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Stellenabbau: Novartis erkauft sich Goodwill beim Personal

Novartis federt seine angekündigte Umstrukturierung in erster Linie mit Frührenten ab. Dies kommt den Konzern teuer zu stehen. Im Gegensatz zu anderen Branchen kann man sich den Freikauf in der Pharmabranche offenbar noch leisten.
Philipp Felber, Niklaus Vontobel
Vas Narasimhan, CEO von Novartis hat im Herbst den empfindlichen Stellenabbau angekündigt. (Bild: Patrick Straub/Keystone)

Vas Narasimhan, CEO von Novartis hat im Herbst den empfindlichen Stellenabbau angekündigt. (Bild: Patrick Straub/Keystone)

Der Stellenabbau bei Novartis zählt zu den grössten der Schweizer Wirtschaftsgeschichte. Interne Unterlagen zeigen nun, wie der Pharmakonzern die Streichung von 2000 Arbeitsplätzen abfedern will: mit hohen Abfindungen und grosszügig finanzierten Frühpensionierungen für ältere Mitarbeiter. Insgesamt dürfte der Abbau den Pharmakonzern mindestens einen hohen zweistelligen Millionenbetrag kosten. Der Kahlschlag wurde im Herbst öffentlich. Konzernchef Vas Narasimhan versicherte damals: «Die Mitarbeiter werden anständig ­behandelt.» Aus den internen Unterlagen, die der Redaktion von CH Media vorliegen, wird nun ersichtlich: Zumindest lässt sich Novartis die Massenentlassung sehr viel Geld kosten.

Auch Junge erhalten hohe Abfindungen

In die Frühpensionierung dürfen ältere Mitarbeiter, die das 58. Lebensjahr erreicht haben. Ihnen zahlt Novartis eine Abfindung von mindestens 100000 Franken. Wer über 25 Jahre beim Konzern war, darf sich auch 4000 Franken pro Dienstjahr auszahlen lassen. Und Novartis schiesst jedem frühpensionierten Mitarbeiter noch maximal 90000 Franken in die Pensionskassen ein. Doch bei Novartis erhalten auch jüngere Mitarbeiter hohe Abfindungen. Wer zwischen 55 und 58 Jahre alt ist, erhält ebenfalls mindestens 100000 Franken. Dazu einen Zuschlag von 14 Prozent, also insgesamt 114000 Franken. Wer unter 50 ist, erhält eine mit Dienstjahren und Alter verrechnete Abfindung. Ein Beispiel: Wer 20 Jahre bei Novartis arbeitete, 45 Jahre alt ist und 8000 Franken im Monat verdiente, bekommt 72000 Franken. Hinzu kommen Härtefall-Lösungen und weitere Zahlungen, etwa Beiträge an die Pensionskasse. Damit wird die Sparübung richtig teuer für Novartis. Denn betroffen sind total über 2000 Mitarbeiter an den Standorten Basel, Stein, Schweizerhalle, Locarno und Rotkreuz.

Dem Beispiel Novartis folgen heute am ehesten noch die Banken. Derzeit greifen sie mit grossem Vorsprung auf andere Branchen auf dieses Mittel zurück. Im Gesundheits- und Sozialwesen ist der Anteil der Frühpensionierten gemäss Bundesamt für Statistik nur halb so hoch. Dabei hat selbst der eigene Branchenverband kürzlich Frühpensionierungen einen «demografischen Blödsinn» genannt. Denn Mitarbeiter würden mit der gesellschaftlichen Alterung je länger, je mehr fehlen.

Doch der «demografische Blödsinn» ist bei Schweizer Banken nicht ohne Grund beliebt. Wie ein Sprecher von Arbeitgeber Banken sagt, sei die Frührente oft schlicht und einfach attraktiv. Vielleicht noch wichtiger: In der Branche könne man sich Frühpensionierungen leisten, so der Sprecher – «zumindest im Moment noch». Ausser den Banken sind Frührenten jedoch den meisten Unternehmen mittlerweile zu teuer. In einer Studie des Bundes heisst es, in den letzten Jahren sei der finanzielle Spielraum dafür in der zweiten Säule der Altersvorsorge enger geworden. In der Folge wurden Frühpensionierungen seit 2005 seltener. Die Gewerkschaften sehen diesen Trend kritisch. Frühpensionierungen hätten am Arbeitsmarkt die Funktion von «Notausgängen», steht in einem Papier des Gewerkschaftsbundes: Ältere Arbeitnehmer könnten flüchten, wenn ein Stellenverlust drohe. Seien diese Notausgänge verschlossen, verschärfe sich ihre Situation.

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