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Ohrfeige für die KPMG in der Postauto-Affäre

Im Zusammenhang mit den Subventionsbetrügereien bei Postauto Schweiz gerät auch die Revisionsfirma KPMG unter Beschuss. Die eidgenössische Aufsichtsbehörde hat «erhebliche Mängel» ausgemacht.
Daniel Zulauf
Bei der Revision der Revision kommen Mängel zum Vorschein. (Bild: Peter Klaunzer)

Bei der Revision der Revision kommen Mängel zum Vorschein. (Bild: Peter Klaunzer)

Die Revisionsgesellschaft KPMG erhält als Rechnungsprüferin der Post und ihrer Postauto-Tochter eine Rüge von der Eidgenössischen Revisionsaufsichtsbehörde (RAB). In der Arbeit von KPMG seien «teilweise erhebliche Mängel» festgestellt worden, gab die Behörde zum Abschluss ihrer Ad-hoc-Untersuchung bekannt. Gegen zwei Personen habe sie ein sogenanntes Enforcement-Verfahren eröffnet. Damit soll geprüft werden, ob die verantwortlichen KPMG-Mitarbeiter noch Gewähr für eine einwandfreie Prüftätigkeit böten. Die RAB macht üblicherweise keine Angaben über die Eröffnung solcher Verfahren. Im vorliegenden Fall überwiegt aber das öffentliche Interesse.

Die Untersuchungen stehen im Zusammenhang mit den rechtswidrigen Umbuchungen von Subventionsleistungen, welche die Postauto AG in den Geschäftsjahren 2007 bis 2015 vorgenommen hatte. Die unzulässigen Verbuchungen, welche die Verschleierung der Subventionsleistungen zum Ziel hatten, beliefen sich auf einen Betrag von kumuliert 107 Millionen Franken. Für die subventionsrechtliche Prüfung der Postauto-Rechnung ist zwar das Bundesamt für Verkehr (BAV) zuständig, während die KPMG die aktienrechtliche Prüfung der Jahresrechnung verantwortet. Weil sich die beiden Prüfvorgänge aber ergänzten, habe seit der Aufdeckung der Falschbuchungen durch das BAV im Februar 2018 der Verdacht bestanden, dass es auch bei KPMG zu Qualitätsmängeln gekommen sei, so die RAB.

Interne Abgrenzungsprobleme?

Die Behörde nimmt KPMG nun in die Verantwortung. Die Prüfung der aktienrechtlichen Jahresrechnung nach dem internationalen Standard IFRS schliesse die Kontrolle mit ein, dass die Subventionen der öffentlichen Hand in der Jahres- und Konzernrechnung korrekt ausgewiesen würden. Die fehlbaren Prüfungshandlungen der KPMG hätten insbesondere die Erfassung der Subventionen, die Feststellung möglicher Gesetzesverstösse (im Zusammenhang mit dem von KPMG begleiteten Steuerberatungsprojekt «Impresa») sowie die Beurteilung der Arbeiten der Post-internen Revision betroffen. Auf die Frage, ob es bei KPMG intern zu einem Abgrenzungsproblem zwischen Unternehmens- oder Steuerberatung und Revision gekommen sei, antwortete ein Firmensprecher: «Die Frage, welche Nicht-Prüfungsdienstleistungen Revisionsgesellschaften ihren Prüfkunden erbringen dürfen, ist in der Schweiz durch die geltenden, gesetzlichen Unabhängigkeitsvorschriften, die Richtlinien zur Unabhängigkeit von EXPERTsuisse sowie den internationalen Standard IESBA geregelt. Alle Prüfgesellschaften müssen sich strikt an diese Unabhängigkeitsvorschriften halten. Die angesprochene Steuerberatung erfolgte in Einklang mit den anwendbaren Unabhängigkeitsvorschriften.»

Ob diese Abgrenzung tatsächlich so gut gelungen ist, wie dies die KPMG selber darstellt, lässt sich vor dem Hintergrund der Rüge allerdings bezweifeln. Daniel Bühr, ein erfahrener Spezialist für Compliance-Fragen und Partner bei der Anwaltskanzlei Lalive, glaubt nicht daran, dass sich die Interessenkonflikte zwischen einem unabhängigen Prüfauftrag und einer finanziell lukrativen Steuerberatung so leicht auflösen lassen. Vielmehr ist er der Meinung, dass es in der Schweiz diesbezüglich zu viel Gestaltungsspielraum gibt. «In der Schweiz fehlt es an einer Standardisierung der Kontrollprozesse», sagt er.

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