütigsten Sultan die Hände gebunden.