Novartis hat klare Visionen

Der Aufkauf des Augenheilkonzerns Alcon durch Novartis entwickelt sich zur bestbezahlten Übernahme der Schweizer Wirtschaftsgeschichte. Ehrgeizige Expansionspläne liegen vor.

Thorsten Fischer
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Augenheilmittel werden weltweit gefragt bleiben, rechnet sich Pharmakonzern Novartis aus. (Bilder: Archiv)

Augenheilmittel werden weltweit gefragt bleiben, rechnet sich Pharmakonzern Novartis aus. (Bilder: Archiv)

Basel. Der Pharmakonzern Novartis verspricht sich immer noch viel von der Augenheilfirma Alcon. Nichts weniger als Weltmarktführer in diesem Segment will Novartis durch das amerikanische Unternehmen werden. Es soll mit der im eigenen Konzern vorhandenen Ciba Vision (Kontaktlinsen) verschmelzen. Zu diesem Zweck kauft Novartis nun weitere 52% der Anteile an Alcon.

Bisher wurden sie vom Nahrungsmittelgiganten Nestlé gehalten. Er hatte im April 2008 bereits eine erste Alcon-Tranche von 25% an Novartis abgestossen. Nicht, weil er das Augenheilgeschäft als uninteressant einstufte. Vielmehr ist Nestlé daran, die eigenen Tätigkeiten sinnvoll einzugrenzen. Novartis hatte schon vor zwei Jahren angekündigt, weitere Alcon-Anteile von Nestlé übernehmen zu wollen.

Wachsender Bedarf erwartet

Die neu entstehende Novartis-Division soll zahlreiche Produkte für die Augenheilkunde vereinen. Dazu zählen pharmazeutische, chirurgische und frei verkäufliche Produkte, ebenso Kontaktlinsen (siehe auch Kasten). Unter dem Strich dürften 70% des weltweiten Marktes abgedeckt werden. Erwartet wird ein Umsatz von 8,5 Mrd. $. Dass dieser noch wachsen wird, ist absehbar.

Das Durchschnittsalter der Weltbevölkerung nimmt zu, parallel dazu der Wunsch nach gesunden Augen bis ins hohe Alter. Zusätzlich rechnen die Konzernverantwortlichen mit medizinischem Nachholbedarf in aufstrebenden Ländern. Weil das traditionelle Pharmageschäft durch billigere Generika unter Druck steht, sind neue Wachstumsträger willkommen.

Novartis kostet der Zukauf des 52%-Anteils nochmals 28,1 Mrd. $. Für die erste Tranche von 25% hatte der Pharmakonzern bereits 10,4 Mrd. $ bezahlt. Überraschend bei dieser vor zwei Jahren vorgespurten Transaktion ist eigentlich nur noch der Zeitpunkt: Die Option übt der Pharmakonzern zum frühestmöglichen Termin aus. Nestlé dürfte sich daran nicht stören: Für die 77%, die der Nahrungsmittelhersteller ursprünglich an Alcon hielt, erhält er nun total 38,5 Mrd. $. Ein lohnendes Geschäft, denn Nestlé hatte Alcon 1978 für gerade einmal 280 Mio. $ übernommen.

Allerdings ist Alcon in den vergangenen Jahrzehnten zu einem margenstarken Unternehmen ausgebaut worden. Erst kürzlich gab Alcon bekannt, die israelische Optonol zu übernehmen. Sie entwickelt Mini-Implantate zur Minderung des Augeninnendrucks bei Patienten mit Glaukom.

Bisher teuerste Übernahme

Anders als ursprünglich angekündigt, will Novartis auch die verbleibenden 23% der Alcon-Aktien aufkaufen, die noch an der New Yorker Börse kotiert sind. Diesen Alcon-Aktionären legt Novartis nun eine Übernahmeofferte vor.

Die Gesamtkosten der Übernahme summieren sich damit auf 49,7 Mrd. $. Es ist die bisher teuerste Übernahme in der Schweiz. Laut Novartis soll sie – unter dem Strich – zu keinem Arbeitsplatzabbau führen. Durch Synergien eingesparte Stellen sollen andernorts durch zusätzliches Wachstum ausgeglichen werden.

Finanzieren will der Konzern die anstehenden Schritte durch kurzfristige Kredite und die Ausgabe von 98 Mio. neuen Aktien.

Die mit Geld eingedeckte Nestlé macht genau das Gegenteil: Sie kauft in den nächsten zwei Jahren eigene Aktien für 10 Mrd. Fr. zurück.

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