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NZZ verleitet zum Bücherkauf auf Amazon

Das Verlagshaus kooperiert bei Roman-Rezensionen mit dem US-Onlineriesen – die Konkurrenz ist skeptisch.
Benjamin Weinmann
Blick ins Amazon-Logistikzentrum im deutschen Rheinberg. (Bild: Friedemann Vogel/Keystone (28. November 2017))

Blick ins Amazon-Logistikzentrum im deutschen Rheinberg. (Bild: Friedemann Vogel/Keystone (28. November 2017))

«Das kann man lesen, man muss es aber nicht.» So endet die Rezension des NZZ-Kulturredaktors über das neue Buch «Serotonin» von Autor Michel Houellebecq. Doch auf NZZ.ch ist der Artikel damit nicht fertig. Am Ende wartet auf den Leser ein Link. Wer auf «hier bestellbar» klickt, wird direkt auf die Website des US-Onlineriesen Amazon weitergeleitet, wo es das Buch für 34.90 Franken gibt.

Der Link auf der NZZ-Seite ist mit einem Asterisk vermerkt. So handle es sich hierbei um eine Amazon-Verknüpfung und die NZZ könnte eine geringe Provision erhalten, falls der Leser das Buch tatsächlich bestellt. Und: «Dies hat jedoch keinerlei Einfluss auf die Berichterstattung.»

Provision spielt nicht die Hauptrolle

Dieser Hinweis zeugt davon, dass sich das Medienhaus der potenziellen Irritation bewusst ist, die der Link hervorrufen könnte. Der NZZ-Projektverantwortliche Martin Jungfer sagt, es handle sich um ein sehr eng begrenztes Experiment.

Ein Experiment, das laut Insidern intern nicht unumstritten ist. Denn die Vermischung zwischen unabhängigem Journalismus und Kommerz ist für jeden Zeitungsverlag heikel. Bei dieser Gratwanderung steht das Vertrauen der Kundschaft auf dem Spiel. Und auch wenn die NZZ mit der Fussnote alle Transparenzregeln einhält, so dürfte der eine oder andere NZZ-Leser ob der Buchvermarktung die Nase rümpfen. Jungfer betont: «Die Redaktion weiss nicht, bei welcher Rezension der Link eingebaut wird. Welche Bücher wie besprochen werden, ist alleine die Entscheidung des Journalisten im Ressort.»

Laut Jungfer handelt es sich beim Link um ein relativ simples Amazon-Onlinewerkzeug, das bei zahlreichen anderen Portalen zum Einsatz komme. Letztlich gebe es wohl etliche Produktvergleichs- und Bestenlisten-Seiten im Internet nur, damit man von dort zur Bestellung bei Amazon gelangt und der Betreiber der Website etwas Geld verdiene. Die Prämien liegen laut Jungfer je nach Produkt zwischen 1 und 10 Prozent des Verkaufspreises, bei Büchern sind es in der Regel 5 Prozent. Allerdings spiele im NZZ-Test die Provision nicht die Hauptrolle, «sondern die Frage, ob wir für unsere Leser einen Service bieten können, ein besprochenes Buch direkt bestellen zu können».

Noch teste man die Amazon-Links nur vereinzelt, weshalb die Einnahmen durch Prämien pro Monat derzeit lediglich in einem tiefen dreistelligen Bereich liegen würden, sagt Jungfer. Negative Reaktionen habe man bisher von Leser-Seite keine erhalten. «Lediglich ein lokaler Buchhändler hat sich über einen ihm persönlich bekannten Feuilleton-Redaktor gemeldet.» Fragt sich, weshalb das Zürcher Verlagshaus auf den US-Konzern anstatt auf einheimische Buchhändler setzt. Jungfer sagt, Amazon biete im Rahmen des Tests das nutzerfreundlichste Tool. Bald wolle die Chefredaktion entscheiden, wie es weitergehen soll. Bei einem positiven Entscheid wolle man aber auch Links eines Schweizer Anbieters einbauen.

Der «Spiegel» ist schon weiter

Ausländische Medienkonzerne haben diese Diskussionen zuweilen bereits hinter sich gelassen. So setzt «Spiegel Online» konsequent bei den Buchbesprechungen einen Link von Amazon und des deutschen Buchhändlers Thalia. Und der englische «Guardian» hat sogar einen verlagseigenen Online-Bookshop, auf den bei Rezensionen hingewiesen wird. Die Schweizer Konkurrenz gibt sich indessen zurückhaltend. «Wir wollen nicht ausschliessen, dass wir in Zukunft ähnliche Kooperationen eingehen könnten. Doch man muss damit rechnen, dass ein Teil der Leserinnen und Leser durch solche Modelle irritiert wird», sagt eine Tamedia-Sprecherin. In einer früheren Phase habe das Onlineportal «Newsnet» mit Orell Füssli ein ähnliches Modell getestet. Derzeit würden aber keine derartigen Links eingesetzt. «Es ist der Redaktion Tamedia ein zentrales Anliegen, dass eine unabhängige Kulturberichterstattung betrieben wird – und dies auch von den Nutzerinnen und Nutzern so wahrgenommen werden kann», sagt die Sprecherin. Der Fokus von Tamedia liege auf anderen Kommerzialisierungsstrategien.

Beim «Blick»-Herausgeber Ringier heisst es, man habe die Verlinkung auf Amazon unterhalb eines Promotionsartikels getestet. Dies habe sich für die «Blick»-Gruppe aber nicht als interessant entpuppt und das Projekt wurde nicht weiterverfolgt, sagt ein Sprecher. Er verweist auf die «Blick-Tipps» sowie die «Blick-Deals». Bei diesen Onlinebeiträgen schreibe ein von der Redaktion separates Team Artikel über Produkte, die jeweils unterhalb des Artikels angeboten werden. Vornehmlich handle es sich dabei um Produkte von Ringier-Tochterunternehmen. Diese Artikel seien entsprechend gekennzeichnet und vom redaktionellen Inhalt optisch getrennt.

Auch CH Media (Herausgeberin dieser Zeitung) verzichtete laut eigenen Angaben bisher auf derartige Modelle auf den Websites der Zeitungen. Prüfenswert seien sie allenfalls in Zukunft bei Fachmagazinen.

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