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Not macht erfinderisch

Um Verluste im Strommarkt zu reduzieren, will Produzent Alpiq 49 Prozent der Wasserkraftbeteiligungen verkaufen. Denn Verteilwerke können diesen Strom zu Monopoltarifen absetzen.
Hanspeter Guggenbühl
Die Staumauer und der Speichersee des Kraftwerks Grande Dixence. (Bild: Alpiq)

Die Staumauer und der Speichersee des Kraftwerks Grande Dixence. (Bild: Alpiq)

ZÜRICH. Der einst kräftige Stromkonzern Alpiq schrumpft stetig: Im Geschäftsjahr 2015 sank sein Umsatz auf 6,7 Mrd. Franken. Das sind 17% weniger als im Vorjahr und sogar 52% weniger als noch 2010. Die Gründe dafür: Die Preise auf dem Strommarkt, auf dem die Alpiq ihre Produktion verkauft, brachen ein. Darum musste der Konzern Investitionen in Milliardenhöhe abschreiben. Die Verluste in der Konzernrechnung summierten sich seit 2010 auf mehr als 4 Mrd. Fr.; im Jahr 2015 allein resultierte ein Verlust von 0,83 Milliarden.

Der Tiefpunkt steht noch bevor

Um eine Überschuldung abzuwenden, verkaufte die Alpiq, was sie konnte: Zuerst die Beteiligungen an Gaskraftwerken in Italien, dann ihren Anteil an der Bündner Repower und vieles mehr. Der Tiefpunkt aber steht erst bevor: Im Jahr 2015 konnte die Alpiq ihre Stromproduktion noch zu einem durchschnittlichen Preis von (umgerechnet) 6 Rp. pro Kilowattstunde (kWh) absetzen; dies deshalb, weil sie einen Grossteil dieses Stroms schon 2013 auf Termin verkauft hatte, als die Marktpreise noch höher waren. Inzwischen sind die Marktpreise nochmals um mehr als einen Viertel gesunken. Damit liegen sie heute deutlich unter den Produktionskosten aller Atomkraftwerke sowie der meisten Schweizer Wasserkraftwerke. Darum will die Alpiq weiter devestieren: Weil heute kaum jemand ihre Beteiligungen an den Atomkraftwerken Gösgen und Leibstadt kaufen will, bietet die Alpiq jetzt 49% ihrer verbliebenen Wasserkraftbeteiligungen zum Verkauf an. Dazu gehören unter anderen die Speicherkraftwerke Grande Dixence und Chandoline im Wallis oder die Blenio- und Maggia-Kraftwerke im Tessin. Mit diesem Verkauf könne die Alpiq ihre Abhängigkeit von den Marktpreisen im Grosshandel begrenzen und ihre Verschuldung weiter reduzieren, begründet Konzernchefin Jasmin Staiblin gestern ihr Verkaufsangebot. Der Hintergrund dieses Deals: Als Grosshändlerin muss die Alpiq – wie auch die Axpo – ihren Strom zu (heute unrentablen) Marktpreisen verkaufen, sei es an marktzutrittsberechtigte Grossverbraucher oder an Stromverteiler, die Kleinverbraucher direkt beliefern. Diese Kleinverbraucher haben in der Schweiz keinen Marktzutritt. Ihre Monopoltarife orientieren sich deshalb an den Gestehungskosten ihres Verteilwerks.

Die Gestehungskosten von Verteilwerken, die keine oder wenig Eigenproduktion haben (etwa die Verteilwerke im Axpo- oder Alpiq-Gebiet in der Nordost- oder Nordwestschweiz) nähern sich nach einer Verzögerung von zwei bis drei Jahren den tiefen Marktpreisen an. Verteilwerke hingegen, die über eigene Kraftwerke verfügen (heute etwa die BKW oder die Stadtwerke von Zürich, Basel und Bern), können ihren Strom den im Monopol gefangenen Kleinverbrauchern weiter zu den höheren Gestehungskosten verkaufen.

Teil des Marktes ausschalten

In dieser Situation können heute alle Stromverteiler (Netzbetreiber), die über ein Gebietsmonopol für nicht marktzutrittsberechtigte Kleinverbraucher verfügen, unrentable Wasserkraftwerke ohne Risiko kaufen; dies solang der Schweizer Strommarkt nicht vollständig geöffnet wird, und das kann noch lange dauern. Und umgekehrt: Mit dem Verkauf von Wasserkraftanteilen an Verteilwerke kann die Alpiq einen Teil des Strommarktes elegant ausschalten. Fragt sich nur, wie lange es geht, bis auch Alpiq-Konkurrent Axpo diesen kreativen Trick anwendet.

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