Oehler hat in China aufgeräumt

ARBON. Die AFG schafft mehr Transparenz. Der frühere Patron Edgar Oehler hat die chinesische STI-Tochter des Thurgauer Bauausrüsters auf Vordermann gebracht und ist dafür mit über einer halben Million Franken kompensiert worden.

Thomas Griesser Kym
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Edgar Oehler an einer früheren Generalversammlung der AFG Arbonia-Forster im Arboner Seeparksaal. (Bild: Reto Martin)

Edgar Oehler an einer früheren Generalversammlung der AFG Arbonia-Forster im Arboner Seeparksaal. (Bild: Reto Martin)

«Klartext reden, gewisse Punkte aufzeigen» und damit eine «teils ungeschickte Kommunikationspolitik korrigieren»: Das steckt hinter dem Begehren des Aktionärsdienstleisters zCapital um Auskunft über Edgar Oehlers Mandat und seine Kompensation bei der Firma STI Precision Machining im chinesischen Changshu, wie zCapital-Chef Gregor Greber sagt.

zCapital hat Druck aufgesetzt

Nun ist der AFG-Verwaltungsrat dieser Forderung nachgekommen: Gestern nachmittag stellte die AFG die Erkenntnisse des Berichts der unabhängigen Prüfungsfirma KPMG auf ihre Website, zusammengefasst auf einem Blatt. Kurz zuvor hatte AFG-Sprecher Stefan Kern Informationen unserer Zeitung bestätigt, wonach ein solcher Bericht erstellt und «den Aktionären vor der Generalversammlung zugänglich gemacht» wird. Diese findet in zwei Wochen statt. Nur mit Informationen über Oehlers Mandat könnten die Aktionäre an der GV über die Entlastung des Verwaltungsrats befinden, hatte Greber argumentiert. zCapital selber hätte diese verweigert, falls sich der AFG-Verwaltungsrat geweigert hätte. Als äusserstes Mittel wären laut Greber Verantwortlichkeitsklagen einzelner Aktionäre gegen VR-Mitglieder «nicht ausgeschlossen».

Oehler als möglicher Investor

Die STI China ist Teil der in der Oberflächentechnik tätigen STI Group. Diese gehört zur AFG, wird von dieser aber nicht mehr als Kerngeschäft behandelt und abgestossen. «Der Verkauf der STI soll bis Ende Jahr abgeschlossen sein», bestätigt Kern den Zeitplan. Derzeit wird eine Long List mit allen potenziellen Interessenten erstellt. Diese wird dann auf ernsthafte Anwärter gekürzt. Als möglicher Interessent gilt auch Oehler. Er hatte die STI Group um die Steinacher Hartchrom AG, die er damals privat gehalten hatte, 2007 samt ihrer Schulden in die AFG eingebracht und dafür 62 Mio. Fr. in bar kassiert – ein Preis, der aus heutiger Sicht viel zu hoch ist.

Ein Präsident auf Schleuderkurs

Über die Jahre hat Oehler bei der AFG seine Stimmenmehrheit aufgeben müssen, die Konzernleitung und das VR-Präsidium. Mit 18,42% ist er noch immer grösster AFG-Aktionär. An der kommenden GV scheidet er altershalber aus dem VR aus. Das Mandat des vifen 72-Jährigen bei der STI in China und seine Entlöhnung waren erst im Geschäftsbericht 2013 offen gelegt worden. Auf Fragen danach an der Bilanzpressekonferenz Anfang März geriet selbst VR-Präsident Rudolf Graf ins Schleudern, der seit der abrupten Trennung von Daniel Frutig interimistisch auch Konzernchef der AFG ist.

Laut dem KPMG-Bericht beschäftigte sich Oehler bei der STI China im 1. Halbjahr 2013 damit, während 50 Tagen die Bauabrechnung und die Auseinandersetzungen mit dem lokalen Generalunternehmer zu bereinigen. Ab 16. Juli amtierte er zudem für 94 Tage als interimistischer General Manager. «Kurzfristig gab es keine bessere Lösung», begründete AFG-Finanzchef Felix Bodmer Anfang März Oehlers Entsendung nach China.

Rentabel und mehr Umsatz

Oehlers Vorgänger als Chef der STI China soll dem Vernehmen nach Verluste angehäuft haben, die Qualität und die Liefertreue hätten hinten und vorne nicht gestimmt, und er habe sich um das Unternehmen zu wenig gekümmert. Oehler ist es dann im Rahmen seines Mandats laut KPMG gelungen, «eine deutliche Verbesserung der operativen Resultate» der STI China zu erreichen. Nach negativen Betriebsergebnissen in den Vorperioden habe die STI China unter Oehlers Leitung im 2. Semester eine operative Marge von 12% des Umsatzes erreicht. Dieser sei gegenüber dem Vorsemester um über 70% gestiegen. STI China hat laut Homepage 83 Mitarbeiter.

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