Noch mehr Ungemach für den Volkswagen-Konzern

WOLFSBURG. Wenige Tage nach dem Rücktritt von VW-Chef Martin Winterkorn hatte am 25. September der ehemalige Porsche-Chef Matthias Müller das Steuer von Europas grösstem Autobauer übernommen.

Christoph Reichmuth
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WOLFSBURG. Wenige Tage nach dem Rücktritt von VW-Chef Martin Winterkorn hatte am 25. September der ehemalige Porsche-Chef Matthias Müller das Steuer von Europas grösstem Autobauer übernommen. Müller musste eine Erklärung unterzeichnen, wonach er von den Abgasmanipulationen bei VW nichts gewusst habe. Danach machte er sich daran, den Skandal aufzuarbeiten. Tiefe Einschnitte wurden angekündigt.

Auch stärkere Diesel betroffen?

Doch Müllers Zeit an der VW-Spitze könnte von kurzer Dauer sein. Dann jedenfalls, wenn sich die jüngsten Vorwürfe der US-Umweltbehörde EPA bestätigen. Demnach soll Volkswagen auch in die grösseren 3-Liter-Dieselmotoren eine Software eingebaut haben, um den Schadstoffausstoss im Testverfahren zu senken. Im Normalbetrieb würden die Premiumfahrzeuge der Marken VW Touareg, Audi A6 Quattro, A7 Quattro, A8, A8 L und Q5 sowie Porsche Cayenne bis zu neunmal mehr Stickoxid ausstossen als erlaubt, bemängelt die EPA. Betroffen seien in den USA rund 10 000 Fahrzeuge. Bisher betonte VW, die Software sei einzig in den 1.2-, 1.6- und 2-Liter-Dieselmotoren verwendet worden, global seien 11 Mio. Fahrzeuge betroffen. VW hat den Vorwurf der Umweltbehörde zurückgewiesen. Mit dem Dementi steht Aussage gegen Aussage. Trotzdem ist Müller etwas angezählt. Zuvor war er bis 2015 bei Porsche der starke Mann, ausgerechnet da soll nun ebenfalls getrickst worden sein. Müllers Aufgabe ist es, das zerstörte Vertrauen zurückzugewinnen. Erweisen sich die Vorwürfe aber als richtig, kann er den Neuaufbau kaum glaubwürdig anpacken.

Neue Unregelmässigkeiten

Der Volkswagen-Konzern, der im 3. Quartal 2015 erstmals einen Verlust ausweisen musste, würde finanziell noch stärker unter die Räder kommen als erwartet. Porsche und Audi sind für einen Grossteil des Profits verantwortlich. Die Kosten für den Skandal kommen VW schon jetzt teuer zu stehen. Die Landesbank Baden-Württemberg rechnet derzeit mit einem Schaden von 47 Mrd. € – inklusive Kosten für technische Umrüstung, Straf- und Schadenersatzzahlungen und Anwaltskosten.

Damit aber nicht genug: VW musste gestern abend auch Unregelmässigkeiten bei Kohlendioxidwerten einräumen. Erstmals sind auch Benziner und nicht nur Dieselfahrzeuge betroffen. «Nach derzeitigem Erkenntnisstand können davon rund 800 000 Fahrzeuge des Volkswagen-Konzerns betroffen sein», heisst es in einer Mitteilung. «Die wirtschaftlichen Risiken werden in einer ersten Schätzung auf rund zwei Milliarden Euro beziffert.»