Ökostrom aus der Region

Die St. Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke bieten ihren direkten Kunden ab nächstem Jahr zertifizierten Naturstrom an. Die Preise für den Standardstrom bleiben stabil.

Kaspar Enz
Drucken
Teilen
Das Kraftwerk Herrentöbeli an der Thur bei Krummenau wurde vom Verein für umweltgerechte Energie zertifiziert. (Bild: pd)

Das Kraftwerk Herrentöbeli an der Thur bei Krummenau wurde vom Verein für umweltgerechte Energie zertifiziert. (Bild: pd)

ST. GALLEN. Bis anhin kam aus den von den St. Gallisch-Appenzellischen Kraftwerken belieferten Steckdosen zu drei Vierteln Atomstrom, doch das soll sich ändern. Die 66 000 privaten und Gewerbekunden, die ihren Strom direkt von der SAK beziehen, erhalten ab 2013 einen Strommix, der dem schweizerischen Durchschnitt entspricht: 60 Prozent davon stammen aus Wasserkraft, 40 Prozent aus Kernenergie.

Zwei Sorten Naturstrom

Zusätzlich bieten die SAK zwei neue Stromqualitäten an, wie sie gestern vor den Medien erklärten. Die neuen Angebote verzichten ganz auf Atomkraft und setzen dafür auf Naturstrom aus der Region: Im Paket «Naturstrom Basic» sind 95 Prozent Wasserkraft enthalten, die restlichen fünf Prozent setzen sich aus Sonne, Wind und Biomasse zusammen. Davon gibt es im «Naturstrom Star» noch mehr, nämlich 15 Prozent. Für den Naturstrom bezahlt der Kunde zwei beziehungsweise sechs Rappen pro Kilowattstunde mehr. Dafür stammt der Strom aus Werken, die der Verein für Umweltgerechte Energie mit dem Label «Naturemade Star» oder «Naturemade Basic» zertifiziert hat. Alle Photovoltaikanlagen der SAK sowie die Wasserkraftwerke Giessen und Herrentöbeli sind schon zertifiziert, sechs weitere Wasserkraftwerke folgen im September.

Die SAK wollen es den direkt belieferten Kunden einfach machen, auf Naturstrom umzusteigen: Ein Kreuz auf einem Flyer und der Wurf in den Briefkasten sollen genügen. «Wir wollen die Kunden motivieren umzusteigen», sagt Stefano Garbin, Vorsitzender der Geschäftsleitung der SAK. Trotzdem rechnet er aber nicht damit, dass bald die Mehrzahl der Kunden Naturstrom wählt: «Bisher lag der Anteil bei zwei Prozent, mit fünf bis zehn wären wir zufrieden», sagt Garbin. Einen Naturstrommix als Basispaket verkaufen wollen die SAK aber nicht. «Unser Auftrag von den Kantonen ist es, eine sichere und kostengünstige Versorgung sicherzustellen», sagt Garbin.

Gleichzeitig wollen die SAK ihre eigene Energieproduktion verdoppeln. So nehmen sie an den Wärmeverbünden Wittenbach und Speicher-Trogen teil. Die dortigen Holzschnitzelheizungen wollen die SAK auch zur Stromgewinnung nutzen. Positiv steht Stefano Garbin der geplanten Solaranlage im Steinbruch Quinten gegenüber. «Ein interessantes Projekt», sagt er. «Wir wissen, dass es ein geschütztes Gebiet ist.» Doch wenn man Wert auf regionalen und ökologischen Strom legen wolle, müsse man hier tolerant sein, sagt Garbin.

Preise bleiben stabil

Langfristig erwartet Stefano Garbin zwar teureren Strom. 2013 spüren die Kunden der SAK davon aber noch nichts. Zwar seien die Energiekosten um einen Rappen pro Kilowattstunde gestiegen. Doch die Nutzung des eigenen Netzes kostet weniger. Das sei nicht zuletzt auf das Wachstum der Bevölkerung zurückzuführen, sagt Garbin – wenn mehr Kunden mit dem gleichen Netz beliefert werden, sinken die Kosten für den einzelnen. So bleibt der Strom 2013 zumindest für die direkten SAK-Kunden stabil, wenn sie auch in einzelnen Gemeinden unterschiedlich sein können.

Aktuelle Nachrichten