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ÖFFENTLICHER VERKEHR: Nun auch Fernbusse im Inland

Als erster privater Anbieter erhält Domo-Reisen eine Bewilligung für den Betrieb nationaler Fernbusse. Gewerkschaften und ÖV-Branche reagieren kritisch. Sie sehen eine unfaire Konkurrenz für die Bahn.
Gerhard Lob
Ein Bus vom Unternehmen Domo Reisen. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone (Neuhausen, 30. Oktober 2017))

Ein Bus vom Unternehmen Domo Reisen. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone (Neuhausen, 30. Oktober 2017))

Gerhard Lob

Das Bundesamt für Verkehr (BAV) hat gesprochen. Erstmals erteilt es einem Unternehmen die Konzession für Linienbusverbindungen im Inland-Fernverkehr. Das Busunternehmen Domo Swiss Express AG darf mit amtlicher Bewilligung auf den Strecken St. Gallen–Zürich–Biel–Genf Flughafen; Zürich Flughafen–Basel–Luzern–Lugano sowie Chur–Zürich–Bern–Sitten verkehren (siehe Grafik). Die Busse sollen je ein- bis zweimal täglich in beide Richtungen verkehren. Wichtige Knotenpunkte (Hubs) dabei sind Rothrist und Zürich.

Halbtax- und General-Abo werden anerkannt. Das Angebot wird ab 25. März gelten. Die Preise sind im Vergleich zu SBB-Tickets wesentlich günstiger, aber die Reisezeiten länger. Domo will ein Schweiz-Angebot für Reisende mit schmalem Portemonnaie, aber viel Zeit machen.

In einigen Städten dient die Tank- als Haltestelle

Eigentlich wollte Domo-Reisen schon zum Fahrplanwechsel im Dezember den Betrieb aufnehmen. Doch einige Nachweise fehlten. Das Unternehmen musste gemäss den gesetzlichen Bestimmungen gegenüber dem BAV aufzeigen, dass es branchenübliche Löhne und Arbeitsbedingungen sowie die Bestimmungen von Arbeitszeitgesetz und Behindertengleichstellungsgesetz einhält. Dies ist derweil gelungen.

Ein Knackpunkt war auch das Fehlen von Haltestellen. Manche Städte wehrten sich gegen solche. Inzwischen verfügt Domo aber über die erforderlichen Rechte. In einigen Fällen handelt es sich um Tankstellen oder Privatareale. «In manchen Städten wurde auch auf einen Halt verzichtet, weil keine Haltestelle gefunden werden konnte», sagt BAV-Sprecher Andreas Windlinger.

Entscheidend für die Konzessionsvergabe war, dass von der öffentlichen Hand mitfinanzierte Verkehrsangebote nicht wesentlich konkurrenziert werden. So will es der Gesetzgeber. «Aus der Anhörung der betroffenen Kantone und Transportunternehmen im Sommer 2017 konnte nicht auf eine rechtlich relevante Konkurrenzierung geschlossen werden», schreibt das BAV. Die Konzession ist im Übrigen nicht nur mit Rechten, sondern auch mit Pflichten verbunden, da die Buslinien Teil des öffentlichen Verkehrsangebots sind. Oder anders gesagt: Sie müssen selbst dann verkehren, wenn keine Buchungen vorliegen. Die Konzession an Domo-Reisen ist auf vorläufig bis Ende 2020 befristet. Normal wären zehn Jahre. Dies lässt darauf schliessen, dass es gewisse Vorbehalte gab, auch wenn der rechtliche Rahmen erfüllt ist. Der Entscheid des BAV kam aber nicht überraschend. Vor kurzem hatte das Bundesamt die Einführung eines neuen ÖV-Angebots begrüsst. «Fernbusse als Chance für Kunden, Tourismusgebiete, Umwelt und Steuerzahlende», hiess es im letzten BAV-Newsletter. Weniger enthusiastisch zeigt sich die Vereinigung der Kunden des öffentlichen Verkehrs. «Es handelt sich nicht um eine Ergänzung des ÖV-Systems, sondern um einen klaren konkurrenzierenden Parallelbetrieb», hält Pro-Bahn-Präsidentin Karin Blättler fest. Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) spricht sogar von einem «falschen, gefährlichen und arroganten Entscheid» mit möglicherweise fatalen Folgen. Die Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV) zweifelt ihrerseits an, dass die branchenüblichen Löhne und Arbeitsbedingungen eingehalten werden. Ausserdem befürchtet die Gewerkschaft, dass die Fernbusse den «umweltfreundlicheren Bahnverkehr» schädigen werden. Relativ entspannt reagierte gestern Ueli Stückelberger, Präsident des Verbands öffentlicher Verkehr (VöV). «Bei den Kursen von Domo-Reisen sind wir etwas offener, aber richtig problematisch wird es, wenn Linien im regionalen Personenverkehr betroffen sind», hielt er auf Anfrage fest. Er meinte damit das ausstehende Konzessionsgesuch von Eurobus, das von Zürich mehrmals täglich Orte wie Grindelwald ansteuern will.

Die SBB sehen die Fernbusse «nicht als Bedrohung», nehmen aber die Entwicklung sehr ernst. Überraschend bezeichnete der Nutzfahrzeugverband Astag gestern das Vorgehen des BAV als «überstürzt». Zuerst brauche es klare und faire Rahmenbedingungen für sämtliche Markteilnehmer sowie eine bedürfnisgerechte, moderne Terminalinfrastruktur, schrieb der Astag.

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