Nokia will expandieren

Der finnische Netzwerkausrüster Nokia will offenbar die Drahtlos-Sparte von Alcatel-Lucent übernehmen. Die Aktien Nokias sind nach der Meldung gefallen.

André Anwar
Drucken
Teilen

HELSINKI. Eine weitere Megahochzeit könnte bald im Markt der Netzwerkausrüster stattfinden. Der nach dem Verkauf seiner Handysparte an Microsoft in Finnland verbliebene Netzwerkausrüster Nokia steht laut dem Unternehmen in fortgeschrittenen Gesprächen über einen Zusammenschluss mit dem französisch-amerikanischen Branchenkollegen Alcatel-Lucent.

Noch ist der Abschluss offen

«Mehr als das können wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht sagen», so Nokia-Pressesprecher Brett Young gegenüber dieser Zeitung. Auch, ob es dazu in dieser Woche noch handfeste Verlautbarungen geben wird, hielt er offen. Es sei unklar, ob das Geschäft tatsächlich zustande kommt, betont Nokia in einer Medienmitteilung. Der finnische Netzwerkausrüster reagierte damit auf eine vom Wirtschaftsdienst Bloomberg verbreitete Nachricht. Laut Bloomberg wird über einen kompletten Zusammenschluss verhandelt, aber die Übernahme des Drahtlos-Geschäfts von Alcatel-Lucent gelte als wahrscheinlichste Variante. Eine Vereinbarung könne schon in dieser Woche offiziell bekanntgegeben werden, so Bloomberg. Im Handel zogen Alcatel-Aktien zeitweise um 18% an. Auch Nokia-Aktien gewannen kurz hinzu, fielen aber gestern vormittag kräftig um gut 6%.

Nokia verfügt seit dem Verkauf seiner Handysparte an Microsoft im Jahr 2013 mit 5,44 Mrd. € über eine grosse Kriegskasse für Aufkäufe. Die braucht Nokia auch, um im härter werdenden Konkurrenzkampf bei den Netzwerkausrüstern zu bestehen. Dort tummeln sich immer mehr Billiganbieter aus Asien. Lange wurde in Finnland spekuliert, wozu Nokia das Geld verwenden wird. Ein Aufkauf des angeschlagenen Alcatel-Lucent-Konzerns galt stets als wahrscheinlichste Variante. Alcatel-Lucent entstand 2006 durch einen Zusammenschluss der französischen Alcatel und der amerikanischen Lucent Technologies. Der Hauptsitz liegt in Paris.

Viel Konkurrenz

Nokia konzentriert sich seit dem Verkauf seiner Handysparte an Microsoft auf die Netzwerksparte. Bereits 2006 haben die Finnen mit der Netzwerksparte des deutschen Siemens-Konzerns fusioniert. Nokias Hauptkonkurrenten sind vor allem der schwedische Ausrüster Ericsson und die chinesischen Anbieter Huawei und ZTE. Auch der südkoreanische Konzern Samsung und die japanische Fujitsu treten auf dem Markt gegen Nokia an. 2014 haben die Finnen in der Drahtlos-Geschäftssparte einen Umsatz von 4,7 Mrd. € erzielt.

Aktuelle Nachrichten