Ölpreis enteilt Benzinpreis

Während sich der Rohölpreis innert Jahresfrist halbiert hat, ist Benzin in der Schweiz nur um rund ein Achtel günstiger geworden. Den Preis an der Zapfsäule bestimmen vielerlei Faktoren.

Thomas Griesser Kym
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Die Trans-Alaska-Pipeline in Prudhoe Bay nahe der Beaufort-See. (Bild: ap/Rick Bowmer)

Die Trans-Alaska-Pipeline in Prudhoe Bay nahe der Beaufort-See. (Bild: ap/Rick Bowmer)

Der Rohölpreis ist in den vergangenen Tagen wiederholt unter die Marke von 50 $ pro Fass der Nordseesorte Brent gesunken. Das ist, abgesehen von einer ähnlichen Schwächephase Anfang des Jahres, der tiefste Stand seit gut sechs Jahren. Seit vergangenem Juni hat der Ölpreis um über 30% nachgegeben, und seit Herbst vergangenen Jahres hat sich der Preis halbiert (siehe obere Grafik). Händler machen für den Preisrutsch vor allem eine Überversorgung des Marktes mit Rohöl verantwortlich. Vor allem Opec-Länder, aber auch das kriselnde Russland, halten ihre Ölförderung hoch, um nicht Marktanteile zu verlieren, etwa an die USA, denen die Fracking-Technologie einen Ölboom beschert hat. Hinzu kommen laut Händlern Sorgen über das globale Wirtschaftswachstum, ausgehend vor allem von China. Zudem drücke der starke Dollar, der das Öl in anderen Währungsräumen verteuert, die Nachfrage, hauptsächlich in China und andern schwächelnden Schwellenländern. Und nach der Einigung in den Atomverhandlungen ist zu erwarten, dass Iran seine Ölexporte bald steigert.

Einnahmen des Bundes

Vom Rutsch des Ölpreises profitieren die Konsumenten, aber naturgemäss nicht im gleichen Ausmass. Die Betrachtung der durchschnittlichen Monatspreise von Bleifrei 95 zeigt, dass der Liter Benzin innert Jahresfrist um etwa 20 Rp. oder rund 12% günstiger geworden ist – während sich der Rohölpreis gut halbiert hat.

Dass sich die Preise nicht im Gleichschritt entwickeln, hat damit zu tun, dass der Benzinpreis, den der Konsument an der Zapfsäule bezahlt, nicht einzig vom Preis des Rohöls abhängt. Grösste Komponente sind die Steuern und Abgaben, die in die Bundeskasse fliessen. Sie machen bei einem Säulenpreis von gegenwärtig rund 1.55 Fr. gut 55% des Preises aus. Gut 73 Rp. pro Liter werden fällig für die Mineralölsteuer und den Mineralölsteuerzuschlag. Hinzu kommt noch eine winzige Importabgabe. 8% des Säulenpreises bestehen aus der Mehrwertsteuer. Total fliessen also gut 85 Rp. der 1.55 Fr. an die öffentliche Hand.

Der Rhein bestimmt mit

Vom Rest des Preises decken grob gerechnet etwa drei Viertel die Kosten für Einkauf des Benzins und die Fracht, und ein Viertel (oder etwa 12% des Säulenpreises) ist die Handelsspanne. Diese Komponenten sind flexibel. So hängen etwa die Transportkosten der Rheinfracht ab vom Pegel des Flusses. Ist dieser hoch, können die Frachtschiffe mehr Öl laden. Das war etwa der Fall im Februar, als die Rheinfracht von Rotterdam nach Basel 21.50 Fr. pro Tonne kostete. Momentan ist der Pegel tief, und die Frachttonne kostet 44 Franken. Im Herbst dürfte der Rheinpegel wieder steigen, was die Fracht günstiger macht.

Hoch sind momentan auch die Kosten für die Verarbeitung des Öls und der Treibstoffe. Laut Francesca Romano von der Erdöl-Vereinigung ist die Nachfrage nach Benzin in der sommerlichen Ferienzeit in Europa und den USA (driving season) hoch gewesen. Entsprechend waren die Raffinerien gut ausgelastet und haben ihre Preise und damit Margen erhöht. Mit dem Ende des Sommers dürfte sich hier die Lage wieder beruhigen. Ein anderer Faktor ist der Dollar. Zwar ist der Rohölpreis seit Mai gesunken, aber der Dollar hat seither um rund 7% gegenüber dem Franken zugelegt, was den Preisrückgang etwas dämpft.

Diesel in etwa im Gleichschritt

Immer noch auf ähnlichem Niveau liegen in der Schweiz die Benzin- und Dieselpreise, was unüblich ist, da gewöhnlich Diesel ein Stück teurer ist. Das hat laut Experten damit zu tun, dass die Nachfrage nach Benzin relativ hoch ist und jene nach Diesel stagniert bis rückläufig ist. Letzteres wird wiederum damit erklärt, dass die Nachfrage nach Heizöl, das als sehr ähnlich wie Diesel gilt, gedrückt ist. Denn als Folge des vergangenen milden Winters sind die Heizöltanks vielerorts noch gut gefüllt.