Oehler will es nochmal wissen

Seit dem Verkauf der STI Group an die AFG ist es mit der Oberflächentechnologie abwärts gegangen. Nun steht sie zum Verkauf und ihr alter Besitzer Edgar Oehler bereit für ein Comeback.

Thomas Griesser Kym
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STEINACH. Für die STI Group ist ein erster Interessent bekannt. Es ist Edgar Oehler, der die Firmengruppe Anfang 2007 als fünfte Division Oberflächentechnologie in die AFG Arbonia-Forster-Holding eingebracht hatte. Er war Ende 1996 bei der Steinacher Hartchrom AG, dem Kern der heutigen STI, als Geschäftsleiter eingestiegen. 1998 erwarb er die Gruppe von den Erben Theo Keels und hielt sie privat. Für den Verkauf neun Jahre später an die AFG, die Oehler damals als Verwaltungsratspräsident und Konzernchef in Personalunion führte und mit absoluter Stimmenmehrheit kontrollierte, löste der Patron 62 Mio. Fr. in bar.

Mittlerweile hält Oehler noch rund 20% an der AFG, womit er weiterhin grösster Aktionär ist, er sitzt noch im Verwaltungsrat, und seine Nachfolger im Topmanagement bauen die AFG seit anderthalb Jahren um mit dem Ziel, den Konzern auf die Bauausrüstung zu konzentrieren. Damit steht auch die Oberflächentechnologie zur Disposition, die «mittelfristig» andere Eigentümer finden soll.

Auf STI-Mission in China

Gestern nun bekundete Oehler im Regionaljournal von Radio DRS ein «sehr grosses» Interesse, bei der STI Group «wieder einzusteigen, da mitzumachen und sie wieder dorthin zu bringen, wo ich sie einmal gehabt habe». Der Redaktor ergänzte, Oehler wolle ein Kaufangebot vorlegen, sobald die STI ausgeschrieben sei.

AFG-Sprecher Stefan Kern gab auf Anfrage zum Interesse Oehlers an der STI «keinen Kommentar» ab. Kern wies aber darauf hin, der Verkaufsprozess sei noch nicht gestartet worden, ergo seien auch die Verkaufskriterien noch unklar. Sollten sich schon jetzt potenzielle Kaufinteressenten melden, nehme man deren Namen entgegen. Der Preis sei «ein Kriterium», sagte Kern. Ein anderes sei, dass «die Arbeitsplätze in der Region gesichert bleiben». Die STI Group beschäftigt aktuell 560 Mitarbeiter, davon die Hälfte in Steinach.

Sollte tatsächlich Oehler die STI Group zurückkaufen, käme jener Mann wieder ans Ruder, der unzweifelhaft das Unternehmen am besten kennt. Gerade ist Oehler unterwegs in China, um für die STI, die dort jüngst eine neue Fabrik in Changshu eröffnet hat, Geschäftschancen auszuloten.

Das vierte Jahr in der roten Tinte

Ein Rückkauf entspräche auch der Forderung des Anwalts Rudolf P. Schaub, der eine Gruppe oppositioneller AFG-Aktionäre vertreten hatte, die Oehler heftig kritisiert hatte, als dieser noch Alleinherrscher war. Schaub hatte unter anderem den Transfer von der STI zur AFG kritisiert und von einem «überteuerten Preis» gesprochen. Vor und an der AFG-Generalversammlung 2011 hatte Schaub verlangt, Oehler solle die STI zurückkaufen, und zwar zum Preis von 62 Mio. Fr., den er damals kassiert hatte.

Ein solcher Betrag liegt indessen kaum drin. Der Umsatz der STI Group ist seit 2007 stark geschrumpft, und seit 2009 schreibt das Unternehmen rote und teils tiefrote Zahlen (siehe Grafiken). Vor dem Verkauf durch Oehler an die AFG hatte die operative Marge im Schnitt der Vorjahre 13% betragen, und Anfang 2007 stellte Oehler für 2011 eine Marge von über 14% in Aussicht. Resultat waren aber –105%, als Folge hoher Wertberichtigungen und der Krise. Oehler scheint das nicht zu schrecken. Wie er im Radio sagte, stehe er «nach wie vor sehr positiv zur STI, weil ich das Potenzial kenne, weil ich die Kundschaft weltweit kenne. Aber man muss dann eben wissen, wie man es macht und wohin man gehen will».

Dichtemessung an einem Chromzylinder bei der Hartchrom AG. (Archivbild: Ennio Leanza)

Dichtemessung an einem Chromzylinder bei der Hartchrom AG. (Archivbild: Ennio Leanza)