Ölexportierende Länder leiden unter Preiszerfall

Kaum hatte sich der Rohölpreis etwas stabilisiert, wertete China den Yuan ab, und der Ölpreis fiel mit. Die US-Energiebehörde erwartet auch keine schnelle Erholung.

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Kaum hatte sich der Rohölpreis etwas stabilisiert, wertete China den Yuan ab, und der Ölpreis fiel mit. Die US-Energiebehörde erwartet auch keine schnelle Erholung. Sie hat den Preisausblick für dieses und nächstes Jahr um rund 10% nach unten revidiert und erwartet nun einen Ölpreis zwischen 50 $ und 60 $ bis Ende 2016. Aus Sicht der Importeure ist das ein Stimulus: Die Agentur Bloomberg schätzt, dass die Importländer fast 900 Mrd. $ sparen im Vergleich zu einem Ölpreis von über 100 $. Dieses Geld fehlt in anderen Ländern. Kuwait, die Arabischen Emirate oder Norwegen haben enorme Finanzreserven angehäuft. Andere leiden.

In Russland haben der Ölpreiszerfall und die westlichen Sanktionen als Folge der Krim-Krise eine tiefe Rezession verursacht, und das Land hat derzeit kaum Zugang zu den internationalen Finanzmärkten. Folglich wird es seine beiden Reservefonds anzapfen müssen, die aber für weniger als zwei Jahre reichen. Auch wackeln viele Banken, und Ökonomen warnen vor ausufernden Militärausgaben.

Vor dem Staatsbankrott

Hohe Militärausgaben sind auch ein Faktor des Budgetdefizits in Saudi-Arabien. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet zwar ein Wirtschaftswachstum von 3,5%, doch dieses ist teuer erkauft: Das Budgetdefizit dürfte dieses Jahr 20% des Bruttoinlandprodukts (BIP) betragen. Als Folge sind die saudischen Devisenreserven in den letzten zwölf Monaten um 8% auf 670 Mrd. $ gefallen und sinken Monat für Monat um weitere 12 Mrd. $. Neben dem Budgetdefizit ist dafür auch Kapitalflucht verantwortlich. Um die Reserven zu schonen, will Saudi-Arabien nun Schulden aufnehmen.

Kurz vor dem Staatsbankrott steht Venezuela. Das Land muss dieses Jahr 5 Mrd. $ und nächstes Jahr 10 Mrd. $ an Krediten zurückzahlen. Diese Summe entspricht in etwa den verbliebenen Reserven. Die Inflation ist horrend hoch, und der IWF erwartet für 2014 ein BIP-Minus von 7%. Um seine Reserven zu schonen, kürzt Venezuela Importe. Daher mangelt es dem ölreichen Land an fast allem, von WC-Papier bis zu Medikamenten. (C. M.)