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Novartis setzt auf den Standort Schweiz

Dank einer vielversprechenden Krebstherapie schafft der Basler Konzern zusätzliche Stellen. Wie viele Mitarbeiter für eine neue Produktionsanlage im aargauischen Stein eingestellt werden, ist noch nicht klar.
Andreas Möckli
Am Standort Stein (AG) entstehen zusätzliche Arbeitsplätze dank der Kymriah-Therapie. (Bild: Arnd Wiegmann (23. Oktober 2017))

Am Standort Stein (AG) entstehen zusätzliche Arbeitsplätze dank der Kymriah-Therapie. (Bild: Arnd Wiegmann (23. Oktober 2017))

Im aargauischen Stein befindet sich der grösste Pharma-Produktionsstandort von Novartis. Rund 2000 Mitarbeiter stellen dort zahlreiche der umsatzstärksten Medikamente des Konzerns her. Nun kommt eine weitere Produktionsstätte hinzu. Das Basler Unternehmen plant dazu eine Investition von 90 Millionen Franken. In einem ersten Schritt sollen 260 neue Stellen entstehen, je nachdem, wie sich die Nachfrage für die neue Behandlung entwickelt, könnten es gar 450 sein.

Für die neue Behandlung namens Kymriah ist in Stein eine neue Produktionsanlage für zellbasierte Therapien geplant. Mit Kymriah kann bislang eine Form von Leukämie bei Kindern und Jugendlichen sowie ein weiterer Blutkrebs bei Erwachsenen behandelt werden. Es handelt sich dabei allerdings nicht um ein gewöhnliches Medikament, das als Pille oder Infusion verabreicht wird. Kymriah ist vielmehr eine aufwendige Krebszelltherapie, die mit den körpereigenen Zellen des Patienten arbeitet. Den Betroffenen wird Blut entnommen. Die darin enthaltenen Immunzellen werden anschliessend im Labor modifiziert und vermehrt, damit sie zurück im Körper des Patienten den Krebs bekämpfen. Dazu wird das modifizierte Blut per Infusion zurück in den menschlichen Körper gebracht.

Potenzial von 450 neuen Stellen

Im vergangenen Jahr hat Novartis in den USA die Zulassung für die Therapie erhalten. Am Freitag folgte nun die Europäische Kommission und gab ebenfalls grünes Licht. In der Schweiz wird ein Entscheid bis Ende Jahr erwartet. In den USA verfügt der Pharmakonzern bereits über eine Produktionsanlage für das Verfahren. Stein soll künftig den europäischen Markt bedienen. Die ersten Therapien aus dem Fricktal werden voraussichtlich Anfang 2020 erhältlich sein.

Novartis wird in Stein bestehende Anlagen umnutzen, ein neues Gebäude ist nicht geplant, wie Steffen Lang, globaler Chef der Produktion des Unternehmens, an einer Telefonkonferenz sagte. Wie viele der 260 angekündigten neuen Stellen tatsächlich in neue Anstellungen münden, ist noch unklar. Novartis suche neue Mitarbeiter, wolle aber auch bestehendes Personal für das neue Verfahren umschulen, sagte Lang. Ob das Potenzial von 450 neuen Arbeitsplätzen ausgeschöpft wird, hängt von der Nachfrage nach der neuen Therapie ab. Diese ist schwer abzuschätzen, da der Ansatz sehr neu ist und man in der Branche entsprechend noch wenig Erfahrungen damit hat. Novartis gehört weltweit zu den Vorreitern in der Krebszelltherapie.

Der Investitionsentscheid in Stein sei ein Beispiel dafür, wie Novartis hierzulande in innovative Technologien investiere, sagte Matthias Leuenberger, Länderpräsident von Novartis Schweiz. Damit zeige sich auch, wie sich die Produktionslandschaft verändere. «Während wir in neue, hoch entwickelte Technologien investieren, wird die Bedeutung einiger traditioneller Produktionszweige abnehmen.»

Mehr Stellen geschaffen als gestrichen

Leuenberger spielte damit auch den Entscheid des letzten Jahres an. Damals gab Novartis bekannt, in der Region Basel 500 Stellen abzubauen und gleichzeitig andernorts 350 neue Arbeitsplätze zu schaffen. Vom Abbau war etwa die Produktion chemischer Wirkstoffe und Routine-Jobs in der Entwicklung neuer Medikamente betroffen. Gleichzeitig gab der Konzern bekannt, eine Anlage zu erweitern, die auf die Produktion biotechnologisch hergestellter Medikamente spezialisiert ist. Kurz gesagt: Routine-Jobs verschwinden, Hightech-Arbeitsplätze entstehen.

Um den Aufbau der 350 Stellen entstand eine Kontroverse. Die Gewerkschaften kritisierten letzten Herbst, es gebe keine Anzeichen, dass Novartis seine Ankündigung in die Tat umsetze. Der Pharmakonzern wehrte sich vehement gegen die Darstellung. Per Saldo habe man 2017 zusätzliche Stellen geschaffen. Auf den Ab- und Aufbau angesprochen, gab Länderpräsident Leuenberger gestern neue Zahlen bekannt. Von den 500 hätten bisher 270 Mitarbeiter eine Kündigung oder eine Vorankündigung dazu erhalten. Darin enthalten seien auch Frühpensionierungen. Gleichzeitig seien im Rahmen der 350 neu zu schaffenden Stellen rund 225 Arbeitsplätze entstanden. Da auch andernorts neue Mitarbeiter angestellt worden seien, beschäftige Novartis unter dem Strich etwas mehr Angestellte als bei der Ankündigung im Mai 2017. Insgesamt arbeiten in der Schweiz für Novartis derzeit rund 13000 Mitarbeiter.

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